Flug der Pelikane

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, heißt es. Wer es doch tut, macht sich unbeliebt, wird einsam und/oder schreibt Rezensionen.

Natürlich kann und soll man über Geschmack streiten, außer man ist feige oder hat keine Meinung. Mir zum Beispiel schmeckt beschreibungsfixierte Schreibe nicht. Solche, die jedes Bild ausquetscht und arrangiert wie ein billiger Fernsehfilm. Benjamin Lebert hat einen Roman geschrieben, der genau das ist: ein (ab)geschriebener Film nämlich. Der Ich-Erzähler, ein unglücklich verliebter Jüngling, reist zu seinem Wahlonkel nach New York. Dieser besitzt einen Imbiss-Laden und ist wie besessen vom wahrscheinlich einzigen geglückten Ausbruch von der berüchtigten Gefängnisinsel Alcatraz. Der Autor schildert jede Szene mit bemühter und meist mühsamer Detailliertheit und lässt keine Pointe liegen. Es wimmelt nur so von originellem Personal, humorigen Situationen und mysteriösen Begebenheiten. Und wäre all das nicht schon aufregend genug, sind dem Text allerlei Informationen zum Leitmotiv „Alcatraz“ eingegliedert – Wikipedia lässt grüßen. „Flug der Pelikane“ erinnert an die Knabbereien, die man sich an einem langen Fernsehabend reinschiebt: Das Zeug hat kaum Nährwert, verursacht aber ein unangenehmes Völlegefühl.

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