Theater am Arsch der Welt

Werk X – unter diesem Namen arbeiten das Palais Kabelwerk und die Garage X jetzt gemeinsam. Wir haben uns mit dem künstlerischen Leiter über Theater, Meidling und U-Bahnfahren in Wien unterhalten.

Unter dem Namen Werk X wird in Zukunft das ehemalige Palais Kabelwerk mit der Garage X zusammengeführt. Ab Herbst 2014 wird es in Meidling gewohnt anspruchsvoll-innovatives Programm mit internationaler Ausrichtung geben, das Theater am Petersplatz wird unter dem Namen Werk X – Eldorado der Freien Szene eine Bühne zur Verfügung stellen.

The Gap hat sich anlässlich dieser Neueröffnung mit Harald Posch, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Werk X’ über Meidling, die Freie Szene und das U-Bahn Fahren in Wien unterhalten.

Wie hat sich die Zusammenlegung mit dem Palais Kabelwerk ergeben? Waren Sie schon länger auf der Suche nach einer zweiten Spielstätte?

Nicht unbedingt nach einer zweiten, aber wir waren schon länger auf der Suche nach einer größeren Spielstätte. Wir hatten immer öfter große, internationale Austausch-Gastspiele. Bei einer Produktion des Residenztheater München hat dann auf einmal das Bühnenbild nicht mehr durch die Tür gepasst. Um international konkurrenzfähig zu bleiben und mit großen Bühnen wie dem Ballhaus Ost in Berlin, dem Thalia Theater Hamburg oder dem Theater Oberhausen kooperieren zu können war dieser Schritt einfach nötig. Und nachdem die Verträge der Bühnen in Österreich alle 4 Jahre verlängert werden, haben wir uns einfach für das ehemalige Palais Kabelwerk beworben, und es hat geklappt.

Gibt es mit der zweiten Spielstätte zusätzliche Förderungen von der Stadt Wien, oder sogar vom Bund?

Die Garage X hat eine kleine Erhöhung von der Stadt Wien bekommen, die Förderung für das Kabelwerk ist gleichgeblieben. Aber da es nun für beide Bühnen eine Geschäftsführung gibt, sind die Förderungen eben zusammengelegt. Da der Bund sich seit der schwarz-blauen Regierung 2001 komplett aus der Förderung der Mittelbühnen zurückgezogen hat, bekommen wir von dieser Stelle nichts.

Diese Mittelbühnendiskriminierung ist eine Katastrophe, wir und die restlichen Wiener Mittelbühnen engagieren uns auch dagegen. Zum Vergleich: die sieben großen Theater, inklusive der Bundestheater bekommen jährlich 200 Millionen Euro vom Bund. Alle 20 Mittelbühnen bekommen gemeinsam eine Million.

Welche Möglichkeiten bietet das Palais Kabelwerk, die am Petersplatz nicht gegeben waren?

Die größte Neuerung ist der wesentlich größere Bühnenbereich, und wir bekommen drei Mal so viele Zuschauer in das neue Theater. Da wir schon am Petersplatz toll ausgelastet waren, zahlt sich das aus.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Etablierung des neuen Standortes?

Die größte Herausforderung ist der Standort als solches. Um damit umzugehen haben wir auch selbstironisch die Plakatkampagne „Das Theater am Arsch der Welt“ designt.

Im Gegenteil zu anderen Kulturmetropolen ist man es in Wien einfach nicht gewohnt ein paar U-Bahnstationen irgendwohin zu fahren, ob untertags in die Arbeit oder abends ins Theater. Es findet einfach alles rund um den Ring statt, selbst das Museumsquartier und moderne Kunst. Ein junges, progressives Publikum dazu zu bringen, 10 Minuten vom Westbahnhof ins Theater zu gehen, ist unsere größte Herausforderung.

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