Schlaflose Nächte auf Dänisch

Horror aus Dänemark. Interpretiert werden kann »When Animals Dream« von Jonas Arnby als melancholisches Emotionsspiel mit Schocker-Momenten. The Gap verlost exklusiv Karten für die Preview-Vorstellung.

Der Plot ist nach 20 Minuten klar. Marie (Sonia Suhl), ein junges Mädchen das mit ihrem Vater (Lars Mikkelsen) und ihrer Mutter (Sonja Richter) in einem Kaff an der dänischen Nordküste lebt, hat es nicht leicht. Ihre Mutter ist schwerkrank. Was genau ihr Leiden ist, stellt sich erst heraus, als Marie anfängt die gleichen Symptome aufzuweisen. Übermäßiger Haarwuchs und im späteren Verlauf animalische Züge.

Better Don’t Wake Me

Wie animalisch, das hat sich der Film bis zum Ende aufgespart. Augenmerk wurde weniger auf krasse Horror-Szenen, vielmehr auf die Charakterentwicklung der Figuren gelegt, besonders auf die der Hauptfigur Marie. Ein zunächst schüchternes Mädchen verliert schnell die Kontrolle über sich selbst. Einleitend nur angedeutet, merkt man bald, dass das Tier in ihr langsam aufwacht. Wie der Regisseur des Filmes Jonas Alexander Arnby anmerkt, verbirgt sich ein Element der Gefahr im Titel, da Tiere meist an etwas leiden, wenn sie träumen. Ein Sprichwort besagt, dass man ein träumendes Tier niemals wecken solle, da sonst etwas schrecklich schief gehen könnte.

Emanzipierte Werwölfin

Die Einwohner des kleinen Dorfes haben längst überrissen, dass Marie – wie ihre Mutter – auch bald eine Gefahr für ihre Umgebung werden könnte. Die Mutter wurde mit Medikamenten still gelegt und vegetiert nur mehr im Rollstuhl vor sich hin. Interessant ist, dass in »When Animals Dream« eine Frau die Werwolf-ähnlichen Züge annimmt. Üblicherweise verliert ein Werwolf nach seiner Transformation (»Twilight« mal ausgenommen, ihr wisst Bescheid) die Kontrolle über sein menschliches Bewusstsein. Marie jedoch unterscheidet weiterhin, wen sie tötet und wen nicht. Familie und Freunde werden ausgelassen. Vielleicht sollen hier weibliche Emotionen zum Ausdruck gebracht werden. Ihre Verwandlung gibt ihr gleichzeitig die physische wie psychische Kraft, sich zu emanzipieren. Damit ist nicht gemeint, Männern mit den Zähnen die Pulsschlagader aufzureißen. Aber sich selbst mit ihrer – nennen wir es Besonderheit – zu akzeptieren, sich ihrem Vater zu widersetzen und den für sie vorgesehenen Weg zu nehmen.

Kein klassischer Horror

Was diesen Film weniger zu Horror, sondern viel mehr zum dramatischen Thriller macht, sind die Stille und die Nachdenklichkeit, die in den Landschaftsaufnahmen in Szene gesetzt werden. Spannung wird beim Zuschauer eher aufgrund der ruhigen Bilder und des kargen Dialogs aufgebaut. Dadurch kann man sich gut auf den inneren Kampf der Figuren um Liebe und Gerechtigkeit, sowie dem Erwachsenwerden von Marie konzentrieren. Der Regisseur hat sich bewusst für den kleinen Ort im Norden Jütlands entschieden, da nicht nur die Frömmigkeit der dort lebenden Menschen ihn faszinierte, sondern auch ihre Offenheit, mit der sie ihm von ihren düsteren (wahren) Geschichten erzählten.

In »When Animals Dream« geht es weniger darum, dem Zuschauer durch überraschende Momente Gänsehaut zu bereiten. Es geht um Unterdrückung von Außenseitern, der emanzipatorischen Übertragung von Werwolf-Motiven, der finsteren Atmosphäre eines dänischen Fischerdorfes und das Leben einer kleinen, geschlossenen Gemeinde.

The Gap verlost exklusiv für euch Karten für die Preview-Vorstellung am 20.8.2014 um 20 Uhr im Hollywood Gasometer. Für Karten bitten unter diesem Link liken.

»When Animals Dream« startet am 22. August 2014 in den Kinos.

Bild(er) © Thimfilm
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