Graduation

Wenn man so langsam verarbeitet hat, dass der selbsternannte „Louis-Vuitton-Don“ für seine Vorabsingle „Stronger“ ungeniert Daft Punk verbraten hat, und sich endlich eingestehen kann, dass dabei – zwar nicht unter allzu viel Zutun von Kanye West selbst – ein großartiges Stück Musik herausgekommen ist, dann kann man sich dann ja mal ganz entspannt auf das […]

Wenn man so langsam verarbeitet hat, dass der selbsternannte „Louis-Vuitton-Don“ für seine Vorabsingle „Stronger“ ungeniert Daft Punk verbraten hat, und sich endlich eingestehen kann, dass dabei – zwar nicht unter allzu viel Zutun von Kanye West selbst – ein großartiges Stück Musik herausgekommen ist, dann kann man sich dann ja mal ganz entspannt auf das dritte Album des Meisters einlassen.

Ein Euro-Dance-Album – wie im Vorfeld gemunkelt – ist „Graduation“ nun allerdings nicht geworden, Einflüsse aus dieser Richtung sind aber durchaus auszumachen: Neben der genannten Single, die ja gar nicht erst versucht, ihren Ursprung zu verschleiern, weisen Synthieflächen, elektronische Einsprengsel und einige im Hip-Hop selten gehörte Beats dezent auf den eher House- denn R&B-geeichten Dancefloor. Solche Ausflüge sind jedoch spärlich gesäht, über weite Strecken des Albums bewegt sich West nämlich auf altbekanntem Terrain: hochgepitchte Soul-Samples, fette Bläser, Streicherbombast und Grandezza.

Auf diesem Gebiet ist der Mann im Moment ohnehin unübertroffen, „Graduation“ zeigt ihn in bislang überzeugendster Form. Wenn man Kanye West als gewitztes Kerlchen mit Hang zum Größenwahn akzeptieren kann, dann darf man hier gerne „Sehr gut“ draufschreiben. Tausend Ideen im Füllhorn, ein Eldorado des Übermuts.

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