List of Lists of Lists

Der klassische Artikel ist tot. TL;DR. Zum Glück gibt’s Listen. Zum Beispiel die von Tex Rubinowitz.

Die 10 besten Platten des Jahres, die 15 schlechtesten Tracks, die 2.222 doofsten Anmachsprüche, die 18 besten Alternativen aufs Klo zu gehen. Das A bis Z, wie man erfolgreich ein Studium beendet. Das A bis Z, wie man erfolgreich das Studium abbricht. Das ist die Art von Journalismus, die zieht. Wer hat schon Zeit und Muße, sich durch seitenweise Informationen zu wühlen, vollständige Sätze zu begreifen und die schlichte Schönheit und Exzentrik aneinangereihter Genetivkonstruktionen zu betrachten? Und noch dazu ohne die vielen Bilder, die es möglich machen, die „Informationen“ auch ohne genaues Lesen zu verstehen.

Zum Glück gibt es da unseren guten alten Freund, das Internet. Wenn man sich eine Liste reinzieht, dann soll das auch nach etwas aussehen. Man will – einen Clickbait weiter – sehen, warum „Reverse Cowgirl“ der beste Weg ist, um aufs Klo zu gehen. Branchenprimus Buzzfeed und auch Watchmojo.com zeigen, dass es möglich ist, Infotainment aufs Einfachste zu reduzieren.

Ordentliche Listen

Die Leute sind aber nicht nur faul, sie haben auch Sehnsüchte. Nach Ordnung. Listen bringen diese in das Chaos aus atypischen Beschäftigungsverhältnissen, Liebesbeziehungen über OKCupid und den kleinen Problemen, die jeder mit sich tragen muss. Wikipedia hat – eh gut so – Ordnung zum Prinzip erhoben, die List of Lists of Lists ist super. Yo Dawg, wenn man so will.

Ein Mann, der die Liste zu Kunst macht, ist Tex Rubinowitz, Profession: Multitalent. Er ist Schauspieler , so sagt er im wohl besten Hollywoodfilm made in Vienna, mit den allerschönsten Menschen der 90er, den tollen Satz “Could you speak German for a Change?“. Er ist Musiker bei der Gruppe Mäuse, die im Vorjahr ihr gut rezepiertes Album „Das Judasevangelium“ veröffentlichte. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er auch durch Auftritten im Staatsfunk, im Rahmen von Donnerstag Nacht / Die.Nacht bekannt. Aber klar, vorrangig ist Rubinowitz Maler, Cartoonist und Schriftsteller und publiziert seine Werke in verschiedenen deutschsprachigen Gazetten und Illustrierten. Auch in unserem Blatt macht er das regelmäßig, für die Marke mit den Brötchen.

Die Liste als Sujet begleitet Tex Rubinowitz bereits seit Jahren – mehr als anderthalb Dekaden nach „Die sexuellen Phantasien der Kohlmeisen: Listen, die die Welt erklären“ gießt Rubinowitz seine Aufzählungen wieder in Buchform, dieses Mal mit „Die sieben Plurale von Rharbarer. Listen über alles.“

Das 140 Seite starke magenta – oder doch rharbarberfarbene? – Büchlein hält, was der Untertitel verspricht: Es finden sich mehrere hundert Listen zu verschiedensten Themen, von obligatorischen Pluralen des Rharbarbers über die häufigsten Synonyme David Bowies bis hin zu den Top 8 der Klo-Top-Ten-Songs, womit sich auch irgendwie der Kreis schließt. Natürlich folgt „Die sieben Plurale von Rharbarber“ keiner Handlung, die Aufzählungen sind mal lustig, dann auch wieder nachdenklich und skurril. Manche werden auch von Cartoons garniert. Ein Buch für Zwischendurch also.

Nach dem Anteasern ist vor der Liste: Bitte, die "Top 8 der Klo-Top-Ten-Songs":

1. Sitting, Waiting, Wishing – Jack Johnson

2. She Came In Through The Bathroom Window – Beatles

3. That Smell – Lynyrd Skynyrd

4. Under Pressure – David Bowie / Queen

5. Don’t Stand So Close To Me – The Police

6. Yellow River – Christie

7. Brown Sugar – Rolling Stones

8. You’re My Waterloo – The Libertines

„Die sieben Plurale von Rharbarber. Listen über alles“ von Tex Rubinowitz ist bereits im Rowohl Taschenbuch Verlag erschienen.

Bild(er) © Rowohlt Taschenbuch Verlag / Tex Rubinowitz
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