Soundscapism

Auf seinem neuen Album geht Ex-Garish-Gitarrist Christoph Jarmer, alias Esteban’s, auf die Jagd nach seinen eigenen Dämonen, und entführt uns dabei in schaurig zärtliche Klangwelten.

Christoph Jarmer, alias Esteban‘s, wandelt auf Solopfaden. Schon seit längerer Zeit, aber nun tatsächlich vollkommen losgelöst vom Mutterschiff Garish. Seit seinem ersten Soloalbum "Serenity" (2008) hat sich Herr Jarmer behutsam weiterentwickelt – er zeichnet fein instrumentierte Klangbilder, verpackt Geschichten des Lebens in hübsches Sprachgewand, zupft und singt dazu vollkommen im Alleingang. Solo halt. Während aber andere Musiker aus Pannonien lieber schlafen, haucht Esteban’s seinen Klangträumen viel Melisma und Leben ein. Und das ganz ohne weiter auf der für Garish typischen Pathoswelle zu surfen, sondern lieber irgendwo an jenem Klangteich campend, wo sich Folkpop-topia und Indie-Melancholia gute Nacht sagen.

Sturzgefahr

Während er auf dem Vorgänger-Album "IR" (2012) – für "In Rebellion" – noch einen auf Rebel Boy machte, hat sich auf dem neuen Album der erhoffte Umsturz schon vollzogen – "Overthrown" steht für Jarmers neuen Lebensabschnitt als Vater und die Reformation seiner bisherigen musikalischen, von Garish geprägten Ordnung. Das musikalische Fundament von "Overthrown" ist aus Gitarrensaiten gesponnen, auf dem sich dann Klaviermelodien breit machen. Das Album soll gleichzeitig eine Reise um die Welt der Gitarren sein – "Slave" wurde auf einer alten kanadischen Akustikgitarre eingespielt, "Beast" auf einer spanischen Konzertgitarre und "Captured" soll auf irischen Harmonien aufbauen.

"The Beast In Me"

Die erste Single "Beast" klingt nicht nur thematisch nach einer Fortschreibung des Johnny Cash Klassikers "The Beast In Me", sondern tönt auch ein bisschen so. Vor den eigenen Biestern davon laufen kann man aber nicht, das wusste schon Cash. Das vermittelt auch das Video zu Esteban’s erster Single. In dunklen Wäldern versammeln sich blass geschminkte Kinder, um mit Schmetterlingen zu spielen und um ihre Spielsachen zu verbrennen. Christoph Kuschnig und Teresa Winkler haben nicht nur die schwierig zu filmende Dunkelheit gemeistert, sondern die Biester aus Esteban’s Song in ein gespenstisches Video gepackt. Der Wald als Spiegel der eigenen Seele steht am Eingang zu den atmosphärischen Klangwelten Esteban’s. Am Album selbst sollen die Lieder aber doch immer wieder aufklaren – "I want to catch some sunrays", heißt es im Titelstück "Overthrown".

"Beast" wurde von Christoph Kuschnig und Teresa Winkler gedreht. "Overthrown" von Esteban’s erscheint am 9. Oktober via Schoenwetter.

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