„Der Regisseur hat einfach gegoogelt: Schauspielerin, Salzburg, jung.“

Mit „Die beste aller Welten“ kommt am Freitag einer der besten Spielfilme ins Kino, den das heimische Kino derzeit zu bieten hat: authentisch erzählt, einfühlsam inszeniert und großartig gespielt. Filmemacher Adrian Goiginger erzählt uns dabei von seiner eigenen Kindheit im Salzburger Drogenmilieu der 1990er Jahre. Ein Highlight des Films ist die junge Schauspielerin Verena Altenberger, die in die Rolle der drogenabhängigen Mutter schlüpft. Wir haben ihr für unsere Interview-Reihe sechs Fragen gestellt.

© Stefan Klüter

Wie bist du zu der Rolle von Helga gekommen?

Regisseur Adrian Goiginger war es sehr wichtig, für die Rolle der Helga eine Salzburgerin zu besetzen. Also hat er ganz einfach gegoogelt: „Schauspielerin, Salzburg, jung“. Zum Glück heiße ich Altenberger – meine Homepage stand ganz oben. (lacht) Nach einem ersten Treffen und nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war sehr schnell klar: Ich möchte diese Rolle unbedingt spielen.

Adrian Goiginger verfilmt in „Die beste aller Welten“ seine eigene Kindheit und du spielst darin seine drogenabhängige Mutter, die 2013 verstarb. Wie hast du dich auf diese Rolle und die Zusammenarbeit mit Adrian vorbereitet?

Ich hatte sehr viel Material, um die echte Helga kennen zu lernen: Tagebücher, Fotos, Videoaufnahmen. Und natürlich die Geschichten von Adrian und Günter Goiginger, seinem Stiefvater. Zusätzlich habe ich Helgas Eltern und Freundinnen kennen gelernt. Das alles hat mir sehr geholfen, ein gutes Gefühl für diesen Menschen zu entwickeln. In der Vorbereitung haben wir uns also sehr eng an der echten Helga Wachter orientiert.

Vor Drehbeginn gab es dann aber einen Moment, in dem der Regisseur und ich gemeinsam beschlossen haben, ab jetzt nicht mehr über seine Mutter, sondern über die Filmfigur Helga zu sprechen, die ich als Schauspielerin kreiere. Das hat mir insofern größere Freiheiten gegeben. Nichtsdestotrotz war das größte Kompliment, das mir Adrian nach den häufig improvisierten Szenen machen konnte: „Verena, genau so hätte meine Mutter das auch gemacht.“

Verena Altenberger über ihre Rolle als Mutter des kleinen Adrian: „Helga ist nicht hübsch und sie ist nicht erfolgreich. Sie ist nicht die klassische Protagonistin eines Filmes. Dennoch ist sie eine liebende Mutter und eine Kämpferin. Solche Frauenrollen gibt es viel zu selten!“

Jeremy Miliker, der deinen Film-Sohn Adrian spielt, ist ein Glücksgriff. Wie habt ihr eure unglaublich innige Mutter-Sohn-Beziehung aufbauen und halten können?

Ich war von Anfang an bei den Kindercastings dabei und habe Jeremy insofern sehr früh kennen gelernt. Als er besetzt war, hatten wir fast ein halbes Jahr Zeit, um uns richtig gut aufeinander einzustimmen. Wir haben uns mindestens zwei Mal pro Woche getroffen, waren Fußball spielen, im Museum oder haben einfach zusammen ferngesehen. Ab einem gewissen Zeitpunkt habe ich angefangen, spielerisch Filmszenen mit ihm zu improvisieren. Zum Beispiel haben wir einmal Pfandflaschen gesammelt, bis wir genug Geld hatten, um uns zu Mittag Nudeln mit Ketchup zu kaufen. So ähnlich kommt es auch im Film vor. Irgendwann haben wir uns sogar nur noch Adrian und Mama genannt. Am ersten Drehtag war unsere Verwandlung in Mutter und Sohn schon perfekt vollzogen.

Auf der Diagonale-Preisverleihung im März (wir gratulieren zum Schauspielpreis!) hast du Adrian dafür gedankt, dass du diese starke Rolle und Frauenfigur spielen durftest. Sind solche Rollen im heimischen Kino/Fernsehen sehr selten und schwer zu kriegen?

Helga ist nicht hübsch und sie ist nicht erfolgreich. Sie ist nicht die klassische Protagonistin eines Filmes. Dennoch ist sie eine liebende Mutter und eine Kämpferin. Solche Frauenrollen gibt es viel zu selten! Vor allem diese Geschichten über diese starken Frauen müssen besonders dringend erzählt werden.

Adrian Goiginger bin ich vor allem für seinen Mut dankbar, mit mir eine junge Schauspielerin besetzt zu haben, die rein optisch nicht die erste Wahl für eine Drogenabhängige wäre. Bis dahin hatte ich vor allem hübsche Charaktere gespielt und erst wenige Hauptrollen gedreht. Als junge Schauspielerin war es ein großes Glück, mich auf diese Art beweisen zu dürfen.

Kleine Nuss für große Kunst! Verdienter Schauspielpreis für Verena Altenberger auf der Diagonale 2017 in Graz. Foto © Diagonale / Miriam Raneburger

In deinem Schauspielerin-Profil steht, dass du u.a. Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Jiddisch und Türkisch sprichst, kunstturnen, fechten, reiten, eiskunstlaufen, skifahren, snowboarden und golfen kannst, Ballett, Burlesque und Stepp tanzt und einen Waffenschein hast. Macht da Schauspielerin-Werden überhaupt noch Spaß, wenn man das alles können muss, um Rollen zu kriegen?!

Ich liebe es, Fähigkeiten zu sammeln, wie ich es nenne. Ich habe da wahrscheinlich einen Hang fürs Extreme. Wenn ich in einer Szene schießen soll, dann reicht es mir nicht, eine Unterrichtsstunde zu nehmen, ich will eben gleich den Waffenschein machen. Genauso verhält es sich mit den Sprachen. Das ist eine der tollen Sachen am Schauspielerin-Sein: Ich lerne so viele neue Dinge, Orte und Menschen kennen. Sportlich war ich allerdings schon vor meiner Karriere. Sport ist für mich der wichtigste Ausgleich und Energielieferant.

Unsere übliche Abschlussfrage: Es gibt auch Träume abseits des Kinos und des Schauspiels. Ganz ehrlich: Jemals beruflich an einen Plan B gedacht?

Nein. Niemals.

Eine Interviewreihe in Kooperation mit Cinema Next – Junges Kino aus Österreich. Ein ausführliches Porträt über Adrian Goiginger, den Regisseuren von „Die beste aller Welten“, findet ihr hier.

„Die beste aller Welten“ läuft ab 8. September in den österreichischen Kinos.

 

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