„In einer Kirche in Neapel spürte ich: Ein Film über Bud Spencer ist meine Mission“

Karl-Martin Pold hat seinen Lebenstraum erfüllt: einen Kinodokumentarfilm über Bud Spencer zu machen. Das Unterfangen hat ihn acht Jahre seines Lebens gekostet. Jetzt kommt der Film endlich ins Kino: „Sie nannten ihn Spencer“ läuft ab 27. Juli in Österreich und Deutschland. Für unsere Cinema-Next-Interviewreihe haben wir dem Bud-Spencer-Verfallenen sechs Fragen gestellt.

© Budspencermovie

Begonnen hat alles mit einem Zusammenstoß und einer Erleuchtung in Neapel, wie Karl-Martin Pold im Interview erzählt. Es folgten acht lange Jahre, in denen Pold zwei Diplomarbeiten über Bud Spencer schrieb (eine an der FH Joanneum Graz, eine an der Universität Wien), einige Förderabsagen für sein Filmprojekt erdulden musste, aber erfreulicherweise auch seine Fan-Community auf Facebook auf über 270.000 Freunde anwachsen sah. Nun endlich ist der Film über den vielseitigen Carlo Pedersoli, der als Schauspieler Bud Spencer heißt und dessen Hände wirklich „so groß wie ne Bratpfanne“ sind, fertig. Bud Spencer selber wird den Film aber nicht mehr sehen können: Er verstarb im Juni 2016 in Rom im Alter von 86 Jahren.

Kannst du dich an den Moment erinnern, an dem Bud Spencer unwiderruflich in dein Leben trat?

Ich erinnere mich, dass ich als Kind immer von den Filmen mit Bud Spencer und Terence Hill fasziniert war. Aber unwiderruflich in mein Leben… Das war ganz klar, als ich vor neun Jahren in Buds Geburtsstadt Neapel Urlaub machte. Ich trug ein Bud-Spencer-Shirt und kam mit einem Campingplatzbesitzer ins Gespräch. Enthusiastisch erzählte er mir, dass er Bud über vier Ecken persönlich kennt. Und das war der Zeitpunkt, an dem ich beschlossen habe, ich werde einen Film über Bud Spencer machen. Dann ging ich in eine der zahlreichen Kirchen in Neapel und spürte, dass das meine Mission werden wird.

Karl-Martin Pold mit seinen beiden Idolen: Bud Spencer (oben) und Terence Hill. ©Budspencermovie

Warum hat die Fertigstellung des Films so lange gedauert, und war Bud Spencers Tod vor einem Jahr ein Anstoß, den Film endlich zu finalisieren?

Leider wurde das Projekt immer wieder von den Förderstellen abgelehnt. Dort hieß es, das Projekt hat zu wenig Kinopotenzial. Dank der Hilfe der zahlreichen Bud-Spencer-Fans war es möglich, viele Dreharbeiten zu ermöglichen. Es haben hunderte Fans mitgeholfen: vom Kameramann, Tonmeister, Dolmetscher, Homepageprogrammierer, Designer – bis hin zu einem Automechaniker. Die alle unentgeltlich arbeiteten und ihr Equipment zur Verfügung stellten. Ohne diese Fanpower wäre es unmöglich gewesen, diesen Film zu machen. Der Tod von Bud war aber kein Anstoß, den Film fertig zu machen. Als Bud 2016 starb, war der Film schon sehr weit fortgeschritten und alle Dreharbeiten zu Ende.

Im Trailer kommt Bud Spencer nur in Filmausschnitten vor. Habt ihr ihn für den Dokumentarfilm auch persönlich getroffen und interviewt? Wie war das?

Ich habe Bud Spencer fünf-, sechsmal persönlich getroffen und auch mehrere Interviews mit ihm geführt. Bud ist genauso wie in den Filmen. Ich bin ohne Termin bei ihm im Büro aufgetaucht. Seine Sekretärin, die Miss Nelly, wollte mich beinhart hinausschmeißen, da hat Bud interveniert und uns reingebeten. Dann hat er sich über eine Stunde Zeit genommen, mir eine Zigarette geschnorrt, mir vorgesungen, meinen ersten Trailer angesehen und lange und intensiv mit mir geplaudert. Natürlich bin ich vor Ehrfurcht erstarrt. Er hat eine unglaubliche Präsenz und Charisma gehabt. Und seine Hände sind so groß wie ’ne Bratpfanne…

Du hast dich jetzt fast 10 Jahre mit Bud Spencer beschäftigt. Was war der schönste und was der schwierigste Moment in dieser langen Zeit?

Die schönsten Momente waren natürlich, diese Helden meiner Kindheit persönlich kennenzulernen: Bud Spencer, Terence Hill, Oliver Onions, Riccardo Pizzuti… und und und. Das sind Erlebnisse, die man nie vergisst. Aber was mich persönlich am meisten freut: wenn ich die Reaktionen des Publikums im Kino verfolge. Die Leute lachen zwei Stunden lang und am Ende fließen die Tränen. Und wenn die Menschen im Kino hier die volle Palette der Emotionen durchleben, dann weiß ich, ich hab was richtig gemacht. Und das macht mich besonders stolz – überhaupt nach acht Jahren Kampf gegen so viele Windmühlen. Der schwierigste Moment: Das waren natürlich immer die Förderabsagen, so was haut dich immer um ein Jahr zurück und du weißt nie, ob es tatsächlich weitergeht. Diesen Moment musste ich zu oft erleben…

Die Frage muss kommen: Welches von den über 70 Bud-Spencer-Filmen ist dein absoluter Lieblingsfilm, und warum?

Es ist einfacher zu fragen: Welche Filme gefallen dir nicht… Aber gut, ich probiere es: Natürlich die ersten beiden Spaßwestern mit Bud Spencer und Terence Hill, „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“. Dann: „Vier Fäuste gegen Rio“ (ein echtes Spätwerk der beiden), „Zwei außer Rand und Band“, „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“. Und zu Buds Solofilmen: „Sie nannten ihn Mücke“. Ganz klar!

Es gibt ja auch Träume abseits des Kinos (und Bud Spencer). Ganz ehrlich: Jemals beruflich an einen Plan B gedacht?

Eigentlich nicht. Ich bin ein verdammt sturer Hund und war getrieben von meiner Vision, diesen Film zu machen. Ich wusste, wenn ich es tatsächlich schaffe, einen Kinofilm mit Bud Spencer und Terence Hill zu drehen, dann schaffe ich auch alles andere in meinem Leben. Und meinem Lebenstraum habe ich mir ja nun erfüllt. Alles andere ist Bonus.

Eine Reihe in Kooperation mit Cinema Next – Junges Kino aus Österreich.

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