Eine Kombination unter Kultverdacht: Das zweite gemeinsame Album von Austrofred & Kurt Razelli ist schon nicht schlecht.

Das »Abkulten« ist ja den im doppelten Sinne gemeinen Österreicher*innen eine nicht unvertraute, fast schon inhärente Kulturform. Da wird alles so »abgekultet«, dass du dich fragst: »Ist das noch Kulturgut oder schon Sekte?« Aber, ihr werdet es euch schon denken können, in diesem Fall gehört das Werfen mit Superlativen zum guten Ton: Der Austrofred, der Freddie Mercury vom Voralpenkreuz, und Kurt Razelli, die vielleicht größte heimische Trash-TV-Legende – Tara Tabitha und Maxl aus dem Gemeindebau mögen bitte protestieren, falls nicht einverstanden! –, veröffentlichen ihre zweite Zusammenarbeit und auch diese ist ein Sammelsurium von guten Tönen.
Ganz der gewohnten und logischen Arbeitsteilung nachgehend ist für die klanglichen Eskapaden der Maskenmann zuständig. Der Natur des Fredls schmeichelnd, hört sich das vor allem nach Stadionpop an. Mitunter wirkt dieser sogar ziemlich synthrockig und es wird, fast schon entgegen der Razelli-Brand, weniger ge(re)mixt als beim Backen einer Biskuitroulade – schmeckt aber im Ergebnis mindestens genauso fluffig. Tipp: Mineralwasser vom Vortag in den Teig.
Schmäh ohné
Was da noch dazukommt, ist natürlich die – Schmäh ohné – exzellente Textkunst eines Austrofreds. Da sind Geschichten dabei, das glaubst du nicht, obwohl sie auf empirischen Tatsachen beruhen: So wird etwa aus Musyl & Joseppas Austropop-Klassiker beziehungsweise aus Peter Roseggers Poem in Form von »Ein Friend ging nach America« ein Abgesang auf transatlantisches Sehnsuchtsgejohle unfreiwilliger Flughafenmenschen. Und schnöd-festliches Lametta wandelt sich vom Unschuldssymbol zum Schuldbeweis für den Ehebruch mit dem Juniorchef.
Das hat dann schon ein Storytelling Kreisky’scher Ausmaße, die auch dem letzten Album von Franz Adrian Wenzls Hauptkapelle nicht schlecht gestanden hätten, hier nur größtenteils im Dialekt vorgetragen. Dass da der Spaß nicht zu kurz kommt, darf als selbstverständlich betrachtet werden. Die Kombi sollte man sich übrigens durchaus auch live geben, da werden alle (Lach-)Muskelgruppen beansprucht, dagegen ist Zirkeltraining ein Halbkreis.

Das Album »Sanfte Krieger« von Austrofred & Kurt Razelli erscheint am 16. Oktober 2026 bei Wohnzimmer Records. Die nächsten Konzerttermine der beiden: 20. November, Steyr, Röda — 24. November, Wien, WUK — 14. Jänner 2027, Linz, Posthof — 16. Jänner, Graz, Orpheum Extra.