Sind 28% Frauenanteil genug?

Bei den Popfest-Sessions wird über Geschlechterrollen im Pop diskutiert. Die Moderatorin des Panels spricht mit uns im Interview über weibliche Role Models und Frauen im Umgang mit dem Mischpult.

Das Popfest hat mit 28% den größten Frauenanteil heimischer Musik-Festivals. Ein Drama oder Anlass zur Hoffnung?

Ich würde sagen, es ist weder Drama noch Hoffnung. Es ist mit Sicherheit eine positive Entwicklung. Das Popfest fördert die Sichtbarkeit von österreichischen weiblichen Musikern. Das machen in der Form nur wenige österreichische Mainstream-Festivals. Ich denke aber auch, dass es wichtig wäre die Zugangsbedingungen zur Musikbranche umfassender zu betrachten und zu fragen, wie viele Frauen Festivals kuratieren, budgetieren, organisieren, oder als Bookerinnen arbeiten und damit erfolgreich bzw. sichtbar sind.

Nennt mal 5 weibliche Musik Role Models, bitte. Warum die?

Für mich sind alle Musiker und Musikerinnen, die am Pink Noise Girls Rock Camp Workshops oder Instrumentenkurse leiten oder Bandcoaches waren oder sind Role Models in der Musik. Dieses Jahr sind dabei: Laura Landergott, Eva Jantschitsch, Christina Nemec, Renee Benson, uvm. Sie sind alle sehr aktiv und umtriebig in der österreichischen Musikszene. Sie vermitteln ein musikalisches Wissen, aber auch eine Haltung gegenüber dem, wie es ist, kreativ zu arbeiten und wie es sein kann mit gesellschaftlichen Strukturen konfrontiert zu werden, die einen nicht weiterkommen lassen. Ihre Arbeit ist sehr inspirierend und sie unterstützen die Idee des Camps mit vollem Einsatz. Ich finde das sehr bewundernswert. Das ist es auch, was mich nie an der Idee des Girls Rock Camps oder der feministischen Mädchenförderung in der Musik zweifeln lässt. Wir sind alle davon überzeugt, dass es diese geschützten Freiräume braucht, in denen Mädchen und junge Frauen ihren Zugang zur Musik finden.

Beim Girls Rock Camp soll Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen vermitteln. Was ist euer Hauptantrieb?

Unser Hauptantrieb besteht darin, dass wir einen Zugang zu Musik und der Musikbranche für Mädchen und junge Frauen ermöglichen wollen. Mit dem Pink Noise Girls Rock Camp geben wir Anstöße für alternative Zugangsweisen zur Musik, für eine Reflexion geschlechtsspezifischer Mechanismen in popkulturellen Erscheinungen und für feministisch orientierte Jugendkulturen, die sich dem Empowerment sowie den widersprüchlichen und vieldeutigen Rollenanforderungen von Mädchen widmen, mit denen diese in der heutigen Zeit konfrontiert sind.

Es geht darum das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken und zu Eigeninitiative, Kreativität und selbstbestimmtem Handeln in männerdominierten Jugend- und Musikkulturen anzuregen. Wir nehmen junge Frauen als selbstbestimmte Akteurinnen und Kulturproduzentinnen wahr. Musik stellt dabei das zentrale Werkzeug dar, um diese als selbstbestimmte Akteurinnen zu unterstützen und sichtbar zu machen.

Die Popfest-Sessions finden vom 26. – 27. Juli 2014 im Wien Museum statt. Neben den Panels gibt’s Live-Auftritte von Pilot Jr., Kartenhauskörper, The Josephines und Raider Cpt. Deputy.

www.popfest.at

pinknoise.or.at

girlsrock.at

Bild(er) © Mäx Mares, Astrid Knie
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