Sehr gut, aber … – Das Freie Energie Band und »Im Schatten der Sonne«

Das Freie Energie Band entwurzelt sich mit seinem ersten Album leider ein bisschen selbst, aber man sollte sich dieses trotzdem zu Gemüte führen.

© Alex Dietrich

Diese sehr gute Live­formation tingelt seit knapp drei Jahren in unter­schiedlichen Besetzungen (mal zu dritt, dann zu dritt, aber anders, dann zu fünft und jetzt zu viert) und einer Artikel­änderung von die Freie Energie Band in Das Freie Energie Band durch den deutsch­sprachigen Under­ground – und legt nach reichlich Reifezeit und einigen Mini­releases endlich ein ganzes Album vor.

Ihre devotionale Musik taumelt zwischen dubbed-out Downtempo-Folk, Kraut-Electronica und Ambient-Pop – als würden sich Takeshi’s Cashew, Kalaha Moon und Läuten der Seele bei der Keta-Afterhour daran erinnern, wie un­beschwert das gemein­same Musizieren früher ge­wesen ist. Mit schön langen Instrumentals zwischen den recht monoton vorgetragenen lyrischen Ergüssen, die im dreizehnten Semester des Philosophie­studiums nebenher im Notiz­block landen. Würde man mit beiden Augen gleich­zeitig zwinkern, käme vielleicht der Frontman einer DDR-Bubenband für ein Vokal­gastspiel infrage, hätte dieser sich im Laufe seines Lebens öfters gegen falsches Abbiegen und für eine vernünftige Logo­pädie entschieden.

Lauffeuer im Schnee

»Im Schatten der Sonne« trifft genau den esoterischen Nerv (semi)professioneller Kultur­arbeit auf Boutique­festivals, bei denen man die Hände in die Luft schmeißt und den Kopf in den mit ein bisschen zu langen Haaren gesäumten Nacken legt. Im Vorbei­gehen kartiert Das Freie Energie Band damit die nicht wirklich risiko­freudige Wiener Label­landschaft, denn eigent­lich hätte sich dem Album längst ein DIY-Imprint annehmen müssen.

Da das Ganze jetzt aber nicht dort rauskommt, wo es herkommt, sondern auf einem »gscheiten« Label (hier kommerziell zu sagen, wäre ja beleidigend), klingt das Album insgesamt zwar sehr gut, aber leider auch zu glatt für die Gesamt­ästhetik. Nehmen wir beispiels­weise den Track »Wassergeburt«, dessen Video (live im Schnee) sich auf einer Video­plattform verbreitete wie ein Lauffeuer (um in der Vier-Elemente-Lehre zu bleiben). Das war in dieser rohen Form noch mutig und cool – auf der maximalistischen Lang­spieler­produktion kommt die Nummer etwas überflutet daher. Trotzdem: ab auf den Teller damit!

Das Freie Energie Band »Im Schatten der Sonne«

Das Album »Im Schatten der Sonne« von Das Freie Energie Band ist am 17. April 2026 bei Problembär Records erschienen.

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