Curiosity

Das Debütalbum des Duo Wampire stöbert im Keller nach der Schrammel-Gitarre und freundlichem Orgel-Pop. Lo-Fi- und Spaß-Filter bis zum Anschlag.

Bei Wampire ist alles immer ein bisschen lustig gemeint. Wir haben es hier mit einer Band zu tun, die scheint alles was sie tut, anfasst und ist, in Anführungszeichen setzen zu müssen. Der Bandname – ein Schenkelklopfer: Er bezieht sich auf die Zeit, die Eric Phipps, die eine Hälfte des Duos aus Portland, Oregon, als Austauschstudent in Deutschland verbrachte und dort einige seiner Goth-Freunde gerne und ausgiebig über Vampire redeten – bekanntlich können sich Menschen mit der Muttersprache „Deutsch“ beim Englischsprechen mit der Unterscheidung von „V“ und „W“ schwertun. „Curiosity“, das Debütalbum von Wampire, ziert nun eine Fotografie von Phipps und seinem Partner Rocky Tinder beim Komischdreinschauen, die direkt von einem diesem Blogs für besonders missglückte Familien – oder Jahrbuchfotos gezogen sein könnte. Ist aber mit Absicht so. Mit Absicht!

Dazu ist das Bild chillwave-mäßig in aufdringlich „geschmacklosen“ Pastelltönen überzeichnet. Jetzt weiß man vielleicht also schon wie Wampire klingen. Phipps und Tinder poltern sich in gerade mal 32 Minuten durch ein Songarsenal, das immer ziemlich ausdrücklich „Lo-Fi“ sagt und grell mit dem Scheinwerfer der Ironie ausgeleuchtet wird. Im weitesten Sinne gilt es hier jene Musik zu erleben, die früher einmal „Indie“ geheißen wurde: Schrammel-Pop aus der Garage, höflicher und ganz lieber Bierdosen-Punk, besoffene Walzer vom Zeltfest für die In-Crowd. Surfgitarren und Anklänge an Cramps-hafte Psychobilly, Synthesizerballaden, psychedelische Orgelexkursionen und teilweise Aneignungen von 80er-Jahre Mainstream-Kuschelrock. Dabei glücken Wampire immer wieder richtig gute Stücke – oder Momente – die sich auch auf Platten von Recyclern wie den Strokes, MGMT oder Ariel Pink nicht schlecht machen würden. Leider geht immer wieder der Jux mit Wampire durch: Man wird das Gefühl nicht los, dass hier eine Band alles aus humoristischer Distanz beobachten muss und der eigenen Kunst nicht ganz traut. So etwas ist doch ermüdend.

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