Friede, Freude, Street Art

Meterlange Käsekrainer, Toast, Spießchen – HNRX sprüht als Chefkoch Food Porn an Wände und Unterführungen. Außerdem möchte er sich im Interview für sein Wiener Würstchen entschuldigen.

Kagran, Kunstgalerie, Bergisel. Dass sich Graffiti in Austria breit macht, ist nichts Neues. Ob nun Volksheld Puber, Street Art Festivals wie das Blk River und Cash, Cans & Candy, Galerien wie die Inoperable oder all das, was Step Forward für die Szene tut – immer wieder kommen Leute nach.

Ein Mann, der sich mehr Aufmerksamkeit verdient hat, heißt HNRX. Der 20 Jahre junge Innsbrucker sprayt und malt wie kein anderer, seine Motive sind riesige und herzallerliebste Würstel, Bananen oder Wäscheklammern. Zu bestaunen in Prag, Wien oder eben Innsbrooklyn. Sein Style? Clean, straight und poppig. Ob in Neonfarbe oder massivem Pink, die Motive werden seziert – nicht unähnlich dem wie es Nychos mit Tieren und Buchstaben macht – und in unterschiedliche Kontexte gebracht. Kann dann schon mal sein, dass sich Sushis in Steckdosen wiederfinden. Die Message geht dabei weniger in Richtung Gang-Kultur, sondern eher gute Laune.

Wir haben mit dem guten Mann gesprochen, uns über Essiggurkerl unterhalten und ihm ein offizielles Statement entlocken können.

Du malst gerne Würste und Österreich ist ja Würstelland. Hast du die Teile einfach nur zum Fressen gern oder steckt mehr dahinter?

Meine Vorliebe gilt persönlich dem Gemüse, Obst und dem Vegetarischen. Ich esse schon öfters auch gern ein Fleischerl, aber grundsätzlich bin ich nicht der Wursttiger für den man mich, meiner Kunst nach zu beurteilen, halten könnte. Was mir an der Wurst oder an der Gestalt eines Würstchens gefällt, kann ich leider gar nicht beantworten. Auf jeden Fall ist es ein unverkennbarer, einfacher Gegenstand der mich fasziniert. Wozu auch einen Gedanken verschwenden: "warum und weshalb", einfach machen, wenn man es liebt.

Käsekrainer oder Debreziner?

Wurstersatz. Ich denke ein Gurkerl tut’s auch.

Essenszeug und weitere Utensilien wie Zahnbrüsten sind oft Thema deiner Arbeiten. Was inspiriert dich?

Es sind meistens einfache Gegenstände, die im normalen Lebensalltag untergehen, die jeder für selbstverständlich hält. Zumeist sind sie so kurzlebig, man denke an ein Streichholz. Es geht um den einen Moment, in dem es aufblüht und entfacht, diese wenigen Sekunden. Genau diesen Dingen will ich eine Chance geben, sie ins Rampenlicht stellen.

Wäscheklammern, Gurkerl, Zündhölzer, Bananen: den Menschen zeigen, dass normale Gegenstände so unumgänglich und dabei wunderschön einfach sind.

Über deine Tags an der Nordbrücke in Wien waren nicht alle aus der Szene begeistert und boykottierten deine Arbeiten prompt. Schon Drohbriefe bekommen und wie siehst du das Ganze?

Wahrscheinlich ist es eine gute Gelegenheit sich hier offiziell zu entschuldigen bei all denjenigen, die ich damit verletzt habe oder die sich durch meine Würstel angegriffen fühlen.

Innsbrooklyn ist deine Hood. Wie lebendig ist die Szene dort?

Wir haben viele tolle Künstler hier. Nicht nur in der urbanen Kunst. Mir gefällt das Kleinformatige an Innsbruck. Immer wenn man von einem Großstadttrip nach Hause kommt, lernt man das Kleine wieder zu schätzen. Es gibt auch noch so viele schöne freie Flächen, die auf ein bisschen Farbe warten. Innsbruck würde ich als eine sehr lebendige Stadt mit Grenzen beschreiben.

Das Internet spuckt keine Bilder von deinem Gesicht aus, zumindest nicht erkennbare. Teil des Konzepts oder Selbstschutz?

Für mich steht das Werk eines Künstlers im Vordergrund. Ein Künstler drückt sich mit seinem Schaffen aus. Seine Bilder repräsentieren ihn als Person. Die meisten schaffen sich eine ganz eigene Bildsprache, um mit der Außenwelt zu kommunizieren. Gerade im Bereich der urbanen Kunst wird viel mit Vermummung gearbeitet, weil die Bilder zumeist im illegalen Bereich entstehen. Mir ist es einfach wichtig, mich als Person in meiner Kunst zu neutralisieren, auszublenden.

Dein Artist Name steht eigentlich immer dabei. Warum?

Die meisten Künstler unterschreiben Ihre Bilder. Ich glaube es soll zusätzlich zu einem Graffiti-Konzept, einem so genannten "Style", ein Wiedererkennungswert sein. Und außerdem der Zuordnung dienen. Die Menschen wollen Dinge immer zuordnen. Und ich will ihnen das nicht verwehren.

Was machst du in 10 Jahren?

Ich hoffe und glaube, dass ich die Lust am Malen und Kreativsein nicht so schnell verliere. Wahrscheinlich mache ich immer noch dasselbe, oder zumindest Ähnliches. Mir gefällt es Menschen mit meinen Bildern Freude zu bereiten, ihnen auf diese Weise mitteilen, dass es da so viel Schönes und Liebenswertes in unserer Welt gibt. Meine Aufgabe als Künstler ist es, Spaß und Liebe zu verbreiten.

Wer jetzt nicht gerade in der Tiroler Landesstadt lebt oder an der Wiener Nordbrücke vorbeiläuft, kann sich die Sprühfreude in unserer Gallery ansehen.

Mehr Street Art gibt es in Wien beispielsweise am 14. März beim "Step Forward wird 5 Festival" im Celeste mit DJ Vadim, Streetart und Graffiti Exhibition ZFA Crew. Oder von 6. Feber bis 7. März in der Inoperable Gallery.

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