Wo sind Disneys unrealistische Vorstellungen von Liebe geblieben?

Wem wird die nächste Generation die Schuld an ihrem kaputten Liebesleben geben? Disney fällt raus.

Bilder wie das obige sind wenig überraschend – seit der Renaissance der Neunziger-Jahre macht Disney den Stoff aus dem Kleinmädchenträume und Halloween-Kostüme gemacht sind. Ob das nun Belle, Arielle, Schneewittchen oder Cinderella waren. Allerdings freut man sich als reflektiertes, sensibilisiertes Elternteil wenig, wenn die jungen Nachkommen schon in frühestem Alter beginnen, Geschlechterstereotype nachzuahmen und hübschen Prinzessinnen nachzueifern, deren Lebenssinn im Schönsein und Vervollständigen ihres unvollständigen Lebens durch einen Mann liegt.

Erlösung durch den Prinzen

Die Settings mögen unterschiedlich gewesen sein, der Haupthandlungsstrang aber wurde immer von einer Liebesgeschichte getragen, die ihren Höhepunkt oft in der Erlösung von einem Fluch durch die wahre Liebe fand. Das Biest verwandelt sich zurück in den Prinzen, Schneewittchen wird wachgeküsst, Arielle darf Mensch werden und Prinz Eric heiraten, Cinderella kommt von der Stiefmutter los und heiratet den Prinzen. (Oft hat er auch keinen Namen, den braucht er nicht – er ist der Prinz).

Prinzessin ohne Prinz

Die Mädchen auf dem Foto sind aber nicht als Schneewittchen oder Cinderella verkleidet, diese Disney-Prinzessinnen wurden nämlich abgelöst. Frozen (zu Deutsch: Die Eiskönigin – Völlig Unverfroren) war der erfolgreichste Film 2013 und der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten. Auch in Österreich ist er der meistgesehene Film 2014. Und: das meistgewählte Halloween-Kostüm kleiner Mädchen zwischen 5 und 10. In der Geschichte der Protagonistin Elsa kommt keine Liebesbeziehung vor.

Reise zu sich selbst

Elsa wurde mit einer magischen Fähigkeit geboren und kann Frost, Eis und Schnee erzeugen. Leider kann sie noch nicht mit ihrer Begabung umgehen, und lebt in Angst, ihre Mitmenschen zu verletzen. Weil sie beim kindlichen Spielen ihrer kleinen Schwester Anna wehgetan hat, bleibt sie jahrelang im Schloss eingesperrt und entwickelt große Angst vor sozialer Interaktion. Die Furcht vor ihrer eigenen Macht drängt sie in ein Leben in Isolation, in dem sie ihre Potentiale und Gefühle unterdrückt. Der Film zeigt ihre Reise zu sich selbst, und wie sie lernt mit ihrer Fähigkeit und mit anderen umzugehen.

Wahre Liebe erlöst noch immer

Ihre kleine, lebenslustige Schwester ist schon auf der Suche nach Liebe und einem Mann. Der Fokus des Films liegt aber eher auf der Reise zu ihrer geflohenen, isolierten Schwester. Die optimistische Anna möchte ihr klar machen, dass sie gemeinsam alle Probleme lösen können. Im Zuge dessen wird Anna von Elsa erneut verletzt, und kann nur durch einen Akt wahrer Liebe geheilt werden. Alle Protagonisten denken zunächst an einen romantischen Kuss von einem Mann. Heilung erfährt Anna aber in dem Moment, als sie das Leben ihrer Schwester vor ihr eigenes stellt und ihr damit das Leben rettet.

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