Ohne Hecken und Heckmeck

Einfamlienhäuser mit Innenhof findet man nicht oft. Noch ungewöhnlicher wird so ein Haus, wenn es deutlich billiger als andere ist. So geschehen am Bisamberg bei Wien.

Den Beweis dafür, dass Qualität nicht unleistbar sein muss, bringen die Wiener Architekten Triendl und Fessler gerade am Bisamberg bei Wien. Dort bleibt der Traum vom fancy Eigenheim nicht mehr länger zwischen den Seiten diverser Hochglanzmagazine stecken, sondern lässt sich mit nur 75 % des üblichen Preises für ein durchschnittliches Eigenheim schnell und einfach realisieren. Fünf Personen sollen schick und ohne Schnick-Schnack am Bisamberg leben, essen, arbeiten und wohnen können.

Raw food boomt. Rohstoffe auch.

Den Beweis dafür, dass das möglich ist, hat das Wiener Architekturbüro nur 18 Kilometer von Wien, am Bisamberg, hingeklotzt. Sie haben dabei Ziegelreihe auf Ziegelreihe geschichtet – erzählen dabei Geschichten vergangener Bauweisen und nützen sie gleichzeitig als natürliche Wärmespeicher. Wo also andere an komplexen Isolierungen und passiv aktiven Dämmmethoden basteln, wurde hier Material in seiner rohesten Form klar bevorzugt. Ziegel, Stahl und Sperrholz verbinden sich zu homogenen Flächen, ohne dabei passiv-aggressiv zu wirken.

Als monolithisches Gebäude besticht das Haus durch Form mit Funktion. Le Corbusier wäre stolz gewesen und der Bankberater der fünfköpfigen Familie hat vermutlich eine Träne pro entgangener Kredit-Zinsenstelle vergossen, denn das Haus liegt mit 1,660 Euro pro Quadratmeter deutlich unter dem durchschnittlichen Preis für ein durchschnittliches Einfamilienhaus.

Kein Heckmeck

Die straßenseitige Fassade des Hauses kommt komplett ohne Fenster aus, ist weiß und mit zwei braunen Zugängen ausgestattet, die getarnte Eingänge zu Haus und Garage sind. Gartenseitig gibt es mehr Öffnungen. Versteckt ist auch der Innenhof, als Ruheoase und natürliche Lichtquelle, denn zum Innenhof hin ist das Haus beinahe komplett verglast.

Weil die Sprösslinge der Familie auch mal gößer und Teenager mit ganz normalen Teenager-Bedürfnissen werden, oder sich zufällig auch der ein oder andere airbnb-Gast auf den idyllischen Bisamberg verirren könnte, gibt es auch eine separate sogenannte „Workshop“-Einheit neben der Garage, außerdem noch einen Pool und viele Outdoor Flächen, die obwohl sie Privatssphäre zu wahren versuchen, in Wahrheit ganz ohne Zäune und Hecken auskommen. Das Haus selbst ist L-förmig angelegt. Herzstück des Hauses ist die Küche, die ebenfalls ein kräftiges Statement zur Ornamentlosigkeit setzt.

Wennschon dänschon

Vorbilder für eine solche Neukonzeption von Preis und Leistung, waren Dänische Architekten, die schon 2014 mit schicken low-cost Behausungen aufzeigten, hier ganz in schwarz und hier ganz in Sauna-Optik. Es mag eine kakanische Erbkrankheit sein, dass bislang jeder Architekten-Wohntraum den prestigeschwangeren Bäuchen und Geldbörsen der Reichen und Schönen der Österreichischen B-Klasse Society vorbehalten sein musste.

In einem Land in dem Frauen ohne Schulabschluss Frau Doktor gennant werden, weil sie mit dem Hausarzt der Gemeinde St. Georgen am Walde verheiratet sind, haben sich Triendl und Fessler hier also in eine gesellschaftliche Lücke gestürzt und dort einmal kräftig Staub aufgewirbelt. Wie ihnen das gelungen ist, ist wie immer Geschmackssache – kann sein dass die Idee zwar gut, das Vorstellungsvermögen aber noch nicht bereit dafür ist. Während das Haus innen, mit seinen klaren, homogenen Flächen und versteckten Ruheoasen überzeugt, wirkt es, so ganz fensterlos, von außen so, als hielte man eher etwas versteckt – in Österreich ja nicht ganz unproblematisch.

Wer eine Familie oder auch einfach einen Umzug plant und dabei nicht direkt in die Schuldenfalle springen möchte, sollte sich mal auf der Website von Triendl und Fessler umsehen.

Bild(er) © Ditz Feje für Triendl und Fessler Architekten
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