»Take Back the Streets« und »Jin, Jiyan, Azadi« (»Frau, Leben, Freiheit«) heißt es auch dieses Jahr wieder zum internationalen feministischen Kampftag. Doch wo liegen die Ursprünge des 8. März? Seit wann wird er als Tag des Widerstands begangen?
Heute heißt es, raus auf die Straßen zum feministischen Kampftag! In ganz Österreich finden wieder verschiedene Aktionen zum 8. März statt: Demos, Events, Spezialprogramme in Kunst und Kultureinrichtungen und natürlich auch Partys. Doch um die Ursprünge dieser Tradition ranken sich viele Geschichten, nicht alle davon lassen sich historisch zurückverfolgen. Klar ist aber: Die Wurzeln des Internationalen Frauentages liegen in der Tradition proletarischer Frauen*kämpfe für Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen.
Streik im März
Für den ersten Internationalen Frauentag gibt Clara Zetkin 1910 bei einer sozialistischen Konferenz den Anstoß. Dort wurde beschlossen, jährlich einen Frauentag durchzuführen, der sich gegen die Ausbeutung von Arbeiterinnen richtete. Der geplante Tag fand schließlich am 19. März 1911 statt. In dieser Tradition wurden Frauentage in den folgenden Jahren an immer wechselnden Sonntagen begangen. Schlussendlich setzte sich jedoch der 8. März durch.
Die Frage, warum genau dieses Datum, ist nicht sicher zu beantworten. Allerdings gab es am 8. März 1917 (nach dem alten russischen Kalender der 23. Februar) in St. Petersburg einen massiven Streik von Textilarbeiterinnen. Dieser löste die Februarrevolution aus und stieß in weiterer Folge auch die russische Revolution an. Daher hat dieses Datum eine dauerhafte internationale Bedeutung für den Kampf gegen Unterdrückung. Endgültig auf den 8. März festgelegt wurde der Tag jedenfalls im Jahr 1921 durch die zweite kommunistische Frauenkonferenz in Moskau.
Verboten im Nationalsozialismus
Während des Nationalsozialismus wurde der Internationale Frauentag aufgrund seiner sozialistischen Herkunft verboten und durch den Muttertag ersetzt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Frauentage jedoch rasch wieder aufgenommen.
In Österreich waren die von der SPÖ veranstalteten Frauendemos in Wien bis in die 1960er-Jahre regelrechte Massenveranstaltungen. Zehntausende Menschen wurden mobilisiert und aus den übrigen Bundesländern in die Hauptstadt gebracht, wo der Frauentag zunächst noch zentral für das ganze Land abgehalten wurde. In den Achtzigern griff dann die autonome Frauenbewegung hierzulande den feministischen Kampftag auf.
Rojava, Iran und die Welt
International erlebte die Bewegung am 8. März 1979 einen ihrer schmerzhaftesten und zugleich prägendsten Momente. An diesem Tag gingen im Iran Zehntausende Frauen erstmals auf die Straße, um gegen die eingeführte Hidschabpflicht und die Einschränkung ihrer Rechte durch das Regime zu demonstrieren. Damit wurde das Datum im iranischen Kontext zu einem Symbol für den Kampf gegen die systematische patriarchale Unterdrückung im Land.
Heute hat sich dieser Widerstand zu einer globalen Bewegung ausgeweitet, deren Herzschlag die Worte »Jin, Jiyan, Azadi« (»Frau, Leben, Freiheit«) sind – ein Ruf, der seinen Ursprung in der kurdischen Frauenbewegung hat und nun von den Straßen Teherans bis nach Wien und in die ganze Welt getragen wird. Während im Iran Aktivist*innen trotz blutiger Massaker und massiver Repression das Ende des bestehenden Systems fordern, wird in Rojava eine feministische Selbstverwaltung als gelebte Praxis gegen autoritäre und islamistische Regime verteidigt.
Dieser weltweite Funke verbindet heute lokale Kämpfe für soziale Gerechtigkeit, ökologische Krisenbewältigung und grundlegende Menschenrechte zu einer universellen Forderung nach einem würdevollen Leben. Auch dieses Jahr gehen in Wien Menschen, vor allem FLINTA*, auf die Straßen um sich mit den Kämpfen von FLINTA* weltweit zu solidarisieren. Also lasst uns laut sein und gemeinsam die Straßen zurücknehmen für die Freiheit aller Menschen.
Veranstaltungen zum 8. März 2026
Demos in Wien
Demo am feministischen Kampftag vom Bündnis 8M2026. Take Back the Streets — 13:12 Uhr, Stadthalle
Frauen*streik von Enough! — 9. März, 11:30 Uhr, Platz der Menschenrechte
Demos in Österreich
Graz — 7. März, 15 Uhr, am Hauptbahnhof/Europaplatz
Klagenfurt — 7. März, 14 Uhr, Stadttheater Klagenfurt
Linz — 8. März, 14 Uhr, Linzer Musiktheater
Salzburg — 8. März, 15 Uhr, Markartplatz
Innsbruck — 8. März, 15:30 Uhr, Annasäule in der Maria-Theresien-Straße
St. Pölten — 8. März, 15 Uhr, Rathausplatz
Weitere Veranstaltungen in Wien
8th of March Afterparty, 8. März, 18 Uhr, Amerlinghaus
FLINTA*-Bar von K€$$, 8. März, 18 Uhr, Amerlinghaus
Internationaler Frauentag in der Österreichischen Nationalbibliothek, 8. März, ab 10 Uhr
Feminist Week im Stadtkino und Admiral Kino, 2. bis 8. März
Wiener Frauenwoche der Stadt Wien, 2. bis 8. März, Rathaus
Weitere Veranstaltungen und Demos in Wien finden sich auf der Website 8. März und Infos zur Hauptdemo in Wien gibt’s hier auf Instagram.
