Kanadische Wrestler und Yuppie-Aliens

Der Wrestler Roddy Piper starb letzten Freitag an einem Herzinfarkt. Wer keine Ahnung von Wrestling hat, kennt den Kanadier vor allem durch einen bestimmten Film: They Live, von John Carpenter.

Letzten Freitag, am 31. Juli, starb Roddy Piper mit 61 Jahren an einem Herzinfarkt. Wer war das, werdet ihr euch jetzt fragen. In erster Linie ein kanadischer Wrestler, der in der Starliga des (Schau-) Brutalo-Sports kämpfte, zusammen mit anderen Wrestling-Größen wie Hulk Hogan oder Randy Savage. Neben seiner Sport-Karriere betätigte er sich auch als Schauspieler, meist allerdings in unbedeutenden B-Filmen.

Ein Film machte in aber auch auf der Leinwand wirklich berühmt: der Kult-Horror/Science Fiction Klassiker "They live", aus dem Jahre 1988. Regisseur dieses 90-minütigen Schockers war niemand anderes als Alt-Meister John Carpenter. Pipper spielt die Hauptrolle in diesem Film, der als einer der letzen großen Werke von Carpenter gilt, bevor seine Filme in den 1990ern deutlich an Qualität verloren.

Worum geht es?

Der arbeitslose Tagelöhner Nada stolpert per Zufall auf eine Schachtel voll Sonnenbrillen. Als er eine von ihnen aufsetzt, ändert sich für ihn sprichwörtlich alles. Auf ein Mal sieht der die Welt, in ihrer wahren Gestalt: Viele seiner Mitmenschen sind eigentlich reptilienartige Aliens, die den Rest der Menschheit kontrollieren und ausbeuten. Überall in der Stadt finden sich Parolen wie "Obey" oder "Consume". Die Brille ändert Nadas Leben komplett und schon bald sieht er sich durch die Alienherrscher verfolgt, schließt sich schließlich einer Widerstandsgruppe an und begibt sich in den Kampf gegen die extraterrestrische Unterdrückung.

Warum das Ganze so kultig ist, haben wir versucht hier zusammen zu fassen.

01 Es ist John Carpenter – Der Meister des Horror-Films

Offensichtlich, aber darf man dazu sagen. Wer den Namen nicht kennt, wird von Nerds mit strengen Blicken getadelt. Der Mann hat allerhand Kultfilme in den Genres Horror und Science Fiction auf die Leinwand gebracht. Halloween (1978), Escape from New York (1981) oder The Thing (1982) gelten mittlerweile allesamt als Klassiker. Typisch für seine Filme waren dabei oft sehr enge Kameraeinstellungen sowie sparsam eingesetztes Licht und eine dadurch entstehende beklemmende Atmosphäre. Oft hat er die Soundtracks seiner Filme gleich selber komponiert. So auch bei "They Live".

02 Der Street-Art-Künstler Shepard Fairey benutzte den im Film vorkommenden Propaganda-Schriftzuck "Obey" als Vorlage für seine "Obey Giant" Kunstreihe.

Die Obey Giant Clothing Reihe sollten vielen kennen, wahrscheinlich haben auch selber manche T-Shirts oder Caps mit der Aufschrift "Obey" im Kleiderschrank. Was vielleicht nicht alle wissen, ist, dass das Motiv vom Street-Art-Künstler Shepard Fairey stammt, der ironischerweise später das berühmte Hope-Plakat für den ersten Obama-Wahlkampf designt hat. Dieser wurde für Obey Giant durch "They Live" inspiriert, einer der Propagandaschriftzüge, die Nada im Film durch seine Sonnenbrille sieht. Egal ob Werbeplakate, Fernsehsendungen oder Zeitschriften, überall steht der Befehl zum Gehorsam.

03 Kapitalisten und Yuppies sind Aliens.

Die Sozialkritik kommt vielleicht etwas mit dem Holzhammer daher, ist aber trotzdem auf der Leinwand recht witzig. Fast alle Anzugträger oder Autoritäten im Film sind Aliens, die eine Art intergalaktischen Konzern betreiben und die Erde rein zu Ausbeutungszwecken besiedelt haben.

04 "I came here to chew bubblegum and kickass… And I’m all out of bubblegum." Ein Filmzitat für die Ewigkeit. Und es ist nicht das Einzige.

Der trockene Oneliner wurde unzählige Male zitiert oder parodiert, wie beispielsweise in der britischen Comedy Serie IT-Crowd. Aber auch andere Sätze im Film haben das Potenzial zitiert zu werden, wie ihr hier und hier seht.

05 Mehrere Musikvideos wurden durch den Film beeinflusst.

Nicht nur einzelne Sprüche des Films werden gerne zitiert, auch der ganze Filme. So beispielsweise in den Videos der Metallern von Battlecross oder dem EDM-Musiker Armand Van Helden.

06 Sogar der slowenische Star-Philosoph Slavoj Zizek bezieht sich auf die Botschaft des Films und erklärt in einem 6-minütigen Video anhand von Ausschnitten von "They live" die Perversion von Ideologie.

Ganz recht, der berühmte aber auch umstrittene Philosoph und Kulturkritiker Zizek erklärt im Video-Essay "The Pervert’s Guide to Ideology" an Ausschnitten von They Live, wie uns auch in (scheinbar) demokratischen Gesellschaften Einschränkung in persönlicher Freiheit und Anpassung an das System vorgegeben wird. Kalendersprüche von Slavoj Zizek haben wir uns übrigens anlässlich seines ausverkauften Gigs im Wiener Burgtheater überlegt.

07 Der Film hat eine der absurdesten und dümmsten Prügelszenen, die je gedreht wurden. Es geht um das Tragen einer Sonnenbrille.

In der Mitte des Films trifft Nada, nachdem er bereits auf der Flucht vor den Aliens ist, auf seinen Bauarbeiter-Kumpel Frank wieder. Nada möchte ihn von Wahrheit über die Aliens überzeugen und bittet Frank die Sonnenbrille aufzusetzen. Frank, der Angst hat in gesetzliche Schwierigkeiten zu kommen (Nada wird zu diesem Zeitpunkt offiziell gesucht, da er einige Leute aka Aliens erschossen hat), lehnt ab. Was folgt, ist eine sechsminütige Prügelszene.

Ruhe in Frieden, Roddy Piper.

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