Die Sonne ist für alle da – Videopremiere: Ava Fina »Boy, Get Out of My Sun«

In »Boy, Get Out of My Sun« beansprucht Ava Fina ihr eigenes Sonnenplatzerl. Mit hör­barem Augen­rollen singt sie über Männer, die sich durch die Welt bewegen, als würde sie ihnen gehören.

© Annekatrin Schulz

Männern auf der Straße ausweichen, obwohl der Gehsteig eigentlich breit genug für zwei wäre, ständig mitdenken, aufpassen, nett bleiben, sich nicht »unnötig aufregen« – Ava Fina hat das alles satt. In ihrem neuen Song »Boy, Get Out of My Sun« macht sie Schluss mit dem ewigen Entgegen­kommen und be­an­sprucht den Raum, den andere ganz selbst­verständlich einnehmen.

Reicht jetzt auch

Nach einem kurzen Klavierintro macht es sich die Musikerin in entspanntem Indiepop gemütlich, obwohl das Thema, das sie besingt eigentlich ein ziemlich un­be­quemes ist. Über laid-back Gitarren­riffs und sanften Klavier­melodien singt Ava Fina darüber, wie es sich wohl anfühlt, sorglos durchs Leben zu stolzieren. Besonders beneidens­wert scheint die Rück­sichts­losig­keit, mit der so mancher Mann genau das tut. Man hört ihr im besten aller Sinne an, dass sie davon mittlerweile ziemlich er­müdet ist. Ihr Ge­sang trägt ein gewisses genervtes »Genug­haben« in sich, das sie mit der Textzeile »I’m so done, done, done« selbst am besten auf den Punkt bringt.

Für die zweite Strophe wechselt sie ins Spanische, untermalt von rhythmischem Klatschen im Hintergrund, das ein wenig an Flamenco erinnert. Ganz neu ist diese Zwei­sprachig­keit in ihrer Musik nicht – Ava Fina hat einige Jahre in Peru verbracht und bereits in ihren Song »Onions« ein paar Zeilen auf Spanisch eingewoben. Schön abgerundet wird »Boy, Get Out of My Sun« schließlich von einem instrumentalen Part, in dem sich zwei Klavier­melodien über­einander­legen und bei dem man fast automatisch mitnickt. Im Grunde ist das Lied ein musikalisches »Schleich dich!« oder »Reiß dich zam!«, aber halt um einiges charmanter.

Raum einnehmen

Denselben Spirit vermittelt auch das dazugehörige Musikvideo. Gedreht wurde es in Istrien, wo die Künstlerin – schwarzer Anzug, Sonnen­brille und eine rosé­farbene, wie eine Blüte aussehende Krause ums Gesicht – vor Klippen, dem blitz­blauen Meer und in mediterranen Gassen ihren Song performt. Man blickt wie durch ein Guckloch auf Ava Fina, denn das gesamte Video ist durch eine kreisrunde Linse gefilmt. Die titel­gebende Sonne scheint ihr dabei die meiste Zeit ziemlich demonstrativ ins Gesicht. Mit einer herrlich un­be­ein­druckten Mir-doch-egal-Haltung tanzt die Musikerin durch Kroatien und verbildlicht damit den augenzwinkernden Charakter, den ja auch der Song selbst hat.

Bei aller Leichtigkeit bleiben am Ende aber vor allem zwei Dinge hängen. Erstens: Frauen sollten nicht ständig vorsichtig sein müssen, während Männer Freiheiten genießen, über die sie selbst kaum nach­denken. Und zweitens: Ihren Sonnen­platz gibt Ava Fina so schnell nicht mehr her.

Ava Fina »Boy, Get Out of My Sun« (Bild: Annekatrin Schulz)

Die Single »Boy, Get Out of My Sun« von Ava Fina ist Vorbote des kommenden Debüt­albums »Orchid«, das im Herbst 2027 beim Label Now Is Not Forever erscheinen wird. Die Musikerin ist heute, also am 2. Oktober 2026, ab 20:45 Uhr beim Showcase-Festival Waves Vienna im Loop live zu sehen. Außerdem ist sie aktuell auch für den XA – Music Export Award nominiert.

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