Nach dem Goldrausch? – »Kids« von Fotos

Fotos melden sich nach siebenjähriger Publikationsabstinenz mit ihrem vierten Album »Kids« zurück. Erwartungshaltung hoch eine Million.

Nach sieben Jahren Stille hat man sie schon sehr vermisst. Aus allen Richtungen wurde schon gemunkelt, ob es sie überhaupt noch gibt. Eine berechtigte Frage bei einer jungen Band, die Ende der Nullerjahre auf drei Alben zurückschauen konnte, bis nach Surabaya getourt ist und in der deutschsprachigen Indie-Szene mit Pauken und Trompeten gefeiert wurde. Die Rede ist von der Hamburger Viererformation Fotos, die sich mit dem neuen Album »Kids« aus ihrem Dornröschen-Tiefschlaf zurückmeldet.

Schnipselarbeit zwischen den Sphären 

Fabriziert wurde das Ganze von Sänger und Gitarrist Tom Hessler selbst und Tobias Siebert, bekannt als Klez.e-Mastermind und Indie-Produzent. Mit der in sieben Jahren angestauten Erwartungshaltung mussten die erst mal klarkommen. Vielleicht ist das auch ein Grund für die eklektische Soundgestaltung. Die einstige Klarheit, mit der Hessler früher gekonnt jonglierte (»Angst«, »Mauer«, »Explodieren«), verschwimmt auf »Kids« in Synthies und Samples. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, wie beim Album-Opener »Melodie des Todes« klar wird. Ganz anders, als es der Titel verheißt, klingt der Track nach Frühling, Sonne, Aufwachen – wohl eine Antithese zum Band-Winterschlaf. Die neu gewonnene Energie flacht allerdings schneller ab, als man mit dem Hören nachkommt. Da helfen selbst die wunderbaren Golf (die mit »Laterne« gezeigt haben, wie ein gelungenes Feature klingen kann) bei »Sterne zu Staub« nicht wirklich.

Mit der ersten Video-Auskoppelung »Alles offen« offenbart sich nicht nur Hesslers gewachsene Langhaarmähne, sondern es zeigen sich auch die etwas eingerosteten Textqualitäten. Songzeilen wie »Alles ist offen, also öffne ich mich« lassen dies nicht nur erahnen. Mit »Ozean« bekommt das Album allerdings doch noch etwas Auftrieb. Zwar bedienen sich Fotos hier explorativer Sample-Schnipsel, das sphärische Soundkonzept geht hier in einer Meereslandschaft samt Mantarochen dann aber doch völlig auf – ähnlich wie schon beim letzten Album »Porzellan«.

Dass die Summe der einzelnen Teile nicht immer ein Ganzes ergibt, mussten Fotos wohl auch erst durch diesen Albumprozess lernen, der mehr an endloses Jammen erinnert als an ein stimmiges, abgeschlossenes Werk. Und was bleibt nach dem Goldrausch? Mit ein paar Ausnahmen viel Schall und Rauch.

»Kids« von Fotos erscheint am 31. März 2017 bei PIAS Recordings.

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