Eine Muse namens Donna – Zinn sehen Licht am Horizont

Existenzialismus, Politisches und Schwermut auf spröde Gitarren gebettet – so lässt sich das 2021 erschienene Debütalbum von Zinn zusammen­fassen. Mit dem Wort »großartig« ginge es auch. Was kann da noch kommen?

© Christian Sundl

Die vergangenen beiden Jahre, in denen die Welt ganz im Bann dieser unsäglichen Pandemie gestanden ist, haben auch bei Zinn Spuren hinter­lassen: »Meine Kreativität ist total eingebrochen«, erzählt Margarete Wagenhofer (Gesang, Gitarre), aus deren noch englisch­sprachigem Solo­projekt Small Night Searching die Band Ende 2018 hervor­gegangen ist. »Ich hab gemerkt, ich hab nix mehr zu geben. Keine Inspiration, jeder Tag ist irgend­wie gleich – und ›Lethargie‹ haben wir ja schon gemacht«, ergänzt sie mit einem Schmunzeln.

Der Song, den Wagenhofer anspricht, hat sich – mit Trompete ausge­stattet und durchaus tanzbar – zum Soundtrack der Corona-Dauer­trägheit entwickelt: »Oh, Lethargie, was soll i nur mit dir mochn?« Die Einschrän­kungen und Unsicher­heiten dieser Zeit haben Zinn nicht nur als große psychische Belastung erlebt, sie haben dem Trio – vervollständigt wird es von Jasmin Strauss am Bass und Lilian Kaufmann am Schlagzeug – auch die Möglich­keit genommen, die Veröffentlichung ihres Debütalbums standes­gemäß zu feiern. Mit einem angemessenen Release-Konzert, bei dem alle Mitwir­kenden dabei sind, und mit Resonanz vom Publikum, damit Songs wie »Lethargie« oder die gleicher­maßen groß­artigen »Diogenes« und »Black Lake« nicht »einfach so im Raum verschwinden«, wie es die Band umschreibt.

Schon noch melancholisch

Nach ein wenig Konzert­normalität letzten Sommer ist es nun endgültig an der Zeit, guten Mutes in die Zukunft zu blicken: »Es ist ende­misches Licht am Horizont zu sehen«, meint Wagen­hofer. Dazu passt, dass Zinn im März neue Lieder aufnehmen werden. Sie sollen etwas punkiger sein als jene ihres Debüt­albums, jedoch kein Stilbruch (die Selbst­beschreibung pendelt zwischen apocalyptic weird-folk und lo-fi krachpop). »Die Grund­stimmung ist positiver, aber schon noch sehr melan­cholisch«, erläutert Lilian Kaufmann. Während Wagen­hofer eine wesentliche Inspiration ins Spiel bringt: »Wir sind gerade sehr von Donna Haraway beeinflusst. Sie weist uns in eine gute Richtung, ist unsere Muse und Göttin.«

Die US-Amerikanerin gilt als feministische Vordenkerin und radikale Wissenschafts­philosophin, die sich mit den Verwerfungen des Anthro­pozäns beschäftigt und dabei – durchaus ermutigend – ein arten­über­greifendes Sorge­tragen als Zukunfts­modell sieht, in dem der Mensch sich nicht als Krone der Schöpfung versteht. Kein Wunder, dass die Band hier Anknüpfungs­punkte findet. Kaufmann: »Wir haben alle drei ein Auge für Ungerech­tig­­keiten und Miss­stände. Feminismus ist natürlich ein wichtiges Thema für uns, wie auch Kapitalismus­kritik oder Umwelt­schutz – das hängt eh alles zusammen.«

Bei Zinn werde viel über diese Dinge diskutiert, sagt die Musikerin. Sogar im Interview, wenn sich die Band­mitglieder Lese­empfehlungen und Denk­ansätze wie Bälle zuwerfen. Dabei fallen googelns­werte Begriffe à la Öko­feminismus oder petro-masculinity – und auch ein Satz, dem man nur zustimmen kann: »Darüber müssen wir einen Song schreiben.«

Zinn sind im Rahmen der Feier­­l­ich­­keiten zu »Ein Viertel­­jahr­hundert The Gap« am Freitag, dem 22. April 2022, im Fluc Wien live zu sehen. Limitierte Early-Panda-Tickets für unser großes Geburtstags­­fest sind bis 22. März – frei nach dem The-Gap-Geburtsjahr – um € 19,97 hier erhältlich. Danach gilt der reguläre Vorverkaufspreis von € 25.

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