Nino Mandl, King of Popfest

Es wäre eine Anmaßung, es Datenjournalismus zu nennen, aber: Mit Hilfe eines längeren Excel-Sheets haben wir ein paar interessante Dinge zum Popfest herausgefunden und dann auch noch den Nino aus Wien und Ernst Molden interviewt.

© Pamela Russman

Heute startet das Popfest in die achte Runde. Ana Threat und Eberhard Forcher kuratieren das Event in diesem Jahr. Sie kommt aus dem gegenwärtigen Wiener Punk-Untergrund, welchen er vor Äonen verlassen hat. Seitdem moderiert Forcher auf Ö3 – früher etwa die „Musicbox“ und aktuell andere Formate mit starkem Musikbezug. Die beiden Pole in Form des Kuratorenduos führen beim Popfest wieder zu einem spannend gemischten Line-up. Eine Sache, die dabei erneut auffällt: Die Männer sind – trotz so namhafter Acts wie Ankathie Koi (Samstag, 21.30 Uhr, Seebühne), Gustav (und die Proloband; Samstag, 22.00 Uhr, TU Kuppelsaal) oder Femme DMC (Samstag, 00.30 Uhr, Club Roxy) – wieder deutlich in der Überzahl.

Die Dominanz der Männer

Schon 2014 haben wir darüber berichtet, wie unterrepräsentiert Frauen in der heimischen Musikszene sind. Der Frauenanteil beim Popfest lag damals bei 28 %, was im Vergleich zur österreichischen Musikindustrie als Ganzes (10 % Frauen) eh noch eher gut ist. Die Dominanz der Männer war damals auch Thema der Popfest-Sessions.

Heuer haben wir etwas tiefer gegraben und alle Popfeste von 2010 bis 2016 einer Analyse unterzogen. Es wäre überzogen und anmaßend, es Datenjournalismus zu nennen. Aber unser Excel-Sheet zu diesem Beitrag hat immerhin knapp 300 Zeilen und fördert ein paar interessante Dinge zu Tage.

Eine gewisse Wien-Lastigkeit

So bestätigt sich etwa eine gewisse Wien-Lastigkeit: Von den 294 Acts, die jemals im Programm des Popfests standen, waren 215 (oder: rund 73 %) aus Wien. Je 13 (5 %) stammten aus der Steiermark oder hatten Bandmitglieder aus Österreich und dem Ausland, 12 (4 %) waren aus Oberösterreich und 11 (ebenfalls gut 4 %) komplett aus dem Ausland. Auf jedem Popfest waren im Schnitt 53 Auftritte geplant, mit einem Maximum von 66 Gigs 2014 und einem Minimum von 38 beim allerersten Popfest 2010.

Auch der Überhang an Männern bestätigte sich (Doppelbesetzungen überall einberechnet): 54,92 % der Acts waren rein männlich, immerhin 25,76 % waren geschlechtlich gemischt (zumindest ein Mann oder eine Frau in einer mehrköpfigen Band) und ganze 19,32 % waren rein weibliche Acts.

 

 

Bei den reinen Frauen-Acts führen mit je drei Auftritten Schmieds Puls, Etepetete und Violetta Parisini. Mit fünf anderen Combos nehmen sie damit den Bronze-Platz im Gesamt-Ranking ein. Den zweiten Platz mit je vier Auftritten in verschiedenen Formationen teilen sich Wiens Hip-Hop-Riese Skero und der Barde Ernst Molden. Die Pole-Position nimmt mit fünf Auftritten Nino Mandl ein (als Der Nino aus Wien und mit Natalie Ofenböck als Krixi, Kraxi und die Kroxn).

Im Uhrzeigersinn von oben: Nino Mandl (© Pamela Russmann), Skero (© Fabian Kasper), Ernst Molden (© Andy Urban)

Eh, für die Erkenntnis, dass Nino Mandl der King of Popfest, der König vom Karlsplatz ist, hätte es das Sheet wohl nicht gebraucht. Aber so haben wir es nun Schwarz auf Weiß. Warum kommen also – inklusive heuer – „nur“ sechs Auftritte zusammen? Ganz einfach: Er hat 2016 und 2013 pausiert.

Das Popfest Wien findet heuer von 27. bis 30. Juli am Karlsplatz statt. Der Nino aus Wien spielt am Freitag, den 28. Juli, um 20.00 Uhr auf der Seebühne. Wir haben ihm und Ernst Molden ein paar Fragen zum Popfest gestellt. Erfahrt auf der nächsten Seite, ob das Popfest ohne sie überhaupt Sinn macht.

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