Hört auf Iggy Azalea zu fingern

Sie möchte das wirklich nicht und findet das auch alles andere als geil. Wenn jetzt also bitte jeder seine Griffel von Iggys Pu$$y fern halten und einfach ihr Album "The New Classic" kaufen könnte, das wäre ganz toll.

Fans können schon komisch sein. Die von Beyoncé sterben um die zehn qualvolle Tode, wenn Queen B ihnen plötzlich ihr heiliges Mikro vor den Mund hält und sie ein paar Töne von „Halo“ jaulen dürfen. Britney-Anhänger zahlen 2.000 Dollar für ein dreiminütiges Meet & Greet inklusive Foto, auf dem Brit selbst irgendwie viel zu sehr nach "don’t touch me pls someone get me outta here" aussieht und einem beim Anblick richtig unbehaglich wird. Awkwardney. Und die Azaleans, so nennen sich die Fans, versuchen eben auf Konzerten ihre Finger in Iggys Scheide zu stecken.

Wir haben uns diese Geschichte wirklich nicht aus besagten Handgliedern gesogen, Iggy Iggs höchstpersönlich hat das Thema im Interview mit dem Radiosender Hot 97 zur Sprache gebracht. Sie musste nämlich mit dem Crowdsurfen aufhören. Niemand sollte mit dem Crowdsurfen aufhören müssen, und schon gar nicht wegen fingernder Fans. Es ist nicht okay. Nur weil einer ihrer Songs tatsächlich den Titel "Pu$$y" trägt, ist das noch lange keine herzliche Einladung, geschweige denn eine Aufforderung. Wer würde das denn auch ernsthaft annehmen? Come on. Ebenso ist der Kauf ihres endlich erschienenen Albums kein, wirklich KEIN automatischer Freifahrtschein für Iggy Azaleas Vagina und alles was drum herum liegt. Das macht „The New Classic“ aber nicht weniger ansprechend, denn auch ohne Muschi-Eintrittskarte macht die lang erwartete Platte ganz schön was her.

Irgendwo zwischen White Trash und Glamour

Als die Australierin Amethyst Amelia Kelly (Amethyst!) sich entschied als Iggy Azalea die von Männern und, äh, Nicki Minaj dominierte Rap-Welt aufzumischen, hätte wohl niemand geahnt, dass diese Porno-Barbie, die ein bisschen zu viel an Trailerpark und Stripper-Chic erinnert, sich als ziemlich hartnäckig erweisen sollte. Mittlerweile sind beinahe drei Jahre vergangen seitdem Iggy das erste Mal für eine breitere Masse mit dickem Aussie-Akzent über basic bitches und basic shit gerappt hat. Durch „Ignorant Art“ (unsere Review hier) bekam sie schnell den next-big-thing-Stempel aufgedrückt, wurde dann, wie sollte es auch anders sein, erst mal zum obligatorischen Youtube-Phänomen und tauchte schließlich immer mal wieder als Featured Act auf. Zwischenzeitlich schien Iggy jedoch nicht mehr in die Gänge zu kommen und fiel irgendwie in diese Mixtape-Hölle, in der wohl auch die immer noch albumlose Kollegin Azealea Banks sitzt und dort scheinbar für immer versauern wird.

New Bitch

Nach Verschiebungen ohne Ende ist "The New Classic" nun tatsächlich auf dem Markt, und Iggy hat gegenwärtig endlich so was wie ihren großen Moment, von dem sie wohl selber nicht mehr glaubte ihn zu erleben. "Fancy" mit Charli XCX geht nicht zuletzt dank grenzgenialem Clueless-Video charttechnisch gut ab und wird wohl in naher Zukunft noch richtig zünden. Die US-#1 scheint schon mal in Griffweite.

Währenddessen kann man wohl fix mit "Black Widow" als nächster Single rechnen – auch weil Rita Ora mit aller Macht, also Geld, zu einem neuen Star aufgebaut werden soll. Der Song ist schließlich einer von Katy Perrys "Prism"-Leftovers, klingt demnach wie "Dark Horse Pt. 2". "Work" ist immer noch ein ziemliches Brett und bekommt gute Gesellschaft in Form von Songs mit diesen „finally made it“-mäßigen Tellerwäscher-Lyrics, die Iggy so gern thematisiert. Man kann’s ihr aber nicht wirklich übel nehmen, schließlich war sie ja sixteen in the middle of miami (mit no money und no family sicherlich nicht gerade leicht) und ist jetzt Superstar.

Sommerliche Soundgewänder wie auf "100" und "New Bitch" (yep, die ist sie wohl wirklich) stehen ihr auch überraschend gut. Generell hätte man nicht damit gerechnet, dass jemand wie die ansonsten eher belächelte Iggy so ein verdammt gutes Album abliefert, mit dem sie weiblichen Rap-Kolleginnen mal eben auf den Kopf scheißt und sich selbst unter einem ordentlichen Protz-Schauer zur reigning queen of hip hop krönt.

Skandal im Schmuckkästchen

Drum herum gab es noch einen lustigen Medienskandal, wobei man Skandal wohl unter Anführungsstriche setzen sollte. Das Complex Magazine hatte Iggy in den Monaten davor noch gehypt, das Album dann aber doch nicht sehr super gefunden. Das fand Iggy weird. Weil Meinung ändern, geht nicht. Von Lorde und Grimes kam Zustimmung. Und diesen drei Frauen zu widersprechen, ist generell wenig zu empfehlen. Das Complex tat das trotzdem und veröffentlichte ein Statement warum die drei falsch liegen. Mehr Aufregung war auch nicht. Außer dass, das Album auch verrissen wurde.

Iggy Azalea mag mit "The New Classic" nun zwar bewiesen haben, dass sie eine nicht zu unterschätzende bad bitch ist, aber sie hat es echt nicht verdient, mit mehreren Schlüppis als Sicherheitsbarriere auftreten zu müssen. Also, Leute: Genießt ihre Musik, feiert (und kauft!) das Album, twerkt von mir aus was das Zeug hält – aber lasst dabei bitte die Finger von Iggys Schmuckkästchen.

"The New Classic" von Iggy Azalea ist bereits via Virgin erschienen.

Franz Lichtenegger ist nicht mit Elke Lichtenegger verwandt, twittert aber trotzdem: @FranzLicht

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