Jellyfist

Wenn man Comics von Jhonen Vasquez zur Hand nimmt, darf man eines auf keinen Fall erwarten: Gleich von Beginn an zu verstehen worum es eigentlich geht. Das hat er bereits mit „Johnny, the Homicidal Maniac“ vorgeführt, der schon seit Jahren ein absoluter Kulttitel ist (und vielleicht sogar als erstes Comic Book mit einem „director’s cut“ […]

Wenn man Comics von Jhonen Vasquez zur Hand nimmt, darf man eines auf keinen Fall erwarten: Gleich von Beginn an zu verstehen worum es eigentlich geht. Das hat er bereits mit „Johnny, the Homicidal Maniac“ vorgeführt, der schon seit Jahren ein absoluter Kulttitel ist (und vielleicht sogar als erstes Comic Book mit einem „director’s cut“ Sammelband versehen wurde). Fortgeführt hat Vasquez seine schrägen Visionen in „Squee“, einem Ableger der „Johnny, the Homicidal Maniac“ Serie, und der TV-Animationsserie „Invader Zim“. Dazwischen gab es noch ein paar kleine Nebenprojekte, wie zum Beispiel „Bad Art Comics“, 16 Seiten voller schlechter Zeichnungen und üblen Gewaltakten an niedllichen Tieren, „I Feel Sick“, einem weiteren JtHM Ableger, „Everything Can Be Beaten“ oder „Fillerbunny“. Und jetzt kommt „Jellyfist“. Worin sich „Jellyfist“ mal grundlegend von den bisherigen Arbeiten Vasquezs unterscheidet ist, dass zumindest alle anderen seiner Comic Books irgendeine Art von Koherenz und Handlung aufweisen konnten. „Jellyfist“ hingegen entstand als kreatives Ping Pong Spiel zwischen Vasquez als Autor und Jenny Goldberg als Zeichnerin. Vasquez schrieb sich etwas von der Seele, zum Beispiel von einem Jungen, in dessen Kopf Bienen leben, und Goldberg zeichnete dazu einen ein- bis zweiseitigen Comic. Vasquez, übrigens eine Ikone der Goth Szene, tobt sich hier mal wieder zur Gänze aus und schreibt völlig zusammenhanglose Vignetten, die teilweise nicht mal in sich selbst Sinn ergeben. Auf den ersten Blick zumindest nicht. Lässt man die Sinnsuche hinter sich, dann taucht man plötzlich in die niedlich-widerliche Bilderwelt Goldbergs ein und kichert und gluckst über blutende Augen, sofort wieder revidierte Liebesbekenntnisse, sexuelle Nötigung, totale Entfremdung und jede Menge anderer Themen, die (Achtung! Sarkasmus!) keinerlei Bezug zum „echten“ Leben haben. Außerdem tauchen Vasquez und Goldberg in die technischen Errungenschaften der Jetztzeit ein und bringen sie zum Comic Book: der verpflichtende „Commentary Track“ (mittlerweile Standard auf DVDs) darf auch hier nicht fehlen. Neben jedem einzelnen Comic toben sich die beiden Macher in (ebenso sinnentleertem) Dialog noch einmal aus. Schönes Ding. Vielleicht muss man mit einer besonderen Art von Humor (die irreparabel funktionsuntüchtige Art) geboren worden sein um Vasquez schätzen zu können, aber das sollte niemanden daran hindern „Jellyfist“ in die Arme zu nehmen, fest zu drücken, lieb zu haben und bei heruntergezogenen Jalousien, in Stille und Einsamkeit, sexuelle Fantasien damit auszuleben. Moment. Den letzten Satz bitte ignorieren.

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