„Testabo für elektronische Musik“ – Etepetete im Interview zum Electric Spring

Von 20. bis 21. April geht das Electric Spring im Wiener Museumsquartier in die dritte Runde. Kuratiert wurde das Festival vom DJ- und VJ-Trio Etepetete. Mit uns haben sie über ihre Rolle als Kuratoren, ihr Bookingkonzept, die geforderte Massentauglichkeit und den Stellenwert von Visuals gesprochen.

© Gersin Livia Paya
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Ihr folgt Thomas Heher und Katharina Seidler als Kuratoren – wie unterscheidet sich euer Zugang, was war euch wichtig bei der Programmierung?  

Lisge: Der Background unterscheidet uns natürlich schon mal grundlegend. Katharina Seidler hat beispielsweise als Musikredakteurin natürlich einen anderen Zugang, als wir, die von der Clubszene kommen.

Lisa: Wir wollen einfach unsere eigene Handschrift hinterlassen. Man wird am Booking einerseits erkennen, was uns gefällt und andererseits natürlich auch sehen, was uns musikalisch über die Jahre begleitet hat. Wir haben drei verschiedene Musikgeschmäcker, die sich aber in gewissen Bereichen natürlich durch unser Musikprojekt treffen und wir haben dadurch natürlich schon einen gemeinsamen Nenner. Das Interessante ist, wenn wir Musik suchen, kommen wir bei 100 Songs doch immer auf ein paar Überschneidungen. Ein guter Gradmesser ist oft: Wenn es uns allen dreien gefällt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Publikum damit umgehen kann, natürlich auch größer. Insofern hoffen wir, dass das passt.

Als das Electric Spring ins Leben gerufen wurde, war das Credo schon auch, dass dieses Festival einen niederschwelligen Zugang zu elektronischer Musik bieten soll. Gleichzeitig ist ein Gratisfestival auch eine Möglichkeit, einem breiten Publikum einen neuen Zugang zu bieten. Wie seht ihr das?

Nane: Wir gestalten das Festival so, wie wir unsere Sets gestalten und wie wir auch als Künstler sind, und das war immer ein niederschwelliger Zugang zu elektronischer Musik. Wir hatten nie Interesse an der Frage, ob wir Mainstream sind oder nicht oder ob wir alternativ sind oder ob wir Underdogs sind. Für uns war es immer wichtig, dass das Publikum eine gute Zeit haben kann, dass es clubby ist, dass es tanzbar ist, und so werden wir das Festival auch gestalten. Wir haben den Abend nicht für Leute aus der Szene konzipiert, sondern eher für Menschen, die einfach hineinschnuppern wollen. Die Kritik ist ja oft: Da ist es eh schon gratis und es gibt kein Risiko: Warum bucht man dann nicht mutiger? Der Gedanke war aber, dass man schon auch auf das Publikum eingehen muss. Es hilft wenig, wenn der Act super experimentell ist, das Publikum dem aber keinen Respekt zollt.

Lisa: Man kann das schon auch als Testabo für elektronische Musik sehen.

Glaubt ihr, dass Gratisfestivals auch ein bisschen die Konzertszene zerstören? Braucht es so viele Gratisfestivals in Wien?

Nane: Das liegt natürlich im Auge des Betrachters. Ich kann die Kritik teilweise nachvollziehen, andererseits ist es eben auch ein super Angebot. Braucht es diese Festivals? Nicht unbedingt. Ist es cool, dass es sie gibt? Ja. Da treffen eben unterschiedliche Interessen aufeinander.

Wie eng oder weit seht ihr den Begriff „electric“ bei Electric Spring?

Nane: Es gibt keine Unplugged-Konzerte. (lacht)

Lisge: Vom Technischen her ist klarerweise viel Elektronisches dabei, Visuals würden sonst nicht funktionieren. Musikalisch gesehen ist das schon eher weit gefasst – das spiegelt sich auch in unseren eigenen Sets wieder.

Welchen Stellenwert werden die Visuals haben? Das Soundframe-Festival, das sich explizit darauf konzentriert hat, ist ja in der Urform mit dem ersten Jahr des Electric Spring „gestorben“. Kann man diese Lücke füllen?

Lisge: Leider nein. Es gab Zeiten, da hatten Visuals ihre Hochzeiten und da wurde wirklich viel Geld in die Hand genommen. Da gab es beispielsweise zu jedem Act einen eigenen Visualisten, man hat das am Timetable ausgewiesen und der Visualist wurde als Artist am Festival wahrgenommen. Mittlerweile wird das sehr reduziert – nicht nur am Electric Spring sondern generell. Dieser Wandel, der in den letzten Jahren stattgefunden hat, ist natürlich zu bedauern. Es wird hier beim Budget eingespart und das sehen wir auch beim Electric Spring. Wir versuchen natürlich, das Beste daraus zu machen.

Ihr habt zum ersten Mal einen Open Call ins Leben gerufen. Wieso habt ihr euch dazu entschieden und wie viele Einreichungen gab es bisher?

Lisa: Wir wollten dabei die Kuratorenrolle etwas hinterfragen. Einerseits ist es natürlich eine schöne Aufgabe, aber gleichzeitig wollten wir das durchbrechen und Artists hineinholen, die man vorher eben nicht kannte bzw. die wir vorher auch nicht kannten. Wir haben jetzt knapp 40 Einreichungen bekommen und fast alles ist extrem spannend und es sind wirklich gute Sachen dabei. Wir sind wirklich positiv überrascht. Der Open Call macht die Kuratorenrolle eigentlich interessanter.

Nane: Gleichzeitig ist es auch eine gewisse Eigenverantwortung für die Künstler. Jeder in Österreich konnte sich bewerben und das passt ganz gut zum Motto. Das Thema des Festivals ist Move, also beweg dich mal selbst und ergreife die Initiative.

Wie viele Slots wird es für die Open-Call-Leute geben?

Nane: Das ist noch in der Planung. Wir sind leider von den Bühnen beschränkt. Geplant wäre auf jeder Bühne an jedem Tag ein Act.

Ihr habt gerade über eure Kuratorenrolle gesprochen. Wenn man sich das Line-up von Popfest, Electric Spring und Co ansieht, sind die Überraschungen meist nicht so groß. Wie einfach oder schwierig ist es da, eine sinnvolle Zusammenstellung zu finden?

Lisa: Es gibt eine gewisse Anzahl einigermaßen bekannter österreichischer Künstler in der elektronischen Musik – das sind vielleicht 80 bis 100 Acts, die nicht nur uns, sondern natürlich auch anderen Leuten einfallen. Das war mit ein Grund, warum wir den Open Call ins Leben gerufen haben. Gleichzeitig gibt es Acts, die oft spielen, und das aus einem guten Grund. Aber ich glaube, wir haben das ganz gut gelöst.

Nane: Wir hatten mehrere Listen und haben geschaut, wer wann schon wo gespielt hat, damit es nicht zu viele Doppelungen gibt. Mein Anspruch war es aber auch gar nicht, etwas zu finden, was es noch nie gab. Es geht schon auch darum, zu zeigen, was wir mögen. Wenn mir ein Act gefällt und ich einmal hier Kuratorin bin, warum sollte ich ihn oder sie dann nicht buchen? Wir wollen und sollen ja unsere eigene Handschrift hinterlassen.

Lisge: Mir geht es auch vorrangig darum, zu zeigen, was mir oder uns gefällt. Wenn mir Visuals von jemandem gefallen, baue ich die auch gerne immer wieder ein. Wiederholung muss nicht immer schlecht sein.

Dann kommen wir mal zum Line-up …

Nane: Ich glaube, wir haben schon eine gute Mischung gefunden. Überraschenderweise haben wir jetzt mehr Bands und weniger DJ-Sets, als erwartet. Das liegt auch daran, dass zuerst mehr Bühnen geplant waren. Es ist fast alles live, auch später am Abend in der Halle, insgesamt gibt es wahrscheinlich nur zwei DJ-Sets. Die Main-Acts sind Dero & Klumzy Tung, Gerard, Mavi Phoenix, Lulu Schmidt – eine gute Mischung, wie wir finden.

Letztes Jahr am Popfest ist es gelungen, ein halbwegs ausgeglichenes Geschlechterverhältnis bei den Acts zu schaffen. Wie sieht es beim Electric Spring aus?

Lisa: Uns war das schon wichtig und es wird ziemlich ausgewogen sein. Schade ist, dass auf der Bühne im Hof die letzten Acts männlich sind – das war aber letztendlich eine zeitliche Frage.

Nane: Wir hätten Mavi Phoenix zum Beispiel gerne als letzten Act auf der Bühne im Hof gehabt, sie wollte aber später spielen. Das ist natürlich schade, aber insgesamt ist das Line-up recht ausgeglichen.

Auf welche Acts freut ihr euch besonders?

Nane: Ich freu mich sehr auf Lulu Schmidt – die Mischung aus Live-Musik und DJ-Set gefällt mir sehr gut. Und in die beiden fixierten DJs aus dem Open Call hab ich mich total verliebt – ich glaube, die werden groß, da bin ich wirklich gespannt.

Lisge: Für mich ist natürlich die Zusammenarbeit mit den Visualisten besonders spannend. Leider wird das Budget für Visuals immer kleiner und das macht es natürlich schwieriger. Es wird aber in der großen Halle ein recht außergewöhnliches Konzept geben. Der Raum wird durch eine Leinwand geteilt und das Publikum soll durch die Lichtinstallationen praktisch eingefangen werden. Ich bin schon gespannt, wie das dann letztendlich ankommt.

Lisa: Ich freu mich vor allem auf die Atmosphäre im Hof, auf einen bestimmten Artist will ich mich da gar nicht festlegen.

Das Electric Spring findet von 20. bis 21. April 2017 bei freiem Eintritt im Museumsquartier statt. Alle Infos sowie das gesamte Line-up sind hier zu finden.

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