Feelings aus der Dose

Die Künstler Jana & JS sind privat ein Paar und besprühen in ihrer Street Art das Zwischenmenschliche, und zwar auf Baumstämme und Bahngleise. Nun sind ihre Bilder in der Inoperable Galerie in Wien zu sehen. Wir haben den liebenswürdigen Menschen Fragen gestellt.

Eine der wenigen Galerien, die sich in Wien ausschließlich mit Street Art beschäftigt und dabei international zu einer der besten ihrer Art gehört, ist die Inoperable Gallery. Seit Jahren setzen die Kuratoren auf Künstler, die von der Straße kommen und auch in die Galerie gehören.

Dort stellen jetzt zwei Künstler aus, die nahe Salzburg leben, auch abseits Austria mächtig Eindruck schinden – Jana&JS. Sie transformieren die Bildsprache der Schablonenkunst auf eine emotionale und menschliche Ebene. Das bedeutet also nicht Parolen und politische Statements, sondern Gefühle und zwischenmenschliche Gegebenheiten. So sieht oftmals man Menschen in tristen Momenten, alleine und echt.

So unterschiedlich ihre Darstellungen von artverwandten Künstlern sind, so variabel gestalten sich auch die Orte und Materialien, auf denen Jana&JS ihre Bilder sprühen. Ob Bäume, Ruinen oder Bahngleise, die beiden Künstler wählen ihre Orte gekonnt, so eben auch die Inoperable Galerie.

The Gap hat sich mit dem Künstlerpaar unterhalten, über Freuden des Landlebens erfahren und nach den Personen in ihren Bildern nachgefragt.

Eure Arbeiten sind eigentlich überall zu finden, auch abseits von urbanen Wänden. Woher kommt die Idee, Kunst auf Baumstämmen oder Zuggleisen zu machen?

Wenn wir im öffentlichen Raum arbeiten, ist es für uns nicht entscheidend, dass unsere Kunst von möglichst vielen Leuten gesehen wird. Für uns ist von Bedeutung, einen Ort zu finden, an dem sich unsere Arbeit am besten integrieren kann.

Wir suchen nach den besonderen Orten, Orte an denen man Kunst nicht erwartet. Sowas finden wir für uns viel spannender.

Ein weiterer Grund warum wir viel abseits von urbanen Wänden arbeiten, ist, dass wir schon seit längerer Zeit außerhalb von Salzburg am Land leben. Zuvor lebten wir in Madrid und in Paris. Ehrlich gesagt hat es seine Zeit gedauert, mittlerweile haben wir es aber akzeptiert, nicht mehr so oft in der Stadt zu sein. Und fangen dabei an, das Landleben zu genießen. So kam es dann auch, dass wir angefangen haben, nach anderen Plätzen für unsere Arbeiten zu suchen und nicht nur "normale" Wände zu besprühen.

Ein wesentlicher Teil, unbekannte Plätze zu entdecken, geht auf unser Familienleben zurück. Die Idee mit den Baumstämmen ist uns beispielsweise durch die vielen Spaziergänge mit unserem Sohn im Wald gekommen.

Welche Materialien und Orte habt ihr noch nicht ausprobiert?

Wir haben schon viele verschiedene Untergründe bemalt: Holz, Metall, Glas, Autos, Straßenbahnen, Züge, in Wohnsiedlungen, im Wald, auf Steine, Fenster…. ein altes Flugzeug oder Schiff würden wir in Zukunft gerne mal besprühen.

Eure Bilder zeigen alltägliche, oft intime Situationen. Sind die dargestellten Personen Bekannte von euch oder sogar ihr beiden selbst?

Ja, das sind Personen die wir kennen. Oftmals sind es Familienmitglieder oder Freunde. Wenn wir jemanden zuvor fotografieren, ist es für uns wichtig, dass wir nicht nur eine berufliche Beziehung zu der Person haben. Für uns ist es auch wichtig, dass die Beziehungen zwischen den Dargestellten echt sind und nicht inszeniert.

Und ja, manchmal sind auch wir selbst auf unseren Bildern zu sehen, das wird allerdings immer mehr zur Seltenheit.

Magritte oder Warhol?

Ganz klar, Magritte!

Ihr seid privat ein Paar und arbeitet zusammen. Wie sieht eure Kunst aus, wenn ihr alleine arbeitet?

Über sowas machen wir uns eigentlich keine Gedanken mehr, wir arbeiten ja nun schon seit 10 Jahren an gemeinsamen Sachen.

Sprüht ihr eher auf gewidmeten Flächen, für Auftraggeber oder mitten in der Nacht?

Wir sprühen schon seit Langem nicht mehr Nachts. Und wir haben das auch früher sehr selten gemacht. Wir sprühen natürlich aber auch Heute noch ohne Erlaubnis, da es für uns wichtig ist, selber die Orte, an denen wir intervenieren, auszuwählen.

Es ist jedoch auch interessant, im Rahmen eines Auftrages zu arbeiten, da uns dadurch jene Mittel zu Verfügung gestellt werden, um große Projekte zu realisieren, die für uns alleine sonst nicht machbar wären.

Wo ist man in Europa eurer Erfahrung nach am aufgeschlossensten gegenüber Street Art. Und wo steht Wien?

Wahrscheinlich London oder Paris.

In Paris haben die Künstler mehr Freiheiten und viele Galerien präsentieren Street Art. In den letzten Jahren hat sich die Situation in Wien stark verändert und das ist unter anderem Leuten wie Nicholas Platzer und Nathalie Halgand von der Inoperable Gallery zu verdanken. Es gibt in Wien auch immer mehr Projekte und Ausstellungen in denen Street Art präsentiert wird. Finden wir natürlich gut.

Die Ausstellung von Jana&JS kann man ab 5. Februar bis 7. März 2015 in der Inoperable Galerie Wien besuchen. Zur Vernissage am Donnerstag gehts hier entlang.

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