Widerstand und Solidarität am feministischen Kampftag – Von den Ursprüngen des 8. März bis heute

»Take Back the Streets« und »Jin, Jiyan, Azadi« (»Frau, Leben, Freiheit«) heißt es auch dieses Jahr wieder zum internationalen feministischen Kampftag. Doch wo liegen die Ursprünge des 8. März? Seit wann wird er als Tag des Widerstands begangen?

© Moises Gonzalez / Unsplash

Heute heißt es, raus auf die Straßen zum feministischen Kampftag! In ganz Österreich finden wieder verschiedene Aktionen zum 8. März statt: Demos, Events, Spezial­programme in Kunst und Kultur­einrichtungen und natürlich auch Partys. Doch um die Ursprünge dieser Tradition ranken sich viele Geschichten, nicht alle davon lassen sich historisch zurück­verfolgen. Klar ist aber: Die Wurzeln des Inter­nationalen Frauen­tages liegen in der Tradition proletarischer Frauen*kämpfe für Gerechtig­keit und bessere Lebens­bedingungen.

Streik im März

Für den ersten Inter­nationalen Frauentag gibt Clara Zetkin 1910 bei einer sozialistischen Konferenz den Anstoß. Dort wurde beschlossen, jährlich einen Frauentag durch­zuführen, der sich gegen die Aus­beutung von Arbeiterinnen richtete. Der geplante Tag fand schließ­lich am 19. März 1911 statt. In dieser Tradition wurden Frauentage in den folgenden Jahren an immer wechselnden Sonntagen begangen. Schluss­endlich setzte sich jedoch der 8. März durch.

Die Frage, warum genau dieses Datum, ist nicht sicher zu beantworten. Allerdings gab es am 8. März 1917 (nach dem alten russischen Kalender der 23. Februar) in St. Peters­burg einen massiven Streik von Textil­arbeiterinnen. Dieser löste die Februar­revolution aus und stieß in weiterer Folge auch die russische Revolution an. Daher hat dieses Datum eine dauerhafte inter­nationale Bedeutung für den Kampf gegen Unter­drückung. Endgültig auf den 8. März festgelegt wurde der Tag jeden­falls im Jahr 1921 durch die zweite kommunistische Frauen­konferenz in Moskau.

Verboten im Nationalsozialismus

Während des National­sozialismus wurde der Inter­nationale Frauentag aufgrund seiner sozialistischen Herkunft verboten und durch den Muttertag ersetzt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Frauen­tage jedoch rasch wieder aufge­nommen.

In Österreich waren die von der SPÖ veranstalteten Frauen­demos in Wien bis in die 1960er-Jahre regelrechte Massen­veranstaltungen. Zehn­tausende Menschen wurden mobilisiert und aus den übrigen Bundes­ländern in die Hauptstadt gebracht, wo der Frauentag zunächst noch zentral für das ganze Land abgehalten wurde. In den Achtzigern griff dann die autonome Frauen­bewegung hierzulande den feministischen Kampf­tag auf.

Rojava, Iran und die Welt

International erlebte die Bewegung am 8. März 1979 einen ihrer schmerz­­haftesten und zugleich prägendsten Momente. An diesem Tag gingen im Iran Zehn­tausende Frauen erstmals auf die Straße, um gegen die eingeführte Hidschab­pflicht und die Einschränkung ihrer Rechte durch das Regime zu demonstrieren. Damit wurde das Datum im iranischen Kontext zu einem Symbol für den Kampf gegen die systematische patriarchale Unter­drückung im Land.

Heute hat sich dieser Widerstand zu einer globalen Bewegung ausgeweitet, deren Herz­schlag die Worte »Jin, Jiyan, Azadi« (»Frau, Leben, Freiheit«) sind – ein Ruf, der seinen Ursprung in der kurdischen Frauen­bewegung hat und nun von den Straßen Teherans bis nach Wien und in die ganze Welt getragen wird. Während im Iran Aktivist*innen trotz blutiger Massaker und massiver Repression das Ende des bestehenden Systems fordern, wird in Rojava eine feministische Selbst­verwaltung als gelebte Praxis gegen autoritäre und islamistische Regime verteidigt.

Dieser weltweite Funke verbindet heute lokale Kämpfe für soziale Gerechtigkeit, ökologische Krisen­bewältigung und grundlegende Menschen­rechte zu einer universellen Forderung nach einem würdevollen Leben. Auch dieses Jahr gehen in Wien Menschen, vor allem FLINTA*, auf die Straßen um sich mit den Kämpfen von FLINTA* weltweit zu solidarisieren. Also lasst uns laut sein und gemeinsam die Straßen zurück­nehmen für die Freiheit aller Menschen.

Veranstaltungen zum 8. März 2026

Demos in Wien

Demo am feministischen Kampftag vom Bündnis 8M2026. Take Back the Streets — 13:12 Uhr, Stadthalle
Frauen*streik von Enough! — 9. März, 11:30 Uhr, Platz der Menschenrechte

Demos in Österreich

Graz — 7. März, 15 Uhr, am Hauptbahnhof/Europaplatz
Klagenfurt — 7. März, 14 Uhr, Stadttheater Klagenfurt
Linz — 8. März, 14 Uhr, Linzer Musiktheater
Salzburg — 8. März, 15 Uhr, Markartplatz
Innsbruck — 8. März, 15:30 Uhr, Annasäule in der Maria-Theresien-Straße
St. Pölten — 8. März, 15 Uhr, Rathausplatz

Weitere Veranstaltungen in Wien

8th of March Afterparty, 8. März, 18 Uhr, Amerlinghaus
FLINTA*-Bar von K€$$, 8. März, 18 Uhr, Amerlinghaus
Internationaler Frauentag in der Österreichischen National­bibliothek, 8. März, ab 10 Uhr
Feminist Week im Stadtkino und Admiral Kino, 2. bis 8. März
Wiener Frauenwoche der Stadt Wien, 2. bis 8. März, Rathaus

Weitere Veranstaltungen und Demos in Wien finden sich auf der Website 8. März und Infos zur Hauptdemo in Wien gibt’s hier auf Instagram.

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