Kehlanis »SweetSexySavage« ist bester Pop

Wer RnB mag und Pop liebt, wird mit Kehlanis „SweetSexySavage“ mehr als zufrieden sein.

© Atlantic Records/Warner Music

Die erste von vielen Kehlanis, die uns auf »SweetSexySavage« begegnet, ist eine Janet. Geschmeidig, soulig, flirty eröffnet die junge Kalifornierin ihr zweites Album, auf dem sie noch in vielen Formen in Erscheinung treten wird. Kehlani ist nicht nur sweet, sexy und savage, sie ist auch manchmal Rihanna, Tinashe, Aaliyah und oder gleich ganz TLC. Dass der Referenztopf einfach zu verlockend wäre, die eigene künstlerische Identität noch nicht gefestigt genug, um ihr eigenes Ding zu machen, gilt dabei aber nicht für sie. Ganz im Gegenteil: Jeder Track auf »SweetSexySavage« ruft zwar Assoziationen an Bekanntes hervor, Kehlanis große Leistung ist es aber, genau mit diesen zu spielen, zu variieren, wo man es nicht erwartet und schlicht und einfach: nicht zu langweilen. Außerdem – und das ist vielleicht noch wichtiger – sind Referenzen auf »SweetSexySavage« nicht nur eine musikalische Hommage an große RnB-Vorbilder, Kehlani zeigt sich auf ihrem Zweitling bewusst als Künstlerin, die süß, sexy, wild aber eben noch viel mehr sein kann – ohne sich für eine durchgestylte Persona entscheiden zu müssen.

Gegen die Schublade

Es handelt sich hier zwar noch immer um ein Mainstream-Pop-Album mit all seinen Plattitüden und natürlich wird textlich viel zu vieles über den Umweg »Beziehung zu irgendwelchen Fuckbois« verhandelt, trotzdem schleicht sich immer mal wieder ein ordentlicher Mittelfinger an Schubladen, Rollen und »Wie-man-als-Frau-zu-sein-hat-Vorgaben« ein.

Kehlani © Atlantic Records/Warner Music

Vieles an »SweetSexySavage« ist so gelungen, weil es sich dazu entschieden hat, gewisse Dinge einfach nicht zu tun, die man von einem Album dieses Genres und dieser Liga leider fast schon erwartet. Weder ist es grauslich überproduziert, noch wurde mit unmotivierten Features gedopt; Weder hat sich jemand den billigen Banger für die Charts eingebildet, noch ist es inkonsistent, weil Produzent drei von links das mit Kreativität verwechselt hat (cf. BBTM, The Weeknd). Kehlanis aguileraisiert nicht unnötig herum, sondern singt ihre Strophen wie ein Mensch. Also wie ein Mensch, der hervorragend singen kann. Aufstöhnen dürfen dann nur die HörerInnen – weil »SweetSexySavage« das beste Pop-Album des noch jungen Jahres geworden ist und diesen Status vielleicht noch einige Zeit halten kann.

»SweetSexySavage« von Kehlani erscheint am 27. Jänner 2017 bei Warner Music. 

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