The Act Of Killing

Schwer erträgliche Doku, die das Indonesien-Massaker nachstellt und Täter von damals erneut in ihre Rollen schlüpfen lässt. Ziel ist es, das Leid der Opfer in den Köpfen der Täter zu vergegenwärtigen.

Anwar Congo repräsentiert den Prototyp des gewissenlosen Killers, der im Indonesien-Massaker der 60er Jahre per Freibrief hunderte Gegner des politischen Systems tötete. Weil jegliche Form der Aufarbeitung ausblieb, begreift er sich nach wie vor als Nationalheld und erzählt in einer Talkshow unter frenetischem Applaus von seinen Tötungsmethoden. Das ist schockierend und erinnert wie vieles hier an den Surrealismus der Sitcom-Szene aus »Natural Born Killers«. Oppenheimer selbst stellt sich seinen Protagonisten wohlwollend gegenüber und lässt sie derart im Glauben, Deutungsgewalt über den Film zu besitzen. Die Täter erzählen freimütig und mit Stolz von ihren Taten. Ihr Ziel ist es, ihre geschichtliche Auffassung nachdrücklich in Form eines Gangsterfilms (sic!) zu verankern. Auch weil sie nicht mit Details sparen, macht eine derartige Reuelosigkeit sprachlos. Wie nur Weniges zuvor ist »The Act Of Killing« ein brachiales Dokument. Oppenheimer zeigt exemplarisch den völligen Ausnahmezustand eines Landes und zugleich tief verankerte Verdrängungsmechanismen, die sich nur durch diese geschickte Vergegenwärtigung ansatzweise aushebeln lassen.

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