Das Freie Energie Band entwurzelt sich mit seinem ersten Album leider ein bisschen selbst, aber man sollte sich dieses trotzdem zu Gemüte führen.

Diese sehr gute Liveformation tingelt seit knapp drei Jahren in unterschiedlichen Besetzungen (mal zu dritt, dann zu dritt, aber anders, dann zu fünft und jetzt zu viert) und einer Artikeländerung von die Freie Energie Band in Das Freie Energie Band durch den deutschsprachigen Underground – und legt nach reichlich Reifezeit und einigen Minireleases endlich ein ganzes Album vor.
Ihre devotionale Musik taumelt zwischen dubbed-out Downtempo-Folk, Kraut-Electronica und Ambient-Pop – als würden sich Takeshi’s Cashew, Kalaha Moon und Läuten der Seele bei der Keta-Afterhour daran erinnern, wie unbeschwert das gemeinsame Musizieren früher gewesen ist. Mit schön langen Instrumentals zwischen den recht monoton vorgetragenen lyrischen Ergüssen, die im dreizehnten Semester des Philosophiestudiums nebenher im Notizblock landen. Würde man mit beiden Augen gleichzeitig zwinkern, käme vielleicht der Frontman einer DDR-Bubenband für ein Vokalgastspiel infrage, hätte dieser sich im Laufe seines Lebens öfters gegen falsches Abbiegen und für eine vernünftige Logopädie entschieden.
Lauffeuer im Schnee
»Im Schatten der Sonne« trifft genau den esoterischen Nerv (semi)professioneller Kulturarbeit auf Boutiquefestivals, bei denen man die Hände in die Luft schmeißt und den Kopf in den mit ein bisschen zu langen Haaren gesäumten Nacken legt. Im Vorbeigehen kartiert Das Freie Energie Band damit die nicht wirklich risikofreudige Wiener Labellandschaft, denn eigentlich hätte sich dem Album längst ein DIY-Imprint annehmen müssen.
Da das Ganze jetzt aber nicht dort rauskommt, wo es herkommt, sondern auf einem »gscheiten« Label (hier kommerziell zu sagen, wäre ja beleidigend), klingt das Album insgesamt zwar sehr gut, aber leider auch zu glatt für die Gesamtästhetik. Nehmen wir beispielsweise den Track »Wassergeburt«, dessen Video (live im Schnee) sich auf einer Videoplattform verbreitete wie ein Lauffeuer (um in der Vier-Elemente-Lehre zu bleiben). Das war in dieser rohen Form noch mutig und cool – auf der maximalistischen Langspielerproduktion kommt die Nummer etwas überflutet daher. Trotzdem: ab auf den Teller damit!

Das Album »Im Schatten der Sonne« von Das Freie Energie Band ist am 17. April 2026 bei Problembär Records erschienen.