Im Rahmen einer Residency in Wien stellt die ugandische Künstlerin Nabukenya Allen im Theseustempel im Wiener Volksgarten ihre Installation »Kiteezi« aus, die sich mit dem globalen Netzwerk aus Mode, Müll und Menschen beschäftigt.

Die drei berühmten Rs des nachhaltigeren Lebens: reduce, reuse, recycle. Müll weitestgehend vermeiden. Potenziellen Abfall wiederverwerten. Und den Rest nach Möglichkeit aufbereiten. So sollen die schadhaften Spuren unserer Konsumgesellschaft im Rahmen bleiben. Doch auch die penibelsten Verfolger*innen dieser Strategie, werden nicht umhinkönnen, eine gewisse Menge an zu deponierendem Mist zu hinterlassen.
Kleidung nimmt in diesem Prozess eine besondere Position ein. Einerseits wird sie zumeist unter moralisch wie ökologisch fragwürdigen Bedingungen in entfernten Nationen produziert. Wenn dann hierzulande der zugrundeliegende Modetrend zu Ende geht und die billig produzierten Stücke nicht ohnehin im Abfalleimer landen, werden sie häufig wieder in den globalen Süden zurückgeschickt, um dort ein zweites Leben zu beginnen. So kommt es nicht selten vor, dass der Weg eines T-Shirts von einer indischen Baumwollplantage über einen chinesischen Sweatshop und einen schwedischen Modediskonter schlussendlich auf eine ugandische Mülldeponie wie Kiteezi Landfill führt.
Die globalen Zusammenhänge einer Tragödie
Letztere befindet sich nicht unweit der Hauptstadt Kampala und war 2024 Schauplatz eines Erdrutsches, bei dem der nur unzulänglich gesicherte Müllberg aufgrund starker Regenfälle in Bewegung geriet. Zahlreiche Menschen und Gebäude wurden darunter begraben, 35 Personen starben infolge des Unglücks. Die Künstlerin, Modemacherin und Aktivistin Nabukenya Allen, auch bekannt unter dem Namen Njola, widmet sich dieser Tragödie sowie ihren globalen Zusammenhängen in Form einer Installation, die stark auf die letzten beiden der drei eingangs erwähnten Rs setzt.
Auf Basis von weggeschmissenen Materialien entwirft Allen nämlich eine Modekollektion für die sogenannten Boda-Boda-Fahrer*innen. Schätzungen zufolge schlängeln sich mehrere Hunderttausend von ihnen täglich auf ihren Motorradtaxis durch Kampalas Straßen, um sich und ihren Familien einen minimalen Lebensunterhalt zu sichern. Die Kleidungsstücke aus alten Autoreifen, Plastiksäcken und Textilresten wirken dabei nahezu postapokalyptisch, aber auch wie eine hoffnungsvolle Alternative zu unserer scheinbar so unvermeidlichen Wegwerfgesellschaft.
Die Installation »Kiteezi« von Nabukenya Allen aka Njola ist von 29. Mai bis 11. Oktober 2026 im Theseustempel im Wiener Volksgarten zu sehen.
Unsere Heftrubrik »Golden Frame« ist jeweils einem Werk zeitgenössischer Kunst gewidmet. In The Gap 217 ist dies: »Kiteezi« von Nabukenya Allen.