Gottverdammte Tage auf einem gottverdammten Planeten. Eine Beschwerde

Hart, aber auch nicht herzlich

Anklage. Abgesang. Abrechnung. Wenn sich Dimitri Verhulst beschwert, geht das nicht ohne Witz ab. Der neue Roman des Flamen ist eine scheinbare Hass-Tirade auf die Kulturgeschichte des Menschen.

Manchmal darf man sich von Klappentexten nicht abschrecken lassen. Von dem, den man für das neue Werk des Belgiers Dimitri Verhulst verfasst hat, schon gar nicht. Stehen nämlich in Kurzbeschreibungen Sätze wie, „Ein Pamphlet, das sich indirekt an das menschliche Wesen richtet, indem es ihm den Spiegel vorhält (…)“ oder „ (…) den Finger pointiert auf die Wunde legt und sich respekt- und skrupellos über die ‚Krone der Schöpfung’ lustig macht (…)“, ist Obacht geboten.

Derartige Klappentextschwäche sollte nicht unterstützt werden. Nur, der „junge wilde Flame“, wie es am Bucheinband ebenfalls schwachsinnig floskelnd nachzulesen ist, zählt für viele zur Pflichtlektüre. Weil er es zum Beispiel schafft, seinen Büchern wunderbar ehrliche und treffsichere Titel wie „Problemski Hotel“ oder „Die Beschissenheit der Dinge“ zu verpassen. Als Steigerung ins Fatalistische liegt jetzt „Gottverdammte Tage auf einem gottverdammten Planeten“ da und die scheinbar hingerotzten Zeilen sind wahrlich eine an herrlicher Bitterkeit kaum noch zu überbietende, gut durchdachte Anklageschrift gegen den Menschen. Miesepetrig brabbelt der Erzähler los und gibt die Menschheitsgeschichte im Zeitraffer auf seine Weise wider. Entmenschlicht nämlich. Denn „Es“ kriecht aus dem Meer. „Es“ entwickelt sich zum, mordenden, überheblichen Wesen. „Es“ zerstört am Ende alles was noch stört. „Es“ zieht eine blutige, grausige, (völker-)mordende Spur durch die Jahrtausende seines Seins. Aber gerade diese Entmenschlichung, der Fokus auf das Zweifelhafte und Bösartige im Wesen, macht aus Verhulsts Anklageschrift, aus seiner Beschwerde gegen die eigene Gattungsart, auch eine humanistische Angelegenheit. Eine wenig herzliche allerdings, zugeschüttet mit lakonischen Kommentaren und staubtrockenen Sarkasmen. Dieses Paradoxon mit seinen großen Gesten des Zynismus und der wütenden Resignation wird bei dieser Suada konsequent bis zum Ende durchgehalten. Genau das ist auch ein wenig das Problem. Denn dieser Schmäh erschöpft sich für geduldige Leser nach gut zwei Drittel der Lektüre und rinnt dann langsam aus. Dem bewusst übertrieben harten Tonfall der kurzen, knappen Sätze, die einen sardonisch vor sich hingrinsenden Erzähler evozieren, wird nichts Überraschendes mehr nachgeschoben. Seine mahnenden, anklagenden Worte verhallen. Einem Betrunkenen an der Theke, der sich in Rage lallt und Wahres ausspricht, hört man ja auch nicht den ganzen Abend zu. In kleinen Dosen genossen geht’s aber.

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