Sind 28% Frauenanteil genug?

Bei den Popfest-Sessions wird über Geschlechterrollen im Pop diskutiert. Die Moderatorin des Panels spricht mit uns im Interview über weibliche Role Models und Frauen im Umgang mit dem Mischpult.

Im Rahmen des Popfests präsentieren departure und das Mica die Popfest-Sessions im Wien Museum. »How to make a Pop Hit« (haben wir uns auch schon gefragt), »Pop Korrupt« oder »Girls Only!« sind dabei Themen. Obwohl – im Vergleich zu anderen heimischen Festivals – ein breites Spektrum an weiblicher, österreichischer Musik hervorsticht, ist Frauen in der Musik ja leider immer wieder ein Thema, das uns nicht loslässt. Es kursieren immer noch seltsame Bilder und es machen schlicht sehr wenige Frauen Musik.

Girls Only

Dem möchte Pink Noise – Verein für zur Förderung feministisch popkultureller Aktivitäten – entgegenarbeiten. Seit 2011 organisiert der Verein auch bei uns das Girls Rock Camp. In diesem 6-tägigen Workshop von Girls für Girls, lernt man sich auf einem Bandfoto und auf der Bühne zu präsentieren, wie man Songs schreibt, eine Band coacht und alles was noch dazu gehört. Den Rest beantwortet uns Pink Noise Lady Sara Paloni.

Fast alle Lehrenden sind Frauen. Warum werden die Workshops nicht auch von Männern abgehalten?

Es sind alle Workshop-Leiterinnen und Organisatorinnen des Camps Frauen. Wie die meisten Girls Rock Camps weltweit wollen wir damit die Tatsache und auch die Vorstellung herausfordern, dass Musik von Männern für Männer produziert wird. Der Eindruck entsteht ja auch, wenn man auf Konzerten und Festivals geht. Das ist eine Möglichkeit, dass vor allem junge Frauen sich leichter tun, sich in alle Aspekte des Musikmachens zu involvieren. Damit schaffen wir positive weibliche Vorbilder in dem Bereich Musik, mit denen sich die Teilnehmerinnen identifizieren können.


Wie bringt ihr den Mädchen und jungen Frauen den Umgang mit Mischpult, Verstärker & Co bei?

Wie bei allen Workshops steht auch bei der Technik im Vordergrund es selbst auszuprobieren und so erstmal den eigenen Zugang zu finden. Wir stellen das Equipment und den Raum dafür zur Verfügung. Dadurch soll vor allem der Stress vermieden werden, wenn es am Anfang nicht gleich klappt, oder falsch klingt. Das soll auch so sein.

Es gibt zwar sehr viele Maßstäbe und Standards, was gerade den richtigen und guten Sound betrifft, aber es geht bei dem Camp darum, diese zu hinterfragen, den eigenen Zugang dazu zu finden und nicht das Gefühl zu haben daran zu scheitern. »Do It Yourself« ist eine Form des non formalen Lernens, wo es viel um den Austausch von Erfahrungen und ein gemeinsames Erarbeiten von Wissen.

Findest du die SRA Fempop-Studie aussagekräftig?

Ich finde die SRA Studie aussagekräftig und sehr wichtig. Sie basiert zu einem Großteil auf Selbsteinschätzungen österreichischer Musiker und Musikerinnen und ist partizipativ angelegt. Darüber hinaus bezieht sie nicht nur Musiker als Künstler und Künstlerinnen mit ein, sondern auch alle Frauen, die in anderen Bereichen der Musikbranche tätig sind, wie dem Booking, der Veranstaltungsorganisation. Ich finde auch jene Statistiken wichtig, die »nur« Frauen auf Bühnen zählen, wie das zuletzt Female Pressure in einer Studie gemacht haben. Das sind wichtige Bestandsaufnahmen und liefert Begründungen, warum wir etwas ändern müssen.

Bild(er) © Mäx Mares, Astrid Knie
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