Then The Donald Came

Christian Guzy hält die Reaktionen von PolitikerInnen des US-Wahlkampfs auf Donald Trump in einem Moment fest, der einem Orgasmus zum Verwechseln ähnlich sieht. Das ist lustig. Aber nicht nur.

Selten hat das Wort Digital Native so auf eine Person gepasst wie auf Christian Guzy. Seine Heimat, #dasinternet (Titel einer Partyreihe, die er veranstaltet), liebt er in noch nie dagewesenem Ausmaß, sein Patriotismus äußert sich in der permanenten und meistens öffentlichen Bespielung seines Facebook-Accounts mit popkulturellen Inhalten, die vor allem den Anspruch besitzen müssen, dass sie "dem Guzy" gefallen. Das klingt jetzt aber beliebiger als es ist – wer sich ein bisschen mit Guzys Stream beschäftigt, sieht schon ein System dahinter. Die wiederholte Verwendung der Hashtags #lebenaufderüberholspur oder #sadboy sind in manchen Blasen schon geflügelte Worte, die Fotos, die er in einem Facebook-Album namens "That’s Us / Wild Combination", besser bekannt als #freundschaftenriskieren sammelt, geben ein zwar durchaus verklärtes (Stichwort: "zu schön, zu jung, zu intelligent"), aber einprägsames Bild des Jahres 2015 and counting in der Wiener Clubkultur und Partyszene ab. Dabei hat Guzy die Gabe, Menschen irrsinnig gut aussehen zu lassen – wobei das nicht nur Äußerlichkeiten betrifft. Seine Fotografien wissen eine Stimmung einzufangen, die den Betrachter mit einem Gefühl des blanken Neides bei gleichzeitiger Bewunderung für die Lebensfreude und Unbeschwertheit der Abgebildeten zurücklässt.

Then The Donald Came / Context Is Everything

Es verwundert daher nicht weiter, dass sich der Guzy nun auch auf der Bildenden als Fotograf verwirklichen möchte. Und das ist auch gut so. In seiner Bewerbungsmappe befindet sich auch unter anderem das Projekt "Then The Donald Came", das er uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Die Screenshots und Found-Footage Fotografien zeigen die Kandidaten des US-Vorwahlkampfs in einem Moment, in dem sie auf Donald Trump angesprochen werden und reagieren. Aussehen tun sie dabei, als hätten sie einen Orgasmus. Das ist natürlich zuerst einmal einfach witzig, weil alle Leute idiotisch aussehen, wenn sie kommen. Wusste auch schon der schelmische Lars Van Trier, als er die Plakate für "Nymphomanic" in Auftrag gab. Man kann in den Bildern aber auch mehr sehen als reine Bespaßung. So ist es (und war es) immer politisches Kalkül, einzelne Aussagen völlig aus dem Kontext zu reißen und für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. Guzy wendet den gleichen Trick an und "erwischt" Menschen in flagranti, die in Wahrheit etwas völlig Harmloses tun. Dass diese Bilder in einer Mappe abgegeben werden, erinnert nicht zuletzt an Hollywood-Agentenfilme, in denen irgendwelche Anzug-Männer ihre Opfer mit Bildern "unanständiger Taten" erpressen und mit dem Leak selbiger drohen. Nur dass in Guzys Fall diese Bilder nicht ängstliche Banker, die um ihr Ehelben fürchten, erreichen werden, sondern die Professoren der Bildenden.

Christian Guzy ist natürlich auch auf Instagram aktiv: Ipenthesileia.

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