Domain-Wahl

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Der Kauf einer Domain funktioniert online grundsätzlich sehr einfach – man muss sich nur darum kümmern. Geht es um die Wahl, stach hier in den letzten Jahren vor allem der Vorsitzende der EU-Austrittspartei hervor, der Domains wie nationalratswahl.at als Info-Seiten betreibt.

Man hätte eigentlich schon sehr früh daran denken können, dass eine Domain wie nationalratswahl.at irgendwann einmal nützlich sein könnte. Berücksichtigt haben das die wenigsten Großparteien und auch nicht das Innenministerium, die auf der Seite informieren könnten – dafür aber der Chef der EU-Austrittspartei und Inhaber von wien-konkret.at, Robert Marschall. Er sicherte sich in der Vergangenheit sehr viele Domains mit wahlrelevanten Stichwörtern und wurde zumindest während den letzten Wahlen auch auf Google gut gerankt. Marschall befüllt immer noch die Seiten wahltermin.at und nationalratswahl.at mit mehr oder minder neutralen Infos zu den politischen Mitbewerbern.

Im Rahmen der Bundespräsidentenwahl 2016 (bundespräsidentenwahl.at, momentan offline, gehört der SPÖ) wurde der ÖVP die Top-Domain für den Spitzenkandidaten von den NEOS weggeschnappt. Neos-„social media guy“ Michael Horak leitete von khol2016.at auf die Seite der Plattform ehegleich.at weiter. Überhaupt sind auch die Liberalen sehr aktiv im Domainkauf: wahlkarte.wien führt auf die pinke Seite aufbegehren.at. Und Lunacek2017.at haben die NEOS ebenfalls registriert. Daraus hat zumindest die SPÖ gelernt: kern2017.at ist bei den Sozialdemokraten geparkt, wie aus der whois-Datenbank von nic.at hervorgeht. nic.at ist jenes Unternehmen, welches alle 1.27 Millionen österreichischen Domains (.at/or.at/co.at) zentral verwaltet.

Die Stadt Wien leitet von politik.wien auf die offizielle Homepage der Stadt weiter, wahl.wien war ein Studentenblog zur ÖH-Wahl 2015. Das rote Wien gehört bei der nächsten Wahl zumindest online der jungen ÖVP, wenn man wienwahl.at glaubt. wahl.at generell führt zur ÖVP bzw. der Liste Kurz. Die inaktive Seite nr-wahl.at gehört Joachim Stampfer, dem Social-Media-Experten Heinz-Christian Straches.

Unentschlossene aufgepasst: Wer per Adresszeile nach der richtigen Partei fragt (wensollichwählen.at), wird zur Piratenpartei Graz weitergeleitet.

Parteifarben weg: Wie man an eine Domain kommt

Langsam aber sicher ziehen also auch die etablierten Parteien nach. Die klassischen Farben sind allerdings alle vergeben: schwarz.at und pink.at sind Unternehmensseiten, rot-, blau- und gruen.at seit 2009 geparkt. Warum das so ist? Domains können sehr einfach im Netz registriert werden, und als erstes probieren viele naheliegende, generische Gattungsbegriffe. Über Whois-Datenbanken gibt man die gewünschte Adresse inklusive Länderkennung oder anderweitiger Endung ein, etwa .at für Österreich oder .com für kommerzielle Zwecke. Diese Datenbanken spucken den Inhaber aus oder bieten die Registrierung nicht-vergebener Adressen gegen ein geringes Entgelt an. Allen, für die das Internet 2017 immer noch Neuland (Copyright Angela Merkel) ist, hat nic.at ein anschauliches Tutorial gewidmet:

Und wo wir eben bei Merkel waren: Die Adresse Bundestagswahl.de führt zwar nicht zur CDU, aber zum Wahl-Special des als (im Vergleich zur ARD) konservativ geschmähten öffentlich-rechtlichen ZDF.

Jedenfalls ist der Handel mit Domains ein fettes Geschäft und nimmt immer weiter zu. Gehört einem mal eine Domain, kann man diese natürlich gegen gutes Geld versilbern. Wer seine Parteikasse schonen oder sich gegen Verballhornung schützen will, sollte sich also recht früh eine Domain sichern, denn die Preise können rapide steigen. Für die kommende Nationalratswahl ist das vermutlich ein später Rat, aber Domains bleiben potenziell gewinnträchtige Waren. Rechtsansprüche auf gewisse Webadressen kann man übrigens schwer bis nicht durchsetzen.

Es ist auch im Interesse der demokratischen Öffentlichkeit, bestimmte Domains zu schützen, beim richtigen Adressaten zu parken oder Seiten transparent zu gestalten. Ein interessierter Bürger sollte nicht vorgegaukelt bekommen, dass er neutrale Infos über einen Kandidaten X bekommt, wenn er eigentlich auf einer Propaganda-Seite des Gegenkadidaten surft.

Scheisse.at führt übrigens nicht zu einer rechtsradikalen Sekte, sondern zu einer Sexsite. Braun.at gehört einer gleichnamigen Maschinenbaufabrik aus dem Salzkammergut.

Ein Kreuzerl kann man am 15. Oktober übrigens nur persönlich machen, nicht per Mausklick. Schon am 4. September wird die Seite wahlkabine.at relauncht, die  bei der Wahlentscheidung hilft. Die Seite wird von österreichischen Politikwissenschaftern betreut, der Domaininhaber ist eine IT-Firma aus Wien.

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