Home Is Where The Bart Is

In der Neubaugasse gibt es eine neue Wohlfühloase für Männer. Bärrrtige Männer.

Vor vier Jahren noch musste sich Patrick Salmen für seine rostrotkupferbraunbronzene Gesichtsbehaarung rechtfertigen: "Und du sagst, es stört dich mein Bart. Wenn wir uns küssen, dann kratzt das so. Natürlich kratzt das! Das ist wie das Gleiten einer Plattennadel über Vinyl. Das kratzt auch und ist trotzdem schön!" Der Bart sei wie eine Mikrowellenabdeckhaube, eigentlich braucht man die nicht, aber sie suggeriert Schutz. Wer hätte da gedacht, dass der Bart von der Schutzhülle, hinter der sich Mann verstecken kann, schon bald zum neuen fashionable Shit wird.

Brothers‘ Barbershop

Über Bärte lässt sich genauso wie über Mode streiten, die einen sind genervt, die anderen spielen noch mit dem Gedanken es doch gut zu finden, wieder andere sind voll dabei. Aber doch gehen wir davon aus, dass Mode nicht allen gefallen muss, sondern sie künstlich Unterschiede schafft, Distinktion könnte man sagen, dann dürfte klar sein, dass zumindest einige Leute Bärte sexy finden. Wer einen solchen Bart trägt, muss ihn nur bitte auch pflegen. Den derzeitigen Hype rundum das Gesichtshaar hat sich das russischstämmige Brüderpaar Ilya und Ivan zu Nutze gemacht. Die beiden sind eigentlich zum Studieren nach Wien gekommen, jetzt haben sie stattdessen den "Brothers‘ Barbershop" eröffnet. Und wo würde der besser hinpassen, als in den Bobo-Bezirk schlechthin: Wien-Neubau.

Hipster-Klischees

Sämtliche Hipster-Klischees werden hier erfüllt: Vintagemöbel, alter Apothekerschrank, Espressomaschine, Wien Gin, ausgesuchte Musik und fancy Haarprodukte – for men only. Der Shop hat gerade erst eröffnet und läuft bereits wie am Schnürchen. Schuld daran ist sicher auch das lässige Auftreten auf sämtlichen Social Media-Kanälen. Das muss man ihnen lassen, das machen sie gut. Dazu noch zwei nette Artikel in Zeitungen, die dem urbanen und gebildeten Klientel entsprechen, und fertig ist der perfekte Startschuss für ein kleines Erfolgsunternehmen.

Teurer Spaß

Ob es sich dabei um den ersten Barbershop in Österreich handelt, kann man diskutieren. Der Standard etwa hat in seinem Artikel noch drei andere aufgezählt. Doch es ist mit Sicherheit der erste dieser Art, bei dem eine beinahe vergessene Tradition neu und hip aufgezogen wird.

Ebenso lässt sich darüber diskutiern 15 Euro für eine Schnellrasur und 60€ für Kombinationspaket für Haarschnitt und Rasur auszugeben. Wessen Bart Freude daran hat, schnell zu wachsen, für den könnte das ein teurer Spaß werden. Beim türkischen Friseur um die Ecke reichen normalerweise für eine ordentliche Rasur 5 Euro. Aber schon klar, man zahlt ja auch das ganze Drumherum mit. Außerdem haben sich die Brüder einen echten Profi aus London abgeworben. Patrick kommt ursprünglich aus Österreich, hat aber zuletzt für "Gents of London" gearbeitet. Gemeinsam mit Kollege Arthur arbeitet er jetzt den bereits vollen Terminkalender ab.

ESC went Barbershop

Der italienische ESC Teilnehmer Ignazio Broschetto von Il Volo ließ sich vor seinem Auftritt seinen Bart in Form bringen. Der Australier Guy Sebastian war auch dabei, was jetzt aber eher weniger klischeehaft ist. Wenn also demnächst noch mehr adrett frisierte Bobos in Wien Neubau rumlaufen, wird es genug Leute geben, die das albern finden. Ob Trainingsanzug, Seitenscheitel und Hornbrille, H&M-Roboter oder Anzugträger so viel besser wären, könnte man sich dann immerhin kurz fragen. Von 12.-14. Juni jedenfalls, hat jeder die Gelegenheit die Bartkünstler direkt zu treffen, da werden sie beim Feschmarkt schnipseln.

Ein Termin kann stilecht über Facebook gebucht werden. Da bzw. von Instagram kommen übrigens auch die Fotos her.

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