Frauenfilmtage 2017: Gabriele Frimberger im Gespräch

Von 2. bis 9. März finden die Frauenfilmtage 2017 statt. Wir haben mit der Festivalleitung Gabriele Frimberger über Frauen in der Filmbranche und ihre Projekte gesprochen.

Gabriele Frimberger
© Mario Lang

Das Festival bietet eine Plattform für Frauen aus der internationalen Filmbranche. Gibt es einen spezifischen Fokus in den Themen der diesjährigen Spielfilme und Dokumentationen?

Bevor ich zum internationalen Teil komme möchte, ich auch hervorheben, dass wir seit 2010 eine erfolgreiche Personale zu einer österreichischen Filmschaffenden als Programmpunkt haben. 2017 widmen wir die Personale Monika Buttinger und dem Thema Kostümbild. Aktuell wurden die Arbeiten zu „L‘Animale“ von Katharina Mückstein und „Die Migrantigen“ von Arman T. Riahi  abgeschlossen (Kinostart 2017). Erneut gibt es auch eine Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste innerhalb der Studierende eingeladen wurden, ihre Kurzfilmarbeiten zu Beziehung/Liebe/Sexualität bei uns einzureichen. Im Spielfilmbereich freuen wir uns über eine Reihe von Einreichungen junger Regisseurinnen, die mit ihren ersten und zweiten Arbeiten schon international Beachtung gefunden haben. Das ist eine erfreuliche Entwicklung und wir hoffen, dass dieser Trend anhalten wird. Zu sehen wird es Spiel- und Dokumentarfilme aus der Türkei, Tunesien, Russland, Mongolei, USA, Kanada, Südafrika, Frankreich, Dänemark, Deutschland und Österreich geben und diese Filmliste ist noch nicht abgeschlossen.

Letztes Jahr wurde Polen als Schwerpunktland ausgewählt. Was für ein Land steht 2017 im Mittelpunkt und worauf kann man sich hier besonders freuen?

Es ergibt sich für heuer ein großer Anteil von Erstlingswerken junger Regisseurinnen aus dem US-amerikanischen und kanadischen Raum. „Transatlantik“ wäre da die beste Bezeichnung und wie erwähnt eine bunte Bandbreite an Themen. Wir sind noch dabei das Programm zu finalisieren. Hervorheben möchte ich auch die Präsenz der südafrikanischen Produzentin Bongiwe Selane, die mit  ihrem aktuellen Spielfilm „Happiness is a four letter word“ in Südafrika einen sehr erfolgreichen Start als Ko-Produzentin hinlegte. Bongiwe Selane produziert daneben auch unter ihrem Label „Discovering female film talents“ Kurzfilme junger südafrikanischer Filmemacherinnen. Sie wird zur Präsentation ihres Spielfilmes in Wien anwesend sein und auch als Referentin am  Produzentinnen-Seminars teilnehmen.

Frauen sind in der Filmbranche im Gegensatz zu Männern noch immer erheblich unterrepräsentiert. Zudem drehen Frauen oft Filme mit einem kleineren Budget. Traut man Frauen die großen Projekte nicht zu?

Das war sicher in der Vergangenheit so, dass die großen Budgets bevorzugt von Regisseuren in Anspruch genommen wurden. Wie in vielen Branchen dominieren Männer, wenn es um das „große Geld“ und Macht geht. Die Regisseurinnen haben sich national und international in den letzten Jahren organisiert, um ihren Anteil an den Fördermitteln einzufordern, auch in Österreich.

Etwas Statistik: Ausgehend von einer Bewertung von 3 Key Departments: Regie, Drehbuch und Produktion gingen – im Beobachtungszeitraum – bei abendfüllenden Kinospiel- und Dokumentarfilmen 80% der Gelder an Männer. Herangezogen wurden für diese Berechnung die Fördermittel des ÖFI und FFW von 2011 bis 2015. (Quelle: FC Gloria Präsentation im Club der SPÖ am 2.3.2016)

Aber es ändert sich aufgrund der Lobbyingarbeit der Filmschaffenden gerade viel, aktuell wurde im ÖFI (Österreichisches Filminstitut) per 1.1.2017 eine Incentiveregelung eingeführt, die der Unterrepräsentanz von Frauen in den davon betroffenen Herstellungsbereichen gezielter entgegenwirken soll.

 

Die Frauenfilmtage 2017  finden von 2. bis 9. März statt.

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