Alles oasch, aber … – Die Buben im Pelz veröffentlichen »Menschen ohne Freunde«

Nicht alles ist dahin, doch die Zeichen, sie verdichten sich auf dem fünften Album von Die Buben im Pelz.

© Georg Cizek-Graf

Die Pelzerten sagen zwar nicht dem Dasein Lebewohl, verabschieden aber endgültig den Reed Lou und seine Partie in die historischen Cover­jagd­gründe und kommen im Jahr 2026 wieder mit ausschließlich eigenen Liedern um die Ecke. Um die­selbe bringen sie gleich einmal die ganze Rest­hoffnung, die noch irgendwie in uns zu schlummern droht, und setzen dem das wohl Einzige entgegen, worauf wir uns einigen können: Es ist schon ziemlich oasch da.

So steht den Buben der Dichter Jean Paul (nicht Sean Paul, verehrte Lesende) aus dem achtzehnten Jahr­hundert Pate, der sagte: »Die Er­inne­rung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.« Das zieht sich quasi als Mantra durch die Platte, weil man schwer leug­nen kann, dass da viel mit dem Ver­gäng­lichen koket­tiert wird. Früher war alles natürlich irgendwie besser, da gab’s einfach ganz viele Sachen nicht, die jetzt alles ein bisschen mehr oasch machen. Das ist nicht konservativ, das ist 2026 wohl eher eine evidenz­basierte Bestands­aufnahme, deren em­pi­rische Argumentation zu liefern, die Buben nicht zu faul sind und gleich mit Fakten unterfüttern. Quasi ein bisschen eine Reminiszenz an »Alles muss zu einem Ende kommen« vom letzten Album der Vorgänger-Neigungsgruppe. Das ist schon dark.

Eskapismus oder Liebe

Auswege gibt’s tatsächlich nur wenige, Eskapismus ist einer davon, hör dir mal das von Christian Fuchs gesungene »I bleib am Mars« an. Die Über­legung hat schon ihren Reiz, aber man muss auch aufpassen, wer da oben dann alles ist. Zweiter Ausweg ist selbstredend die Liebe, Aussprache mit Meidlinger L, die auf »Menschen ohne Freunde« vor allem in Form des sehr, sehr guten Liedes »Für di« (gesungen von Bernd Supper) daherkommt. Verpackt in schönen Tweepop, ganz anders als der ansonsten sehr darkfolkige, leicht großmäulige Rock, gelingt ein kleiner romantischer Sommerhit mit wirklich superschönen Zeilen: » I måg, wennst trinkst, i måg, wennst nåschst, wenn du die Chips aufmåchst / Die Pringles, die i kauf, die san ålle nur für di«. Natürlich schon leiwand, wenn du so wen hast. Trotzdem grundsätzlich alles, wie gesagt: oasch. Also die Welt. Das Album dezi­diert nicht.

Die Buben im Pelz »Menschen ohne Freunde«

Das Album »Menschen ohne Freunde« von Die Buben im Pelz erscheint am 30. Oktober 2026 bei Noise Appeal Records. Die nächsten Konzert­termine der Band: 4. November, Wien, Chelsea — 4. Dezember, Wien, Shalimar — 11. Dezember, Neunkirchen, Exil Records.

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