Shanghai Calling #3

Morgen wird hier in Shanghai die Expo eröffnet. Schon am ersten Wochenende wird ein Besucheransturm erwartet. Kein Wunder, denn das chinesische Volk wurde mit einer mehrjährigen Werbekampagne auf die Weltausstellung eingestimmt.

Eines steht jetzt schon fest: Shanghai hat von der Expo sicher profitiert. Die Stadt strahlt wie vermutlich noch nie zuvor. Jeder Bezirk in dem Expo-Touristen aus China und dem Ausland zu erwarten sind, wurde rausgeputzt. Die Kosten dafür müssen astronomisch sein. Prinzipiell gibt es in Shanghai schon relativ viele Grünflächen, jetzt wurden aber überall noch Blumen gepflanzt (ganz dem Expo-Motto "Better city, better life" entsprechend). Selbst auf manchen Streckenabschnitten der erhöhten Stadtautobahnen (quasi im 1. Stock) hängen seitlich Blumenkästen. Horden von Gärtnern rücken jeden Tag aus, um Blumen und Parks zu pflegen. Das sieht dann hier so aus, dass in einem Park Dutzende Bezirksangestellte arbeiten. Und das ist keine Übertreibung.

Styropor-Mauern & Co

Das Projekt Stadtverschönerung hat aber auch ganz skurrile Ausformungen angenommen. Baustellen sind hier nicht mit Holzwänden eingezäunt, sondern von Ziegelmauern eingegrenzt. An der Nanjing West Road wurde eine dieser Mauern jetzt für die Expo saniert. D.h. die Mauer wurde neu verputzt, gestrichen und mit Tausenden Blumenkästen versehen (siehe Bild links). Damit der Mauerabschluss oben schöner aussieht, wurde das ganze noch abgerundet. Wie das gemacht wurde: Die Arbeiter nahmen einfach abgerundete Styropor-Teile und klebten diese an die Mauern. Dann schnell drübergestrichen und schon fällt niemandem auf, was das eigentlich ist. Es fällt wirklich nicht auf. Einerseits ist schon klar, dass es hier nicht um Nachhaltigkeit geht. Es ist aber trotzdem nur eine Baustellenbegrenzung.

Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen in Peking – da war alles quasi schon ein Jahr vor der Eröffnung fertig – wird hier noch bis zur letzten Sekunde gearbeitet. Wenn sich eine Haussanierung mal nicht mehr ausgeht, dann wird schon mal eine Lkw-Plane mit aufgedruckter Fassade um ein Haus gespannt (ebenfalls gesehen auf der Nanjing West Road. Auch am Expo-Gelände war laut Blog-Berichten zum Soft-Opening noch nicht alles fertig.

Sicherheitsmaßnahmen

Abgesehen von den Gepäckscannern in den U-Bahnstationen (die lustigerweise abends unbesetzt sind) steht an den U-Bahnstationen mittlerweile Militärgarde (siehe Foto links). Bei jedem Eingang zwei Leute. Allerdings unbewaffnet. Nur am Bahnhof haben manche von ihnen Maschinengewehre umgehängt (ein Großteil der Polizei ist hier überhaupt "nur" mit Schlagstöcken bewaffnet). Züge sind in China ziemlich billig, daher werden viele chinesische Expo-Gäste vermutlich so anreisen. Am Bahnhofsvorplatz des Hauptbahnhofes gibt es riesiges Leitsystem. Selbst ohne Expo ist dort nämlich immer schon viel los.

Auf den Straßen tauchen jetzt immer mehr Souvenir-Verkäufer mit – vermutlich gefakten – Maskottchen auf. Und die werden auch fleißig gekauft. Die massive Werbekampagne zeigt auf jeden Fall ihre Wirkung. Die Expo soll ja die nächste Machtdemonstration Chinas werden. Trotzdem hört man vereinzelt auch Kritik an den hohen Expo-Kosten. In den englischsprachigen TV-Nachrichten wurden die Kosten bisher noch nicht angesprochen.

Facebook, Twitter & Co.

Gerüchten zufolge werden in China ab 1. Mai fast alle Websites zugänglich sein. Allerdings nur für ein Monat. Ich bin gespannt ob das stimmt, denn seit gestern funktioniert auch Tumblr nicht mehr. All jene Chinesen, die Facebook, Twitter & Co. nützen wollen, wissen aber ohnehin, wie man die Sperren umgehen kann. Und aus den ganzen Facebook-/Twitter-Profilen machen sie auch keine Geheimnisse.

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