Der anderen Müll – Nabukenya Allen »Kiteezi«

Im Rahmen einer Residency in Wien stellt die ugandische Künstlerin Nabukenya Allen im Theseus­tempel im Wiener Volks­garten ihre Installation »Kiteezi« aus, die sich mit dem globalen Netz­werk aus Mode, Müll und Menschen beschäftigt.

© Nabukenya Allen »Kiteezi«, 2026, Bild: Giulio Molfese

Die drei berühmten Rs des nach­haltigeren Lebens: reduce, reuse, recycle. Müll weitest­gehend vermeiden. Potenziellen Abfall wieder­verwerten. Und den Rest nach Möglichkeit aufbereiten. So sollen die schad­haften Spuren unserer Konsum­gesellschaft im Rahmen bleiben. Doch auch die penibelsten Verfolger*innen dieser Strategie, werden nicht umhin­können, eine ge­wisse Menge an zu deponierendem Mist zu hinterlassen.

Kleidung nimmt in diesem Prozess eine besondere Position ein. Einerseits wird sie zumeist unter moralisch wie ökologisch frag­würdigen Bedingungen in entfernten Nationen produziert. Wenn dann hierzulande der zugrunde­liegende Mode­trend zu Ende geht und die billig produzierten Stücke nicht ohnehin im Abfall­eimer landen, werden sie häufig wieder in den globalen Süden zurück­geschickt, um dort ein zweites Leben zu beginnen. So kommt es nicht selten vor, dass der Weg eines T-Shirts von einer indischen Baum­woll­plantage über einen chinesischen Sweat­shop und einen schwedischen Mode­diskonter schluss­endlich auf eine ugandische Mülldeponie wie Kiteezi Land­fill führt.

Die globalen Zusammenhänge einer Tragödie

Letztere befindet sich nicht unweit der Hauptstadt Kampala und war 2024 Schauplatz eines Erdrutsches, bei dem der nur unzulänglich gesicherte Müllberg aufgrund starker Regenfälle in Bewegung geriet. Zahlreiche Menschen und Gebäude wurden darunter begraben, 35 Personen starben infolge des Unglücks. Die Künst­lerin, Mode­macherin und Aktivistin Nabukenya Allen, auch be­kannt unter dem Namen Njola, widmet sich dieser Tragödie sowie ihren globalen Zusammen­hängen in Form einer Installation, die stark auf die letzten beiden der drei eingangs erwähnten Rs setzt.

Auf Basis von weggeschmissenen Materialien entwirft Allen nämlich eine Mode­kollektion für die sogenannten Boda-Boda-Fahrer*innen. Schätzungen zufolge schlängeln sich mehrere Hundert­tausend von ihnen täglich auf ihren Motor­rad­taxis durch Kampalas Straßen, um sich und ihren Familien einen minimalen Lebens­unterhalt zu sichern. Die Kleidungs­stücke aus alten Autoreifen, Plastiksäcken und Textil­resten wirken dabei nahezu post­apokalyptisch, aber auch wie eine hoffnungs­volle Alternative zu unserer scheinbar so un­ver­meid­lichen Weg­werf­gesellschaft.

Die Installation »Kiteezi« von Nabukenya Allen aka Njola ist von 29. Mai bis 11. Oktober 2026 im Theseus­tempel im Wiener Volks­garten zu sehen.

Unsere Heftrubrik »Golden Frame« ist jeweils einem Werk zeit­genössischer Kunst gewidmet. In The Gap 217 ist dies: »Kiteezi« von Nabukenya Allen.

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