Viel Arbeit, wenig Applaus – »Kunst = Arbeit«, eine Ausstellung von Das zeit­gemäße Theater

Was passiert eigentlich alles, bevor Kultur überhaupt beim Publikum ankommt? Die inter­aktive Aus­stellung »Kunst = Arbeit« macht am 17. Oktober in der Semmel­weis­klinik all jene Arbeit im Kultur­betrieb sichtbar, die oft nicht nur ungesehen, sondern auch un­be­zahlt bleibt.

© Ron Lach / Pexels

Ein Briefkasten voller unbeantworteter Bewerbungen oder unzählige Aufnahmen auf dem Weg zu dem einen per­fekten Foto. Bei »Kunst = Arbeit« dreht sich alles um jene Tätigkeiten, die hinter den Kulissen des Kultur­betriebs stattfinden und als selbst­verständlich hin­genommen werden. Mitorganisatorin Joanna Mandalian beschreibt den Grund­gedanken der eintägigen Ver­an­staltung so: »Wir wollen alles, was keinen Applaus bekommt, meist gar nicht bezahlt wird und sich immer ein bisschen einsam anfühlt, sichtbar machen – also auch diesen wichtigen Aufgaben Wert­schätzung ent­gegen­bringen.«

Über den eigenen Tellerrand blicken

Gemeinsam mit Johanna Hellmich und Anja Bačovský hat sie das Event organisiert – die drei haben sich im ge­mein­samen Kultur­management-Studium kennen­gelernt. Die Idee für die Ausstellung kam ihnen, als »eine Do­zen­tin er­zählte, dass sie Politiker*innen immer und immer wieder erklären müsse, dass ihre Arbeit kein Hobby sei. Kurz darauf wurden sie auf den Verein Das zeitgemäße Theater aufmerksam. Dieser be­treibt – anders, als es der Name vermuten lässt – kein eigenes Theaterhaus, sondern versteht sich als Wissens­plattform, die Miss­stände in der Theater­­szene aufzeigt und sich für strukturelle Ver­besserungen einsetzt. Mit »Kunst = Arbeit« soll dieser Blick nun auf andere Bereiche des Kulturbetriebs aus­ge­weitet werden.

Joanna Mandalian, Johanna Hellmich und Anja Bačovský (Bilder: Jörg Metzner, Barbara Hellmich und David Pujadas Bosch)

Neun künstlerische Positionen aus Theater, bildender Kunst, Fotografie und Journalismus sollen das Thema aus unter­schied­lichen Blick­winkeln behandeln. So zeigt Fotografin Christiane Spatt, wie viele Aufnahmen hinter einem einzigen Selbst­porträt stecken, während Susangela Saracino mit ihrer Installation »The Common Weight« dazu einlädt, den Frust, den ab­gelehnte Anträge und unbezahlte Aufgaben ver­ursachen, in ein gemein­sames Kunst­werk ein­zuweben. Auch die Heraus­forderungen migrantischer Kulturarbeit werden in der Ausstellung thematisiert.

Mitmachen, mitdiskutieren

Wer vorbeikommt, ist zudem mehr als willkommen, selbst Teil des Projekts zu werden. Besucher*innen können sich bei Kaffee und Kuchen an offenen Gesprächs­runden beteiligen, eigene Er­fahrungen einbringen und Arbeiten mitgestalten. So geht es im Austausch mit Vertreter*innen der Vienna Club Commission etwa um prekäre Arbeits­bedingungen im Bereich der Clubkultur, während die Interessen­vertretung der freien Kulturarbeit (IG Kultur), eine Runde zum Thema Klassismus moderiert. Den Ab­schluss bildet um 19 Uhr die immersive Performance »In 5 Minuten« des Kulturvereins Auf den Punkt.

Dass ausgerechnet eine Ausstellung über unbezahlte Kultur­arbeit selbst zu großen Teilen ehren­amtlich ent­standen ist, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie. Die drei Organisatorinnen und die Mitwirkenden haben viel unbezahlte Zeit in das Projekt gesteckt. »Wir könnten dazu noch eine extra Ausstellung machen«, scherzt Joanna Mandalian über die unsichtbare Arbeit, die be­reits in die Vorbereitungen ge­flossen ist.

Man erhoffe sich damit vor allem, dass Menschen aus unter­schied­lichen Bereichen miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen und Einblicke in andere Lebens­realitäten erhalten. Willkommen seien jedenfalls nicht nur Menschen, die selbst in der Kunst- und Kultur­branche arbeiten, sondern auch alle, die neu­gierig sind, was hinter den Kulissen so passiert, erklärt das Aus­stellungsteam.

»Kunst = Arbeit« (Bild: Anja Bačovský)

Die Ausstellung »Kunst = Arbeit« findet am 17. Oktober 2026 von 11 bis 21 Uhr in der Küche der Semmel­weisklinik (Hockegasse 37, 1180 Wien) statt. Der Ein­tritt ist frei. Auf Barriere­freiheit wird geachtet. Die Aus­stellung kann jederzeit besucht werden, auch ohne am gesamten Programm teilzunehmen. Alle Infos unter www.daszeitgemaessetheater.at.

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