Sorry, not sorry

Das Noise-Punk-Trio Aivery debütiert mit »Because« in Langspielzeit. Prinzip: Dafür, dagegen zu sein.

© Tina Bauer

Es wurde schon gemunkelt in der Hauptstadt, da kündige sich etwas Größeres rund um die Dreierformation Aivery an. Das erste große Ding – ein Debütalbum. Ohne Pauken und Trompeten, dafür aber mit viel Energie und einem Händchen für melodiöse Komplexität präsentieren sie sich auf »Because«, das im September bei Siluh Records erscheint. Die Masterminds hinter den neun Songs Franziska Schwarz (Bass, Vocals), Jasmin Rilke (Guitar, Vocals) und Doris Zimmermann (Drums) haben ganz genaue Vorstellungen vom Aivery-Sound, vom Sollen und vom Müssen, von Instrumentierung und von Kohärenz. Gemeinsam mit Mario Zangl, der sonst als Mile Me Deaf Gitarrist und Numavi-Records-Mensch in Erscheinung tritt, entstand das gute Stück im hitzigen Grazer Sommer letzten Jahres.

Die Titel der Songs lesen sich wie ein offensiver Rundumschlag gegen alles und jeden, von »Disregard« geht es über »Don’t Dare« zu »Not Sorry«. Mit aufgeladenen Gitarrenriffs, einer Prise Distortion und einer ordentlichen Portion Anger zieht sich dieser Groll kontinuierlich durch die Langspielplatte. Ohne Kompromisse. Da darf der Hang zur vermollten Dissonanz auch nicht fehlen. Gekonnt eingesetzt wird das auch auf der ersten Single- und Video-Auskoppelung »Disregard«, in der sich die fast schon tänzelnden Off-Beat-Strophen im vor Riffs triefenden Refrain auflösen. Während im Video die Kamera durch einen grünen Palmendschungel stapft predigt Schwarz »Fake it until you have it all«, der Ignoranz und hingebungsvollen Missbilligung frönend. Auf »Because« wird einem definitiv nicht langweilig. Und Aivery müssen sich auf keinen Fall für etwas entschuldigen – sorry, not sorry eben. In knackigen 30-Minuten wird das Dagegensein durchdekliniert, form follows function. Denn: »Because« ist ein bisschen Math Rock, dann wieder Grunge, irgendwo glaubt man sogar Brian Molkos klagenden Placebo-Gesang zu erhaschen. Doch Aivery lassen sich nicht in eine Schublade samt Riot-Grrrl-Stempel quetschen. Warum nicht? Wie schon der Albumtitel verrät: Weil halt.

Aivery’s Debüt »Because« erscheint am 1. September 2017 unter Siluh Records und wird am 13. Oktober in der Sargfabrik in Wien inklusive Special Guests gefeiert.

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