Hymnen der Nacht

Lea Porcelain besingen auf ihrem Debütalbum „Hymns to the Night“, wie sollte es auch anders sein, die Nacht.

© Peter Kaaden

Ein bisschen klischeehaft ist das Kennenlernen von Markus Nikolaus und Julien Bracht schon: Zwei Männer, die sich in der Nacht über den Weg laufen und dann eine Band gründen, mit der sie das Nachtleben besingen. Begegnet sind sich die beiden Musiker in dem angesagten Technoclub „Robert Johnson“ in Offenbach. Erst blieben sie lose in Kontakt, bevor sie dann ein Jahr später zusammenkamen, um Lea Porcelain ins Leben zu rufen. Der Titel ihres Debütalbums „Hymns to the Night“ hält, was er verspricht. Die zwölf Songs sind ein Gesang auf die Nacht, das Dunkle und das Erhellende darin. Mit ihrem Sound bringt das in Berlin ansässige Duo alte Post-Punk- und Krautrock-Einflüsse mit modernen elektronischen Atmosphären zusammen.

Hymns of the night

Zwei Jahre haben sie an dem Album geschrieben und es dann im Berliner Funkhaus aufgenommen. Dieser lange Prozess ist auch deutlich zu hören, denn es ist ausgewogen und breitgefächert produziert und bekommt dadurch – leider – keine eindeutige Richtung. Mal ein Intro mit Ukulele, mal ein Song nur mit Piano und Gesang und am Ende dann mit „Endlessly“ eine U2-artige Ballade mit Bono-artiger Stimme.

Was sie dann richtig gut können, beweisen sie mit „Remember“. Der Höhepunkt des Albums ist ein Song mit schwingendem Rhythmus, der die sanften Synthesizer und die düstere Stimme hinaus in das Unbekannte der Nacht trägt – eine melancholische Wohlfühl-Hymne mit der Erkenntnis „I got the feeling I lost you – already.“

Unweigerlich drängen sich bei „Warsaw Street“ die Erinnerungen an Joy Divisions Album „Warsaw“ auf, denn der Basslauf in dem Song ist eine Hommage an Peter Hook. Von dort ist die Verbindung zu David Bowies „Warszawa“ auch nicht mehr weit. Es ist, so wie es der Titel angekündigt hat, ein Album zum in die Nacht fallen. Lea Porcelain wissen zu gut, wie der nächtliche Gefühlszustand – ob beim Tanzen, oder allein auf dem Fußboden – als eindringlicher Sound herzustellen ist. Teils nostalgisch, teils mit frischen Durchbrüchen und Ideen.

„Hymns to the Night“ erscheint am 16.06.2017 via Lea Porcelain Recordings.

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