Ein Album für Nino-Purist*innen: der Meister diesmal nur mit der Akustischen auf wackeliger Handyaufnahme.

Da musst du dir schon überlegen, wie du jetzt zu ihm sagen sollst, denn der Nino Mandl ist hiermit mehr als nur Der Nino aus Wien, sondern auch der Paul McCartney aus Wien, der Bruce Springsteen aus Wien und von mir aus auch der Bon Iver aus Wien. Nicht nur wegen seiner immensen, knapp zwanzigjährigen(!) Bedeutung für Musik aus dieser schönen Stadt. Sondern auch, weil er nun das macht, was die Genannten für »McCartney« (1970), »Nebraska« (1982) und »For Emma, Forever Ago« (2007) auch schon gemacht haben: ein Album in kompletter Eigenregie aufnehmen. Und, ganz ehrlich, Neubau, Simmering, Hirschstetten und Favoriten sind jetzt auch nicht weniger schön als die schottischen Highlands, New Jersey oder halbzerfallene Waldhütten.
Die Leute behaupten zwar immer anderes – das kommt noch aus seiner Anfangszeit – aber der Nino aus Wien ist kein Unnahbarer, kein daheim Eing’sperrter, kein ausschließlicher »Drinni«; in einem Jahr kannst du ihn öfter live sehen als deine Eltern in zwölf. Doch so nahbar wie auf »Neubau Alone« war der Meister noch selten, höchstens vielleicht auf »Home Recordings«, der Begleit-CD zum Best-of »Immer noch besser als Spinat« aus dem 15er-Jahr. Auf der neuen Platte hörst du nur ihn und viel akustische Gitarre, hier und da mal eine Mundharmonika, manchmal dreht er den Fuzz auf, als wäre er J. Mascis.
Das gehört so
Besonders interessant dabei: Um soundästhetisch das Authentischste aus den Sessions rauszuholen, ist da gar nicht so viel gemastert und rumgepegelt worden. Ich hab’ drei verschiedene Kopfhörer ausprobiert, ein- und wieder ausgesteckt: Dass da was übersteuert oder breiig klingt, gehört wirklich so. Da musst du auch damit rechnen, dass du mal das Ausschalten der Handyaufnahme hörst. Genauso wie mit zarter Lyrik, die ehrlicherweise nicht an die großen ewigen Songwriting-Meilensteine etwa auf »Bäume« oder gar »Down in Albern« herankommt. Das muss und kann das neue Album gar nicht. Dafür beinhaltet es viel Selbstreferenzielles wie das chronologische Narrativ in »Zerrissene Figuren«, bei dem man merkt: Biografien überschneiden sich – und man darf sehr froh sein, dass dieser Mann schon auch ein wichtiger Teil so vieler Leben war und ist.

Das Album »Neubau Alone« von Der Nino aus Wien erscheint am 14. August 2026 bei der Medienmanufaktur Wien. Die nächsten Konzerttermine: 13. August, Eisenerz, Rostfest — 14. August, Wien, Theater im Park — 21. August, Wolfsberg, Container 25 — 28. August, Wien, Kulturverein 1210 — 29. August, Purkersdorf, Raiffeisen-Bühne — 5. September, Krems, Walking Concert — 9. September, Waidhofen an der Ybbs, Plenkersaal — 11. September, Wien, Böhmischer Prater — 12. September, Wien, Theater in der Josefstadt — 24. Oktober, Neusiedl, Impulse — 26. Oktober, Wien, Theater am Spittelberg — 2. November, Wien, Konzerthaus — 20. November, Wien, Orpheum — 21. November, Mistelbach, Kronen Kino.