Die Österreichische Oberfläche

Fraglich, ob man sich eine bessere Betriebsanleitung für Österreich vorstellen kann. Andrea Dusl, Kolumnistin der Wiener Stadtzeitschrift /Falter/, bleibt mit ihrer Analyse des Schnitzellandes mitnichten an der Oberfläche. Ihre These, Österreich sei nichts als eine zweifelhafte Erfindung, untermauert sie mit historischen Fakten und schonungsloser Bloßstellung: Sie seziert die österreichische Seele – vom Habsburgermythos bis zur […]

Fraglich, ob man sich eine bessere Betriebsanleitung für Österreich vorstellen kann. Andrea Dusl, Kolumnistin der Wiener Stadtzeitschrift /Falter/, bleibt mit ihrer Analyse des Schnitzellandes mitnichten an der Oberfläche. Ihre These, Österreich sei nichts als eine zweifelhafte Erfindung, untermauert sie mit historischen Fakten und schonungsloser Bloßstellung: Sie seziert die österreichische Seele – vom Habsburgermythos bis zur kackbraunen Stammtischmentalität – und nimmt die hiesige Alltagskultur sarkastisch auf die Schaufel: Kasperl und Pezi müssen sich ihren Spott ebenso gefallen lassen wie öffentlichkeitsgeile Bobos und die Sozialpartnerschaft. Lebte der selige Karl Kraus noch, hätte er in Frau Dusl eine würdige Partnerin gefunden. Ihre kulturphilosophischen Betrachtungen treiben einem nicht nur die Lachtränen in die Augen: Alltagsrassismus vermengt mit Minderwertigkeitskomplexen und Obrigkeitsdenken erzeugt jenes Gemisch, an dem schon Millionen verrecken mussten. Ohne diese Schattenseiten zu vergessen, erlaubt sich die Autorin ein ironisches Augenzwinkern: Von A wie Almdudler bis Z wie „Zeit im Bild“ wird die österreichische Rezeptur gnadenlos durchbuchstabiert. Alles zusammengemixt ergibt den Punschkrapfen unter den Nationen: außen rosa, innen braun und immer besoffen.

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