Der Soundtrack zum Thai-Curry

Während das Londoner Label Soundway sein Hauptaugenmerk bisher auf Musik aus Nigeria, Ghana, Kolumbien und der Karibik legte, richtet es nun erstmals seinen Fokus auf Musikschätze aus dem fernen Osten. „The Sound of Siam” dokumentiert 19 Thai-Oldies aus den 1960er und 1970er Jahren.

Der Trend, Asien musikhistorisch zu erforschen ist nicht neu, so erschien bereits Sublime Frequencies „Siamese Soul” (2009), „Electric Cambodia” auf Minky Records und die „Thai Beat A Go Go”-Serie (1-3) auf Subliminal. Nichtsdestotrotz spürte der DJ, Musiker und Journalist Chris Menist in den Nebenstraßen Bangkoks ein paar Plattenläden auf, in denen die Zeit stehen geblieben schien. Die schwarzen Vinylscheiben waren in den 1960er und 1970ern etwas Kostspieliges und Seltenes und die Musik wurde hauptsächlich live gespielt. Zudem hielt einige Zeit später die Kassette als Massenmedium Einzug und niemand interessierte sich mehr für die Schallplatten.

Umso erfreulicher, dass Menist unter Durchsicht verstaubter Vinylstapel Preziosen wie Chaweewan Dumnern´s „Sao Lam Plearn” gefunden hat. Schleppende Drums, ein unüberhörbares Riff der Stones („Jumpin Jack Flash”) und fernöstliches Sing-Sang. Genauer gesagt handelt es sich um den thailändischen Dialekt „Isan”. Die zwei Jahrzehnte waren wie in vielen anderen Ländern Zeiten des Umbruchs, des Experimentierens und Ausprobierens. Der Einfluss amerikanischer Rock-, Soul- und Surfmusik basierte nicht zuletzt aufgrund der wegen des Vietnam-Kriegs stationierten GI´s und der US-Radios in Saigon.

Obwohl der Laie keinen Unterschied zu klassischen Bollywood-Schmalzen feststellen wird, ist thailändische Musik – wenngleich popkulturell unterrepräsentiert – sehr differenziert. Thailand unterscheidet sich seit jeher durch ein starkes Stadt-Land-Gefälle, welches sich auch in der Musik niederschlägt. Während in den ländlichen Gebieten „Luk Thung” verbreitet war, spielte man in der Stadt „Luk Krung”. Im armen Norden dagegen hieß die Musik „Molam”. Allen dreien haftet gleichermaßen etwas Bizarres an, was sicher auch an der gewöhnungsbedürftigen Sprache und dem Einsatz indigener Instrumente wie der „Khaen” – einer Mundorgel aus Bambus – liegt.

Auch wenn westliche Musik ein Faktor in der Entstehung dieses Genres war, so findet man auf „The Sound of Siam” fast keine Coverversionen von amerikanischen Pop-Hits. Dafür lassen funkige Ausprägungen wie „Nom Samai Mai”, das mit krächzenden Bläsern, Wah-Wah-Gitarren und hypnotisierendem Gesang aufwartet, erahnen, welcher Sound 1970 die Clubs Bangkoks beschallte. Auch die lateinamerikanische Note ist nicht fehl am Platze, wenn „Pen Jung Dai” einen flotten Asia-Samba aufs Parkett legt. Ein interessanter, exotischer Mix, der trotz sprachlicher Barrieren das Ohr nicht überstrapaziert.

Various Artists – The Sound of Siam. Leftfield Luk Thung, Jazz and Molam from Thailand 1964 – 1975

(Soundway)

http://www.soundwayrecords.com/

Zu Chris Menist:

„The Indiana Jones of Thai folk music” (CNN)

Chris Menist, der jüngst eine Kollektion obskurer pakistanischer Filmmusik („Lollywood”) für Finders Keepers zusammenstellte, lebt seit 2008 in Bangkok und veranstaltet eine regelmäßige Clubnacht namens „Paradise Bangkok”, in der er seine Funde vor großem Publikum präsentiert.

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