Doris hilft

Wenn ein Autor sein Leben schildert, begibt er sich auf dünnes Eis: Schnell wirkt das peinlich und eitel – schließlich ist kaum jemand für andere so interessant wie für sich selbst.

Ein Könner, der es schafft, seine Existenz zu Papier zu bringen, ohne papierern zu werden. Der passionierte Biertrinker, Psychiatriepatient und Nachtwächter ist geradezu von Sex besessen: „Aber so war mein Leben nun mal verlaufen. Alle zwei Sekunden an Sex denken und ihn nur alle Jubeljahre vollziehen“ – man muss diesen schrulligen Loser einfach gern haben. Nicht jede Seite ist packend, bisweilen verliert er sich in Nebensächlichkeiten und kann schon mal über drei Seiten seine neue Route als Nachtportier im Bochumer Schauspielhaus beschreiben. Trotzdem entwickelt Welts Schreibe ihren eigenen Sog, sein Stil ist ganz nah an der Sprache des Ruhrgebiets, schnoddrig und direkt: Ein dreifach Hoch dem Suhrkamp-Lektorat! Die radikale Ich-Bezogenheit erklärt sich auch aus seiner psychischen Erkrankung, dennoch ist ihm nichts ferner als fade Selbstbespiegelung. Ironisch, intelligent und mehr als nur ein bisschen irre: Dieser Roman ist das Gegengift zur betroffenheitsbesoffenen Esoliteratur unserer Tage – ein Buch für alle, die leben, und nicht bloß da sind.

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