Was passiert eigentlich alles, bevor Kultur überhaupt beim Publikum ankommt? Die interaktive Ausstellung »Kunst = Arbeit« macht am 17. Oktober in der Semmelweisklinik all jene Arbeit im Kulturbetrieb sichtbar, die oft nicht nur ungesehen, sondern auch unbezahlt bleibt.

Ein Briefkasten voller unbeantworteter Bewerbungen oder unzählige Aufnahmen auf dem Weg zu dem einen perfekten Foto. Bei »Kunst = Arbeit« dreht sich alles um jene Tätigkeiten, die hinter den Kulissen des Kulturbetriebs stattfinden und als selbstverständlich hingenommen werden. Mitorganisatorin Joanna Mandalian beschreibt den Grundgedanken der eintägigen Veranstaltung so: »Wir wollen alles, was keinen Applaus bekommt, meist gar nicht bezahlt wird und sich immer ein bisschen einsam anfühlt, sichtbar machen – also auch diesen wichtigen Aufgaben Wertschätzung entgegenbringen.«
Über den eigenen Tellerrand blicken
Gemeinsam mit Johanna Hellmich und Anja Bačovský hat sie das Event organisiert – die drei haben sich im gemeinsamen Kulturmanagement-Studium kennengelernt. Die Idee für die Ausstellung kam ihnen, als »eine Dozentin erzählte, dass sie Politiker*innen immer und immer wieder erklären müsse, dass ihre Arbeit kein Hobby sei. Kurz darauf wurden sie auf den Verein Das zeitgemäße Theater aufmerksam. Dieser betreibt – anders, als es der Name vermuten lässt – kein eigenes Theaterhaus, sondern versteht sich als Wissensplattform, die Missstände in der Theaterszene aufzeigt und sich für strukturelle Verbesserungen einsetzt. Mit »Kunst = Arbeit« soll dieser Blick nun auf andere Bereiche des Kulturbetriebs ausgeweitet werden.

Neun künstlerische Positionen aus Theater, bildender Kunst, Fotografie und Journalismus sollen das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln behandeln. So zeigt Fotografin Christiane Spatt, wie viele Aufnahmen hinter einem einzigen Selbstporträt stecken, während Susangela Saracino mit ihrer Installation »The Common Weight« dazu einlädt, den Frust, den abgelehnte Anträge und unbezahlte Aufgaben verursachen, in ein gemeinsames Kunstwerk einzuweben. Auch die Herausforderungen migrantischer Kulturarbeit werden in der Ausstellung thematisiert.
Mitmachen, mitdiskutieren
Wer vorbeikommt, ist zudem mehr als willkommen, selbst Teil des Projekts zu werden. Besucher*innen können sich bei Kaffee und Kuchen an offenen Gesprächsrunden beteiligen, eigene Erfahrungen einbringen und Arbeiten mitgestalten. So geht es im Austausch mit Vertreter*innen der Vienna Club Commission etwa um prekäre Arbeitsbedingungen im Bereich der Clubkultur, während die Interessenvertretung der freien Kulturarbeit (IG Kultur), eine Runde zum Thema Klassismus moderiert. Den Abschluss bildet um 19 Uhr die immersive Performance »In 5 Minuten« des Kulturvereins Auf den Punkt.
Dass ausgerechnet eine Ausstellung über unbezahlte Kulturarbeit selbst zu großen Teilen ehrenamtlich entstanden ist, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie. Die drei Organisatorinnen und die Mitwirkenden haben viel unbezahlte Zeit in das Projekt gesteckt. »Wir könnten dazu noch eine extra Ausstellung machen«, scherzt Joanna Mandalian über die unsichtbare Arbeit, die bereits in die Vorbereitungen geflossen ist.
Man erhoffe sich damit vor allem, dass Menschen aus unterschiedlichen Bereichen miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen und Einblicke in andere Lebensrealitäten erhalten. Willkommen seien jedenfalls nicht nur Menschen, die selbst in der Kunst- und Kulturbranche arbeiten, sondern auch alle, die neugierig sind, was hinter den Kulissen so passiert, erklärt das Ausstellungsteam.

Die Ausstellung »Kunst = Arbeit« findet am 17. Oktober 2026 von 11 bis 21 Uhr in der Küche der Semmelweisklinik (Hockegasse 37, 1180 Wien) statt. Der Eintritt ist frei. Auf Barrierefreiheit wird geachtet. Die Ausstellung kann jederzeit besucht werden, auch ohne am gesamten Programm teilzunehmen. Alle Infos unter www.daszeitgemaessetheater.at.