Lesbische Zombies from Outerspace

Die amerikanische Regisseurin Daviel Shy dreht dieser Tage einen lesbischen Horrofilm in Wien. Was das genau ist, so ein lesbischer Horrorfilm und wieso man das so nennen muss, erzählt sie im Interview über ihr aktuelles Projekt „Das Buffet ist eröffnet“.

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Diffuses Licht, raschelnde Plastikfolie am Boden und ein im Scheinwerferlicht dampfender Kübel stinkendes Schweineblut. Wo die Daviel Shy einen Zombiefilm dreht, funkelt der Low-Budget-Unterweltsglamour. Heute soll die Schlussszene ihres 5-minütigen Kurzfilms gedreht werden. Auf einem Tisch liegt eine nackte Frau, das letzte Opfer, garniert mit einem rohen Schweineherzen. Die Zombies – Lesben aus verschiedenen Geschichtsepochen – sitzen um den Tisch und beginnen das glitschige Schweineinnere mit Besteck zu bearbeiten. „Now wake up!“ kommandiert Daviel und die nackte Frau auf dem Tisch erhebt sich langsam. Doch etwas geht schief. Der Tisch kippt und die neueste Untote rutscht auf dem Schweineblut aus, bis sie langsam auf die Plastikfolie gleitet. „Are you okay?“ – „Hast du dir wehgetan?“ Alle reden in verschiedenen Sprachen durcheinander. Nichts passiert und die Szene ist schon im Kasten. Aller Kurzfristigkeit des spontanen Filmdrehs zum Trotze geht es hier professionell zu. Wohl nicht zuletzt, weil die Regisseurin genau zu wissen scheint, was sie tut. Ein Bild der in Wien lebenden brasilianischen Fotografin Roberta Lima brachte sie auf die Horror-Idee. Lima hatte sich selbst als eine Art schlaflose Zombiefrau in einem viktorianischen Kleid in den Gassen Wiens abgelichtet. Die Figur auf der Fotografie, spielt Roberta nun auch in Daviels Film.

Mit uns sprach Daviel Shy über die Message ihres Films und über die Beschaffenheit kollektiver Identität in der lesbischen Kunstszene.

Die Untoten in deinem Film übertragen sich durch extreme sexuelle Praktiken den Zombie-Virus. Ist es möglich, dass das Publikum die Botschaft deines Films missdeutet und stattdessen die Assoziation mit einer Krankheit entsteht?

Daviel Shy: Die Zombie-artigen Figuren in „Das Buffet ist eröffnet“ töten sich gegenseitig mit bloßen Händen und ihren Mündern. Sie verschlingen sich gegenseitig durch und während dem Sex und die Phrase „eating pussy“ wird wörtlich genommen. Wörtlich und extrem.

Es ist wahr, dadurch, dass die Frauen danach selbst als hungrige Kannibalen zurückkommen ist es möglich, dass einige Menschen das mit der Übertragung von Krankheiten verbinden könnten.

Wäre das nicht das Gegenteil von dem was du sagen möchtest?

Nicht alle Charaktere verwandeln sich durch den sexuellen Kontakt in Zombies. Es gibt einen Bruch in diesem Muster. Das letzte Mädchen, das im Film zum Zombie wird, beißt sich selbst, obwohl sie Angst hat. Sie signalisiert damit ihr Verlangen sich uns aus freien Stücken anzuschließen.

Ist das Etikett „lesbischer Horrorfilm“ anstatt einfach nur Horrorfilm wichtig für Empowerment und Emanzipation? Schafft diese dezidierte Spezifizierung nicht eher eine Ungleichheit als eine Gleichberechtigung für Filme lesbischer Künstlerinnen?


Ich verstehe dieses Argument, besonders weil Labels wie dieses Künstler oft unter Druck setzen und im Weiteren ghettoisieren und ihnen Steine in den Weg legen. Andererseits war es für mich immer sehr wichtig den Begriff „lesbisch“ zu verwenden. Die Leute schrecken zu oft vor dem Wort zurück und verwenden stattdessen entweder überhaupt kein Wort dafür, damit das Kunstwerk in eine breitere Kultursparte eingeordnet werden kann und somit für jene verloren ist, die speziell nach einem lesbischen Film suchen. Oder sie verwenden einen Oberbegriff wie queer.

Stellt es die kollektive Identität über Homosexualität als nur eine Eigenschaft einer individuellen, persönlichen Identität?

Ich ziehe es vor erhobenen Hauptes hinter der Schönheit und Spezifität des Wortes lesbisch zu stehen, egal ob Sexualität Teil der Arbeit ist oder nicht. Ich bin stolz auf diesen Film, der mehrheitlich von lesbischen und ausschließlich von Frauen gestaltet wurde. Das Etikett „lesbisch“ war von Anfang an Teil des Films.

Nicht viele Künstler verwenden Verfremdungseffekte in einer vergleichbaren Dichte, wie du es tust. Dein Film wirkt als würde er versuchen sehr laut und irritierend zu sein, wie ein Schlag ins Gesicht der konstruierten sozialen Norm von Heterosexualität. Wolltest du so den von dir häufig verwendeten Begriff „empowerment“ artikulieren?

Mir gefällt der Gedanke, dass der Film viel von einer Installation hat. Ich habe verschiedene Techniken verwendet um diesen Effekt – wie du es nennst den Schlag ins Gesicht – zu erreichen. Ich ließ mich von Horror, Melodrama, Spektakel und Sexplotation-Filmen inspirieren, angezogen sowohl von der Ästhetik als auch davon was sie tun. Ich wollte einen Film machen, der nicht vor Blut, Tod und Krankheit zurückschreckt.

Existierende Ängste auszubeuten ist ein Teil des Horror-Genre. Es war nicht meine primäre Absicht anzudeuten, dass Lesbischsein eine Krankheit ist, die durch Lust übertragen wird, vor der niemand sicher ist. Das ist jedoch sehr wohl eine der Angstmachereien, die von Homophoben erfunden wurden.

In einen politischen Kontext gesetzt heißt das, wenn jene, die normalerweise zur Seite geschoben werden sich plötzlich nach vorne drängen, kann das Angst bei den Menschen im Publikum auslösen, die normalerweise diesen Platz für sich beanspruchen. In anderen Worten, Horror ist eine Art zu sagen: Fürchtet euch davor was in diesem Film passiert, denn wir die Lesben weigern uns eine nebensächliche Randgruppe zu sein.

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Bild(er) © Das Buffet ist Eröffnet 2012 (C) DavielShyFilms
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