Ten$ion

Die Antwoord machen jetzt auch ein bisschen Dubstep, ihr bizarrer Zweitling ist stets abwechslungsreich, manchmal grenzwertig, nie langweilig – und hoffentlich nicht ernst gemeint.

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Wer sich von dem verstörenden Cover (und dem ersten Song mit dem kryptischen Titel "Never Le Nkemise 1") nicht abschrecken lässt, dem wird schnell einiges klar: zum Beispiel, dass man weder Rap noch Hip-Hop mögen muss, um sich von "Ten$ion" immer wieder zum Mitnicken hinreißen zu lassen. Oder dass, auch wenn sich gewisse Parallelen nicht leugnen lassen, es wohl unfair wäre, Die Antwoord als das südafrikanische Pendant zu Deichkind zu bezeichnen. Oder aber, dass der Tag an dem Die Antwoord einen Literaturpreis für ihre Lyrics verliehen bekommen, der Tag ist an dem die Welt untergehen wird.

Auch wenn Provokation und ein vor Selbstironie nur so strotzendes Gangster-Image schon immer das Motto des abgedrehten Trios aus Johannesburg war, fällt es schwer, über unglaublich grenzwertige Songs wie "Hey Sexy" oder "U Make A Ninja Wanna F**k" hinwegzusehen, und man ist durchaus geneigt, Ninja Glauben zu schenken wenn er auf "Hey Sexy" prahlt: "When I was 13 I took my first drugs." Als ob das nicht genug wäre, schrecken Die Antwoord gleich beim zweiten Track "I Fink U Freeky" nicht vor dem wohl ausgelutschtesten Synth der Musikgeschichte zurück (der eigentlich ab "Dominator" bei keinem einzigen Track mehr cool war), und generell gibt es wohl kein Genre, das auf "Ten$ion" nicht in irgendeiner Form musikalisch verwurstet wurde. Und so ist es auch wenig verwunderlich, dass sich euphorischer Lagerhallen-Rave aus den 90s auf ein und dem selben Song neben wobbelnden Dubstep-Basslines und irgendwie afrikanisch klingenden Gesängen wiederfindet. Wie erwartet kann dieses musikalische Konglomerat allerdings nie so wirklich überzeugen, und schnell freut man sich, dass die Spielzeit des Albums nur 38 Minuten beträgt.

Sobald man sich aber mit der zwei Oktaven hochgepitchten Stimme von Yo-Landi abgefunden hat, setzen sich Songs wie "So What?" oder (ganz besonders) "Fatty Boom Boom" schneller in den Gehörgängen fest, als man "Buraka Som Sistema" sagen kann – und plötzlich fällt es schwer zu glauben, dass hier nicht Diplo seine Finger im Spiel hatte. Und dennoch: diese vereinzelten Lichtblicke bewahren zwar vor dem Schlimmsten, können "Ten$ion" aber trotzdem nicht mehr retten.

Fazit? Nicht unbedingt schlechter, aber auch auf keinen Fall besser als das erste Album – diesmal allerdings ohne einen Hit.

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