Sterilisation von Menschen mit Behinderung – Eine Doku zeigt den Kampf um reproduktive Selbstbestimmung

Der Film »Hauptsache du kriegst kein Kind« zeigt auf, von wie vielen Missständen Menschen mit Behinderung bei den Themen Sterilisation, Verhütung und Aufklärung betroffen sind.

© AdobeStock

Man würde meinen, das Szenario gehöre in eine ferne Zeit: Menschen mit Behinderung werden gegen ihren Willen – durch die Entscheidung anderer – sterilisiert. Dass dies heutzutage nach wie geschieht, erhält viel zu wenig Aufmerksamkeit, obwohl dringender Handlungsbedarf besteht.

Das Magazin Andererseits, dass sich mit gesellschaftspolitischen Themen rund um Behinderung befasst, hat nun den Dokumentarfilm »Hauptsache, du kriegst kein Kind« produziert. Darin wird der Zusammenhang von Behinderung und reproduktiven Rechten in den Fokus genommen. Laut der Recherche von Andererseits werden in Österreich und Deutschland anteilsmäßig mehr Menschen mit Behinderung sterilisiert als Menschen ohne Behinderung. Die Gründe dafür seien vielfältig, die Entscheidung werde aber überwiegend von Verwandten getroffen oder vom Umfeld beeinflusst, sei also selten vollkommen selbstbestimmt.

Verstoß gegen UN-Richtlinien

Auch, dass selbst beim Thema Verhütung eine deutliche Schieflage existiert, deckt das Team von Andererseits auf: Die Aufklärung über Sexualität und Verhütung für Menschen mit Behinderungen werde zu oft vernachlässigt oder finde gar nicht statt. So würden Menschen mit Behinderung häufig ein Verhütungsmittel erhalten, dass bei Menschen ohne Behinderung, wegen der Sorge vor unerwünschten Neben- und Langzeitwirkungen, nur noch selten verordnet werde: die Drei-Monats-Spritze.

Die Recherchen von Andererseits machen deutlich, dass in Bezug auf Sterilisation und Verhütung bei Menschen mit Behinderung die grundlegenden und eindeutigen Vorgaben der UN‑Behindertenrechtskonvention nicht eingehalten werden. Ein Jahr lang wurde für den Film investigativ gearbeitet – oft unter erschwerten Bedingungen. Denn, viele Betroffene könnten ihre Lage aufgrund mangelnder Informationen kaum bewerten. Gleichzeitig würden die Strukturen, in denen sie leben, offene Gespräche verhindern beziehungsweise diese riskant machen. »Hauptsache du kriegst kein Kind« zeigt systematische Probleme auf und verdeutlicht, an welchen Stellen dringend Veränderungen notwendig sind. Eine Arbeit, die schon lange überfällig scheint und deren Ergebnisse jetzt kostenfrei sowie in leichter Sprache zugänglich sind.

Die Dokumentation ist auf Youtube frei verfügbar. Mit einem Abo könnt ihr die Arbeit von Andererseits unterstützen.

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