Die Spätberufene an den Plattentellern

Als Frau muss man im DJ-Bereich das Doppelte leisten, um wahrgenommen zu werden, während sich männliche Kollegen fragen, ob es feministische Plattformen überhaupt noch braucht – p.K.one im Interview.

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Petra Kisslinger, in DJ-Kreisen als p.K.one aber auch mit ihrer Band Me & Jane Doe bekannt, ist erst mit 29 Jahren Stück für Stück über Vinylkauf, Auflegerei bei Privatparties und regelmäßigen DJ-Gigs im Wirr in die Szene eingestiegen. Im Jahr 2000 rief sie die Veranstaltungsreihe Ladyshave – benannt nach einem GusGus-Song – ins Leben. Weiters folgte die heimische Antwort auf die Plattform Female:pressure und weitere Festivals sowie regelmäßige Eigenveranstaltungen. Wir haben ihr kurz vor dem "Perspectives-Festival – Female Perspectives on Electronic Music and Digital Arts presented by Female:Pressure" ein paar Fragen gestellt.

Wie ist es zu deinem Namen gekommen?

Ziemlich unspektakulär. p.K.one setzt sich von meinen Initialen zusammen und mein damaliges Lieblingsparfum war von Calvin Klein, der sich ja auch so schreibt. c.K.one.

Wie verbindest du DJ-ing mit dem Alltag? Arbeitest du nebenbei?

Ich habe für mich nie geplant DJ-ing zu meinem Job zu machen oder davon leben zu wollen. Dafür war für mich der Einstieg zu spät und ich hab ja auch von meinem Umfeld mitbekommen, wie schwer das ist. Um dennoch flexibel sein zu können, dazu brauchts einen Brotjob, bei dem man nicht so gebunden ist. Die sind und waren sehr unterschiedlicher Art. Heilmasseurin, Veranstaltungstechnikerin, Tickets verkaufen oder auch als Verkaufsmitarbeiterin.

2000 hast du Ladyshave gegründet. Was war die Intention? Wie funktioniert diese Plattform?

Da hatte Electric Indigo großen Einfluss auf mich mit ihrer internationalen Plattform Female:pressure. Da ich Anfängerin war und es damals wenige Frauen als DJs gab, kam mir die Idee eine heimische Plattform zu gründen. Ladyshave sollte Raum für Frauen schaffen im Bereich DJ-ing und VJ-ing und eben auch für Anfängerinnen. Mit Plattformen schafft man einfach Raum, eine vorhandene Vernetzung und Sichtbarmachung von Frauen im elektronischen Bereich.

Ich hab mit Sabine Schlöglhofer vor 2 Jahre mit Ladyshave auch einen Verein gegründet. Wir haben für kommendes Jahr DJ-Workshops, einen Comic-Workshop und diversen Events geplant und sind zur Zeit damit beschäftigt, Sponsoren zu finden bzw. Förderungen zu bekommen. Ziel ist es, die Workshops gratis anzubieten aber die Lehrenden ordentlich zu bezahlen. Dasselbe Ziel haben wir uns für die Events vorgenommen, keinen bzw. wenig Eintritt, damit das Event für alle Sozialschichten zugänglich ist, aber alle DJs, VJs, Performerinnen und Musikerinnen sollen eine ordentliche Gage erhalten.

Mit Denise Bourbon gemeinsam hast du die Band Me and Jane Doe gegründet. Wie kam es dazu, was ist bisher geschehen und was habt ihr noch vor?

Ich hab ja vor vier Jahren angefangen Musik zu produzieren und sehr schnell bemerkt, daß mir da Gesang fehlt. Denice Bourbon hab ich schon in unterschiedlichsten Rollen erlebt. Als DJ, Moderatorin, Kolumnistin, Sängerin in diversen Bands und als Burlesque-Tänzerin. Für mich ist Denice nicht nur eine Sängerin sondern eine Entertainerin. Darum hab ich sie damals auch gefragt, ob wir nicht gemeinsames etwas machen wollen.

Wir bewegen uns zwischen TripHop, Electro-Pop und Techno unnd diese Vielfältigkeit finde ich sehr spannend. Als Bassistin ist noch Lisa Wawrusch dabei und von der Band "Aivery" Jasmin Maria Rilke an der Gitarre. Dank der guten Vernetzung hatten wir schon einige Konzerte und sind auch schon auf zwei Compilations vertreten. Seit Kurzem haben wir auch einen Produzenten, Sebastian Meyer. Aber wir stehen noch total am Anfang und suchen auch noch ein Label

Wie sind deine Erfahrungen mit männlichen Kollegen bzw. Booking-Firmen?

Da hab ich als DJ bisher noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Eher so, dass Männer eine feministische Plattform öfters belächeln und immer wieder gefragt wird: "Braucht es das heutzutage überhaupt noch?"

Warum sind deiner Meinung nach Frauen nach wie vor in der elektronischen Musikszene eher Randerscheinungen in Österreich?

Das ist doch wie in der gesamten Arbeitswelt. Der Großteil der Veranstalter und Booker sind männlich. Da ist auch Ignoranz im Spiel. Was ich auch aus diversen Erzählungen und Artikel mitbekommen habe, setzen ja manche männlichen Kollegen sich mit Ellbogentechnik hinterm DJ-Pult mehr durch. Da musst du dann als Frau das Doppelte leisten, um wahrgenommen zu werden.

Welche Rolle spielt dein Frau sein im Bezug auf dein DJ sein?

Ich sehe das eher als Vorteil. Manche Veranstalter sind ja mittlerweile daran interessiert bzw. bemüht mehr weibliche DJs zu buchen und es gibt ja auch immer mehr feministische Festivals.

Gebucht zu werden weil ich eben u.a. Frau bin, find ich absolut legitim. Hat mir auch schon einige Türen geöffnet. Und ich glaube nicht, daß dich jemand bucht, um ein Quote zu erfüllen, wenn du nicht gut bist indem was du machst bzw. zu der jeweiligen Veranstaltung mit deinem Style passt.

Nächste Gigs von „Me&Jane Doe“: 21.9. im Brut (Gender Crash) und im Oktober in Graz (Ladyfest).

Weitere Infos:

www.ladyshave.at

www.soundcloud.com/meandjanedoe

Weitere Interviews mit Clara Moto, DJ Ravissa, Rosa Reitsamer, Anette O und p.K.one zu Thema "Geschlechtergefälle hinter den Reglern elektronsicher Musik" gibt es hier: i>www.thegap.at/clubkultur

Bild(er) © Martin Johann Krennbauer
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